Full text: (Dritter Band)

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Kalf — Kalfsblood 
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(z. B. beim Mähen) „ist schlapp geworden“ 
Ang. he hett ’n K. doodstgken „ist aus dem 
Dienst entlassen“ Fehm. Vgl. noch Balken 
I, 218. — Vergleiche: he brüllt as ’n K. (von 
Kindern), he blarrt as ’n nüchtern K. „singt 
schlecht“, he lickt ut as ’n K. bi ’n hüten 
Brie Dtm. he süht ut as ’n nüchtern K. 
„blaß“, „kränklich“; as’n aflickt K. s. I, 
75. he maakt Ogen as sun staken K. FL. 
he stellt sik an as ’n nüchtern K. „albern“. 
he reis as K. ut un keem as Oss werrer Oh. 
Eckf. verdwgr un verdwass as ’n K. in ’t 
Gras Holst. 1840. dat schient as ’n swart 
K. in’n Stall (Kaben Dtm.) Holst. 1840. — 
de Kairoer nannte man früher die Dienst 
boten, die abgegangen waren und noch kei 
nen Dienst wieder angetreten hatten (Eid. 
Dtm.); vgl. Kaliver-dag, -dingsdag, -maan- 
dag, kalwern. — wat maakt de Kalwer? 
fragte man neckend die Büsumer, weil sie 
einmal ein Feld mit Kuhsamen bestellt 
haben sollen in der Hoffnung, dort würden 
Kühe wachsen (Dtm.); vgl. Mhff. 3 S. 526 
— Kinderreime s. Daler I, 662 f. Scherz 
erzählungen s. half II, 576; vgl. noch lürlütt. 
Im Verwunderungslied: dat K. leeg in’e 
Weeg un Sprung, de Koh de seet dorbi un 
sung. Rätsel s. B I, 189; D I, 639; Kaben. 
Nachbarreime, in denen ein geschlachte 
tes Kalb unter den Nachbarn aufgeteilt 
wird, kommen öfter vor; hier nur 2 Proben: 
Egert slach ’n K., Drexel kreeg dat Half, 
Hinnerk Burmeister kreeg dat Viddel, Je 
hann Burmeister kreeg den Kiddel („Fell“), 
Scharnwgwer kreeg de Knaken, Schumann 
muß gr kaken, Köhler kreeg de Darm, bi 
Hansjochen weer de Lärm, Warnk kreeg de 
Ogen, Hetmann röp sin Jochen, Grade kreeg 
de Fäut, hgr mal, smecken de säut; Köster 
kreeg den Swanz, Wenk röp sien Hans, 
Piper kreeg de Snuut, Schütt freet all’ns ut, 
Hans Burmeister keek ut Ulenlock, veraftig, 
ik hau di mit de Ax vor ’n Kopp! Grambek 
(Lbg.). — de Buurvagt slach ’n K., Krellen- 
barg kreeg ’t half, Jehann Molt kreeg ’n 
Viddel, stickt Sweim ünner ’n Kiddel, Kasper 
Westphal kreeg de Därmen, Kasper Meier 
maakt Larmen, de Hornbuur kreeg ’t Schiet, 
Grell stgkt inne Piep, Jehann Tho (Thode) 
kreeg de Knaken, Dedl Behrens sä: kannst 
Supp vun kaken, Dedl Meier kreeg de 
Lgwer, Aesmann harr ’n Bgwer, Hinnerk 
Lüth kreeg den Swanz, de Möllerbuur güng- 
to Danz, de Smidt sä: nu is’t all, do fghr 
de Möller to Ball. Strenglin (Sgb.) um 1850. 
— Sagen: Im Wodansberg bei Windbergen 
(Sdtm.) liegt ein goldenes Kalb vergraben; 
vgl. Mhff. 3 S. 548. Wenn am Kreuzweg 
zwischen Büsum und Westerdeichstrich 
nachts um 12 Uhr ein Wanderer vorüber 
kommt, springt ihm ein buntes Kalb auf 
den Nacken; vgl. Mhff. 2 Nr. 378, 3. Ein 
großes rotes oder weißes Kalh erscheint 
auch sonst als bösartiger Spuk; vgl. Heim. 
