Full text: (Dritter Band)

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Kalfsledder — Kalwersmieten 
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Dtm. 1860. —ledder n. „Kalbsleder“; 
dazu kalfsleddern adj. „kalbsledern“, dor 
hijrt en k. Seel to „eine zähe, gewissenlose, 
harte Seele“ Wm. Dtm. (vgl. Groth 1, 208). 
— klauen, — klaugen f. plur. „Kalbs 
klauen“. Kinderreim: Alleraugen, K., 
Swiensföt smeckt söt Holst. 1840. —klü- 
n e k e n n. „Kalbsgekröse“ Holst. 1800 (Sch. 
2, 290); vgl. Kalwer-klunkens. —kopp 
m. „Kalbskopf“, he süht ut as’n aftrocken 
K. „mager“, „elend“ Ang. wat is dat Best 
an’n K.f (dat Kalf). Sprechübungen: keen 
kleen Kind kann keen kleen K. kaken 
Holst. 1840; auch fortgesetzt: kumm kleen 
Kladerjahn, kannst keen kleen K. kleen 
kaken? Neust. Klaas kaak Kohl, Klaas kunn 
keen Kohl kaken, Klaas kaak K. Dtm. 
Aberglaube s. o. bei Kalf. —s wes er 
„Brustdrüse des Kalbs“ Holst. 1800 (Sch. 4, 
233). —wuttel f. „Kalmus“, Acorus ca- 
lamus (Wm.). — b) mit dem Plural. Flur 
namen: Kalwer-diek Wiese Timmaspe 
(Rdsbg.), —hof Arkebek (Sdtm.), —holt Lui 
senlund (Eckf.), —koppel Damp (Schw.), 
—weid Wedel. Zsstzgen: Kalwer-bloom f. 
„Gänseblümchen“, „Maßliebchen“, Bellis per- 
ennis (Stap.); vgl. Klintbloom. —braden 
m. „Kalbsbraten“, op de Vigelin lett sik 
good spulen, sä de Afkat, do kreeg he ’n K.; 
vgl. I, 70. — dag m. „der Tag, an dem die 
Dienstboten (de Kalwer s. o. bei Kalf) wech 
seln“ Lbg. Vgl. —dingsdag, —maandag. 
— d a n s m. „ausgelassener (jugendlicher) 
Tanz“. Rachel, Sat. Ged. (1664) 3. 24: „tritt 
aber mit der Zeit das mänlich Alter an, so 
muß der Kälbertanz seyn gäntzlich abge- 
than“. he verteilt vun Ulenflucht un K. 
„von närrischen, albernen Dingen“ Holst. 
1840. K. hieß die für die Schiffahrt ge 
fährliche Stelle an der Mündung der Oste 
in die Elbe (Sch. 1, 206). —dingsdag 
m. „Kälberdienstag“, derjenige Wochen 
markt in Garding oder Tönning, der unmit 
telbar vor oder nach dem 12ten Mai statt 
fand; an diesem Tage traten die Dienst 
boten, de Kalwer (s. o. bei Kalf), ihren 
Dienst an und auf einem der beiden Märkte 
besorgten sie die nötigen Einkäufe. Eid. 
1797; vgl. Sch. 2, 215. —dreck m. „Käl 
berdreck“. K. rookt ni lang „kühlt schnell 
ab“; wird gesagt, wenn Kinder oder jüngere 
Leute sich übereifrig auf eine Arbeit stür 
zen (Hü.). — f o o t m. „Kalbsfuß“, dat is 
so söt as Kalwerföt in einem alten Tanz 
lied (Schw.), s. II, 228. —hart n. „Kalbs 
herz“. Kinderreim: ik wull so ggrn en bunte 
Rock un harr doch nix dorto; dor güng ik 
to dat Kalf; ik heff ni vgl un ggben di, ik 
ggf di mien Hart, heisa Kalwerhart, Voß- 
swanz, Hasendans, Höhnemipp, nipp, nipp, 
wat för’n bunte Rock heff ik Flensb.; vgl. 
Hasendans II, 535. — h u u s n. „Gebär 
mutter der Kuh“; s. afbengen I, 59. — k ] u n- 
ker m. spöttische Bezeichnung für „Man 
schette“ Dtm. 18. Jhdt. (Brem. Wbch. 6, 
127); Klunker bedeutet „Troddel“, „Quaste“. 
— kluun (Ndtm.), — klünken (Sch. 2, 
215), — klütjen (das.), — kragen (Wm.) 
„Brustlatz eines Herrenhemdes“; spöttische 
Bezeichn, „für die Spitzen oder Striemel, 
womit Oberhemden an der Öffnung vor der 
Brust besetzt werden und die unsere Herren 
(um 1800) vorn aus der Westenöffnung 
hervorquillen lassen“ Sch. 2, 215. Heute 
ausgestorben. Kluun bedeutet „Knäuel“, 
Klünken ist das Diminutiv dazu; Klütjen 
= „Klößchen“. — koopmann, — köper 
m. „Kälberhändler, -aufkäufer“. — kra 
gen s. —kluun. — k r o p p m. „Kälber 
kropf“, Anthriscus silvestris und Chaero- 
phyllum bulbosum oder hirsutum (so Sch. 
2, 216); auch —kruut genannt. Vgl. Gabel 
II, 286 f., Scharntüder, Schgrnfleut. Mit K. 
färbte man „hellgelb“ Prov. Ber. 1794, S. 
199. Die Kinder machen aus den hohlen 
Stengeln Blasinstrumente. — k r u u s, pl. 
—krüsen f. „gefalteter Hemdkragen“; 
„Krause“ wohl erst umgedeutet aus krös 
„Gekröse“; das faltige Vorhemd wurde mit 
dem Kalbsgekröse verglichen, öfter bei 
Fehrs: du hesst je en fienen Rock un witte 
Kalwerkrüsen vor de Bost (Allerh. Slag 
Lüd 1, 87). „Kragen, Krawatten oder Krau 
sen waren ihm ein Greuel; er nannte sie 
verächtlich olle Kalwerkrüsen“. —kruut 
n. = —kropp. — k u s e n f. plur. „Grau 
pen“; vgl. —tähn. —lock n. „Kälber 
loch“, Raum auf dem Stuhlwagen hinter 
dem Sitz und vor dem Heck; vgl. Krett. 
— maandag m. „Kälbermontag“, der Tag 
des Dienstbotenwechsels zu Pfingsten oder 
Michaelis, an dem die Dienstboten, de Kal 
wer (s. o. bei Kalf), lustig leben. Eid. 1800 
(Sch. 2, 215). Vgl. —dag, —dingsdag. 
— maat n. sehr verbreitet in der Wen 
dung: Kinnermaat un K. mgt ool Lüd wgten 
„Kindern und Kälbern muß das Essen zu 
geteilt werden“, besonders zu Kindern ge 
sagt, wenn sie mehr Essen verlangen. 
— rood f. wird zur Bereitung von Käse 
lab gebraucht (Wm.). —smieten n. 
„Fehlgeburt der Kühe“. Wer einem Nach 
barn dat K. verschaffen will, wirft ihm bei 
Nacht das tote Kalb ins Futter (Ang.). Um 
vom K. freizukommen gibt es verschiedene 
Mittel: Man wirft die Fehlgeburt zur Nacht 
zeit einem anderen in den Teich; das K. 
geht dann auf sein Vieh über; oder man 
hängt sie in den Rauch, oder man läßt aus 
einem gefundenen Hufeisen vom Schmied 
einen Nagel anfertigen und schlägt diesen 
stillschweigend in einen Ständer oder Bai-
	        
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