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jüm — .Hink 
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kreilit jüst vor de Oien jüm Finster Dtm. 
Vgl. noch Sch. 2, 199 jüms Geld „ihr Geld“. 
— 2. Nom. Dat. Akk. Plur. des persönlichen 
Fürworts der 2ten Person: „ihr“, „euch“. 
Auch im Nordfries, ist der Dat. Plur. des 
geschlechtigen Fürworts als 2te Person auf 
gefaßt und auf den Nom. übertragen: jam 
„ihr“ (Amrum Föhr), jcem (Hattstedt), jim 
(Helgoland); vgl. jem, jim. Das jüm-Gebiet 
umfaßt die Landschaften Stapelholm, den 
östlichsten Teil von Eiderstedt, Norderdith 
marschen und Süderdithmarschen bis in die 
Kirchspiele Windbergen und Barlt, während 
in den Kirchspielen Marne, Brunsbüttel, St. 
Michaelisdonn, Eddelak und Burg das „hol 
steinische“ ji, ju herrscht; doch ist auch in 
diesen Gegenden (außer in Burg, das nur 
ji, ju hat) jüm nicht selten zu hören; es 
scheint noch im Vordringen. Wenn Claus 
Harms 1820 sagt, daß in Sdtm. jüm fehle, 
so erklärt sich das wohl daraus, daß er aus 
Fahrstedt im Kchsp. Marne stammt; im Wi 
derspruch zu seiner Angabe steht übrigens, 
daß er 1813 in den „Übungen“ § 13 jüm 
Nawersch ehr Hartleed anführt (s. u. 3.). 
Im Osten fällt die Grenze des jüm-Gebietes 
in Dtm. ganz mit der alten Landesgrenze 
gegen Holstein zusammen; der Gegensatz ist 
noch heute lebendig; in den Grenzdistrikten 
verspottet man die Dithmarscher mit ihrem 
jüm, die Holsten mit ihrem ji, ju. Drastisch 
kommt der Gegensatz auch zwischen Stap. 
und dem benachbarten schleswigschen Di 
strikten im Osten zum Ausdruck: Die Ber- 
genhusener (Stap.) spotten über die Bör- 
mer: ji un ju hebbt de Büx vull schqten; 
die Börmer erwidern: un jüm hebbt dat wed- 
der rein maakt. Vereinzelte Belege für jüm 
„ihr“ finden sich auch außerhalb des ge 
schlossenen Gebietes, z. B. in Wm. Glückst. 
Pbg. Kk. Itz. Neum. Hohenw. Lbg.; doch 
handelt es sich dort wohl kaum um boden 
ständiges Gut. Der älteste bis jetzt nachge 
wiesene Beleg für jüm „ihr“, „euch“ steht 
bei Rachel im Hochzeitsgedicht: he geit 
fleuten, dat 's für jüm (1650). Prätorius (Nd. 
Jb. 8, 156): ik bün jüm obligeert in der An 
rede (1725); Ziegler bezeugt es 1755; Sch. 2, 
199 (1800): will j. bald kamenf Oft dann bei 
Groth, z. B. 1, 7 jüm schrieft mi. 2, 123 
laat j. dat smecken; vgl. 1,109.161. 179. 204. 
2, 342. Storm, Ges. W. 7, 49 wa willn j. hen? 
— Als Reflexivum nach jüm erscheint nur 
sik; da Dat. u. Akk. auch jüm lauten, mei 
det man den Gleichklang; statt hebbt jüm 
jüm baadtf „habt ihr euch gebadet?“ 
sagt man: hebbt jüm sik baadtf Eben 
so: bunt jüm sik noch ni eenigf jüm 
mgt sik dat Pqrd mal ankieken, wat 
hebbt jüm sik freut! dat laat jüm sik 
gef allen f; im ji-Gebiet heißt es in allen Bei 
spielen ji ju. Wo das Pronomen fehlt, wie 
bei Imperativ, also gleichlautende Formen 
nicht Zusammentreffen, bleibt jüm als reflexi 
ves „euch“: schaamt jüm!, aber schaamt jüm 
sik garnif — Vgl. zu jüm „ihr“ H. Kohbrok, 
der Lautstand des jüm-Gebietes in Dithmar 
schen Kiel. Diss. 1901. H. Sievers, die Mund 
art der Stapelholmer Marburg. Diss. 1914. 
Teuthonista 5, 16. — 3. besitzanzeigendes 
Fürwort der 2ten Person im Plural: „euer“. 
ik heff jüm Breef krqgen (vgl. Groth 1, 7. 
2, 342). jüm sitt bi jüm Zeitung Groth 1, 
95. ’n kloken Jung, jüm Fritz (Storm, Ges. 
W. 7, 9). jüm hebbt je rein gqrnix für jüm 
Geld, ik blief bi jüm as jüm Grootknecht. 
versuupt jüm Graam, awer nich jüm Kraam 
Dtm. — 4. „jemand“, is dor jümf Eckf.; s. 
jüms. Vgl. een I, 997; wul. — 5. Vereinz. 
„jeder“, denn fghrt jüm to Huus (vom 
Markt) Rellingen (Pbg.). 
Jümfer „Jungfer“ s. Jumfer. 
jümme (zyma) Possessivpron. der 2ten 
Person im Plural: „euer“, j. Bedeute Hus. 
jümmen Vadder (Nominativ!) Hus. Vgl. 
jüm 3, ju. 
jümmer (zyma) u. jümmers (zymas) adv. 
„immer“; mnd. jümmer (aus iomer), ümmer. 
Beide Formen weichen vor ümmer zurück, 
bes. in den Städten; jümmers wird fast über 
all als abst. bezeichnet; doch sind oft noch 
alle 3 Formen nebeneinander in Gebrauch. 
j. un j. „immer und ewig“, j. wiss weg 
„immerfort“, „unaufhörlich“, dat is j. schade 
„ewig schade“ Sch. 2, 200. wo geit de Weg 
lankf j. de N$s lank. j. hau to „schlag nur 
immer zu“ Hohn. j. swieg still „schweig 
meinetwegen still“ Hohn; in dieser Ver 
wendung sonst selten. Trinklied: j. duun un 
smöken s. I, 865. Vgl. ümmer. 
jüms (zyms), jüm Eckf. pron. „jemand“; 
wohl erst nach nüms (aus mnd. nümmannes) 
gebildet. Ältester Beleg bei Prätorius (17ü5): 
sprekt see met jyms, de nich van erer Fründ- 
schopp is (Nd. Jb. 8, 159). Sch. 2, 200: is 
dor jümsf Diermissen, Strohot 137 (1847): 
binn jüms an liek en Hund un du finnst 
em wedder liek en Broder. Sehr oft bei 
Piening aus Sdtm. um 1860; aus dem Volks 
mund wenig belegt, is dor jümf Eckf. Vgl. 
wüms. 
Jünfer „Jungfer“ s. Jumfer. 
Jünk (zyng) n. „Falte“ Dtm. Dazu: j ün- 
k i g (ly ragi) Dtm. Stap. u. jünksch 
(zytags) Dtm. Schenef. adj. „faltig“, „schief“. 
dat Tüch sitt (is) j. „das Zeug sitzt nicht 
grade“, „wirft an Unrechter Stelle Falten“; 
auch wenn beim Zeugrecken die Kanten 
schief sind. Herkunft unklar. Übertragen: 
he kreeg em bi ’t J. „faßte ihn im Genick“,
	        

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