36, 249 (Wankendorf); 37, 174 (Dänenbrook 
bei Schipphorst). — Aberglaube: Beim Trän 
ken eines nüchternen Kalbes muß man ein 
Zweipfennigstück in die Milch legen und 
es nachher einem Bettler schenken (Dtm.). 
Sterben die Kälber, so vergräbt man ein 
neugeborenes gesundes Kalb unter der Stall 
türschwelle oder man hängt den Kopf eines 
Kalbes in das Ulenlock (Dtm.). Ein weißes 
Kalb muß gleich nach der Geburt getötet 
werden; sonst kommt Unglück ins Haus 
(Holst. 1840). Spruch gegen die „Rose“: 
swart K. un bruun Sprüngen tosamen gwer 
’n Tuun; helpt dat nich, so schaadt dat nich 
Eutin. Anderes s. Urqu. 3, 248. — Ableitun 
gen: a) vom Sing, kalf sch (kalfs) adj. 
„albern“, „verzogen“, „kindisch“, de Dgrn 
is k.; wat hett se sik ümmer k.! wat hett 
se för k—e Türen! du warrst je wull noch 
k. op dien ölen Daag. Vgl. kalwerig, kal- 
wig. b) vom Plur. k a 1 w e n (kalvp, kalm) 
sw. v. 1. „ein Kalb werfen“, de Koh schall 
k.; se steit vör’t K. Scherzhaft: wenn’t 
lücken schall, kalft de Bull (de Oss) Holst. 
1840. Aberglaube: Wenn eine Kuh zum 
ersten Male gekalbt hat, muß eine reine 
Jungfrau dreimal schweigend unter ihr 
durchkriechen; dann steht sie gut (Sch. 2, 
313). 2. „bekalben“, nur im Part. Prät. 
kalft, kalf gebräuchlich, en kalfte Koh; de 
Koh is kalf „trächtig“ Holst. 1800 (Sch. 2, 
216) Wm. Oh. — kalwern (kalvan) sw. v. 
„sich albern, läppisch benehmen“, wat kai- 
wert se dor rüm! (häufig von Liebesleuten). 
Vgl. Kalwermaandag. kalwerig (ka-lvdri) 
adj. „albern“, „kindisch“, „verzogen“; vgl. 
kalfsch, kalwig u. albern I, 99. Zweispän 
ner: alweri un k. — Zsstzgen: a) mit dem 
Sing. Kalf- oder Kalfs-: Kalf-fell n. „Kalbs 
haut“. dor kümmt mghr K. to Markt as Ossen- 
huut „mehr minderwertige Ware als gute“ 
Holst. 1840- Auch für „Trommel“, de Vad- 
der un Mudder ni hgren (folgen) will, mutt 
dat K. hgren (Storm.) oder mutt ’n Düwel 
ünner ’t K. hgren (Oldbg.) „muß Soldat wer 
den“; aus der Zeit, wo die Soldaten noch 
geworben wurden. — fleesch n. „Kalb 
fleisch“. he hett noch tovgl K. oder dor sitt 
noch vgl K. op em oder dat K. is dor noch 
ni raf „er ist noch albern, kindisch“. K. 
is Halffleesch; vgl. II, 578. Vgl. noch 
Fruensfleesch I, 239; Gericht II, 353. — 
Zsstzg. Kalffleesch-bloom dass, wie Fleesch- 
bloom H, 140. — k e e s m. „Preßkopf aus 
Kalb- und Schweinefleisch“ Ang. — mel 
ken sw. v. „unnützes Gerede machen“, wat 
hebbt de Lüd to k.f Sdtm. Kalfs-blood 
n. „Kalbsblut“, he wgr rood as nüchtern K.
	        
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