Full text: (Dritter Band)

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marachen — Maria 
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Brüdigam verteilen; mar hierup lat ik mi 
nicht yn (Nd. Jb. 53, 147) ausgest. 
marachen (mara-xn), maracken, m o - 
racheln sw. v. „eifrig arbeiten“; gewöhn 
lich reflexiv: sik afmarachen s. I, 75, wo 
auch andere Formen des Verbs verzeichnet 
sind, dat Lfben is ’n Marachelie „ein sau 
res Stück Arbeit“. 
Marakel (marp-gl), Morakel, Mera- 
k e 1, Mirakel n. eigentl. „Wunder“, aus 
franz. miracle; „große Zahl“ (z. B. viele 
Schafe, Lämmer, Ferkel von einem Tier). 
dat is je ’n gans M. Nordfr. Durch Ver 
mischung mit Spektakel: he maakt M. 
„macht großen Lärm“, „stiftet Unfrieden“ 
Schw. Dtm. Mh. 
Maratz „Morast“ s. Moratz. 
Marän (marf-n) f. „Maräne“, „Renke“; 
auch Marenk(en) Kombination von Marän 
und dem hochd. Namen „Renke“ Plön 1800. 
Stap. Sage: Die Priorin des Nonnenklo 
sters in Zarrentin (Lbg.) verschrieb ihre 
Seele dem Teufel, wenn er ihr noch vor 
dem Läuten der Betglocke einen ganz fei 
nen und seltenen Fisch, nämlich eine Ma 
räne aus dem Comersee brächte. Der Teufel 
kam mit den Fischen zurück, ließ sie aber 
beim Läuten der Glocke in den Schaalsee 
fallen; seitdem leben diese Fische in dem 
See (Lbg.). 
Mardel „Marmel“, „Läufer“ s. Marmel. 
— mardeln sw. v. „Läufer spielen“ Neum. 
Mardel-bloom (ma-albloom) f. „Gänse 
blümchen“, Bellis perennis; vgl. Küken 
bloom III, 381; Mai-bloom. Oft zsgezogen 
zu Marl-bloom; daneben mannigfache 
Entstellungen: Margel. (Sgbg. FL. Plön), 
M a r r e 1 - (Fehm.), Marmel- (Neum.), 
M a r t j e n- (Ndtm.), M a r r - (Schönkir- 
ehen b. Kiel, Schw.), Mark- oder Marks- 
(Oh. Dw. Flensb.), Marker- (Sgbg.), 
M a r r i - (Hus.) bloom. Vereinzelt auch 
einfach Mardeln Sdtm. 
Mardel-perd (ma-alp fad) m. „Marien 
käfer“; der erste Teil erscheint auch als 
Marger- (Storm. Oh.), M a r k a - (FL.), 
Mark- (Plön 1840), Mars- (Plön 1840. 
Lbg.); vgl. Mhff. 2 Nr. 652, 1. Heim. 18, 203. 
Andere Formen: Marieküken Wankendorf, 
Markerkeuker Schmalensee (Bornh.). Vgl. 
auch Geesche I, 322; Kindjees III, 116; 
Maankatt, Mai-katt, -koh, Sünnkatt. 
Mardelsdörp Dorf auf Fehm. ach M., 
ach M., du liggst wol an dem Haven, s. Feh 
marn II, 45. 
Mardelweg bei Mhff. 2 Nr. 571 ruft der 
wilde Jäger einem, der quer über eine 
Koppel gehen wollte, zu: „Bleib du im gro 
ßen M., so beißen dich meine Hunde nicht“ 
(Dersau b. Plön). 
Marentaken Bezeichn, der „Mistel“, die 
als Mittel gegen die Nachtmahr (s. d.) ge 
braucht wird; vgl. Mhff.* Nr. 387, 2 u. 
Alfranken I, 100. 
Margarethen St. (magredri) Kirchdorf in 
der Wilstermarsch; vgl. Greet II, 475 u. 
Brochdörp I, 523. — Der Margarethenberg 
bei Bredstedt (Nordfr.) soll seinen Namen 
davon haben, daß eine Frau, die ihrer 
Schwester im Streit die Kehle durchschnit 
ten hatte, hier hingerichtet wurde; vgl. Ur 
quell 4, 167. 
Maria die Jungfrau Maria; als Mädchen 
name Marie (mari), Koseform Miete 
(mida), Diminutivformen Marieken 
(marigra), Marie k, Mieke. — se is so 
smuck as Mudder M. Dtm. se säht ut as 
Mudder M., von de de Goldschuum afkleit is 
„kränklich“; vgl. I, 72. Im Regenlied heißt 
es von der Sonne: beschien dat ganse En 
gelland, da hangt de Klocken an de Wand, 
wo Maria bawen sitt mit dat lüttje Kind 
in ’n Schoot (Mhff. 2 Nr. 652, 33). Gesang 
zum Ringelreihen: Als Jesus aus der Schule 
kam, da hatt er nichts zu essen; Maria kocht 
ihm Apfelmus, da hatt er was zu essen; 
Klein und Groß, Klein und Groß, alle in 
Mariens Schoß“ (aus Schw.). Kinderspiel 
Mudder Maria (auch Mudder Roos): Die 
Mädchen sitzen in einer Reihe einander auf 
dem Schoß; eine fragt die Reihe entlang: 
wonqm wahnt Mudder M.f Antwort: dicht 
achter mi! Bei der letzten: is se Mudder 
M.f Antwort: kannst mi dat nich ansehn? 
ik slaap nich, ik waak nich, ik bün nich in 
Droom. Die Fragende bittet dann um eins 
ihrer Lämmer; nach längeren Verhandlun 
gen sagt M.: nimm di vqr een weg un sluut 
achter wedder to.' Die Fragende nimmt nun 
die erste aus der Reihe auf; diese muß 
3 mal über einen Strich springen; lacht sie 
dabei, kommt sie in die Hölle (zu der Fra 
genden), sonst in den Himmel (zu Maria). 
Auf diese Weise werden alle Kinder ver 
teilt; zuletzt wendet sie sich an Mudder 
M.: schall ik fr man sülm hemm? Antwort: 
ik heff mien Hemd noch ni an, kaam in ’n 
Stünn werrer; dann: ik heff mien Jack 
noch ni an usw. Endlich: nu kaam man 
mit! Dann fassen sich Maria und die Fra 
gende bei den Händen, ihre Anhänger 
schließen sich an, und nun versuchen die 
beiden Parteien sich über einen Strich zu 
ziehen. Vgl. Mhff. 2 Nr. 637, 7; Handel 
mann, Volksspiele S. 56 ff.; Nd. Jb. 13,100 f. 
(Variante aus Ang.). Anderswo treten an 
die Stelle der Lämmer die Töchter; es wird 
gefragt: kann ik ni fr jüngste Dochter 
kriegen? — hesst güstem jo frst een kre- 
gen. — ja, de schult bi to Finsterwaschen,
	        
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