Full text: (Zweiter Band)

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B. Fret.fewer, freien Fewer (s. Groth 2, 
44) „Gefräßigkeit“, Fuul-fewer „Trägheit“. 
— he hett vqI F-s „hohes Fieber“ Dtm.; vgl. 
willern, rasen, dat F. afschrieben (afknüt- 
ten) „durch abergläubische Handlungen 
heilen“, s. u. „Aberglaube“. Daher die Dro 
hung: ik will di dat (hole) F. afschrieben 
(verschrieben Ang.) „ich werde dich von 
deiner Torheit heilen“, „ich werde dir hel 
fen!“ Wm. Storm. Kh. Sgbg. Eckf. Ang. 
dat is so koold as dat F. Ang. dat is (paßt) 
jüst oder dat kämmt to Paß (is jüst vun 
Paß) as Hans Wust sien F., (dat w?r) ni 
to hitt un ni to koold meist anerkennend: 
„so ist es gerade recht“, „das kommt mir 
■wie gerufen“ Mh. Dtm. Fehm. Dw.; doch 
auch: he hett Mars Kühl sien F., dat paß 
jüst, dat w?r nich to hitt un nich to koold 
„er hat das Faulfieber“ Hü. — Wird beim 
Kartensp. „Kreuz“ als Trumpf angesagt 
oder ein „Kreuz“ ausgespielt, so sagt man: 
Klewer (s. d.) hett F. Hü. — Im Rammer- 
lied: Kaffi de is good för („gegen“) ’t F. 
Brunsbüttel (Sdtm.); s. Kaffe. — Döntje: 
En Smidt harr’t F. (Freernd). He eet Arfen 
un Speck; dat F. stunn. De Dokter keem 
un schreef in sien Book: „Erbsen und 
Speck ist gut für’s Fieber.“ En Snieder 
hreeg ok dat F. De Dokter orneer („ver- 
ordnete“) Arfen un Speck; de Snieder bleef 
awer dood. Dor schreef de Dokter in sien 
Book dgrbi: „För ’n Smidt, awer man ni 
för ’n Snieder“ Sdtm. — Aberglaube: 
Das F. hat seinen Sitz im Magen; dort 
sitzt irgendwo etwas, das Ähnlichkeit mit 
Froschlaich (Poggenkoller) hat und beim 
F. an zu zittern fängt, sich zitternd in alle 
■Teile des Körpers ausbreitet und sich dann 
zitternd wieder in den Magen zurückbe- 
^ e 8t (s. Urqu. 2, 95). Da die Ärzte dem 
Wechselfieber so gut wie ratlos gegenüber 
standen, griff das Volk zur Zeit der Fieber- 
Epidemien (s. o.) zu allen möglichen Mit 
teln. l. Vorbeugungsmittel: Um sich (auf 
uie Dauer eines Jahres) gegen das Fieber 
(»gelbe Fieber“ Ggd. v. Lüb.) zu schützen, 
muß m ail ,jj e ers ^- e ( me i s t: die 3 ersten) 
ßiuten der Osterbloom (s. auch Fewer- 
■nJ? 0 ™' '»Buschwindröschen“ (Holst, außer 
r.,*iensb. Ang.) oder die drei ersten 
u en der gelben Osterblume Slgtelbloom 
Pnmula (Schw.) oder die 3 
Kukuksblatter „Bisamkraut“ 
tosella (Jb. f. Ldk 7 
t J 3 ?™ Blüten des 
Mardelbloom Bellis perennis (Dtm. Flensb.) 
x , er *r® ® ersten roten Nußblüten (Ang.), 
• reoWuten (s. Ahr l ), die man im Früh- 
, a , r findet, stillschweigend essen. Auch 
oeKommt man das F. nicht, wenn man sich 
h reitag die Fingernägel schneidet 
Schleswig.Holsteinisches Wörterbuch. II. 
ersten 
Adoxa ace- 
383) oder die 
Gänseblümchens 
(Stap.), wenn man am Morgen des ersten 
Ostertages vor Sonnenaufgang im Bett ein 
Stück Apfel ißt (Jb. f. Ldk. 7, 383). S. 
auch Brood S. 529 d, Buckel S. 617. — 2. 
Heilmittel: a) Einnehmemittel: a. feste 
Stoffe: Man esse 3 Pflaumen, die man 
stillschweigend einem Nachbarn aus der 
Küche entwendet (Sdtm.), 3 Pflaumen, in 
denen je 3 Läuse stecken (Schw.), 3 süße 
Mandeln, die man sich erbittet und mit 
den Buchstaben Aga, Maga, Machala be 
schreibt (Ggd. v. Lüb., s. Heim. 19, 208). 
Rosinen oder Feigen müssen morgens auf 
nüchternen Magen mit 7 bezw. 1 Stück be 
ginnend, täglich um 1 bezw. 2 Stück ver 
mehrt bis zu einer Anzahl von 21 bezw. 5 
und dann zurück bis zur Ausgangszahl ge 
gessen werden (Eid.). Reiner weißer Sand 
muß eßlöffelweise (2—3 Male täglich 1 
Teelöffel voll, Eid.) eingenommen werden 
(Ndtm., s. Urqu. 2, 97). Auch zerstoßener 
Pfeffer hilft (Fehm.). Oder auch das F. 
wird einfach in Butterbrot „weggegessen“ 
(Urqu. 2, 95). — ß. flüssige und in Flüssig 
keiten aufgelöste feste Stoffe: In der unter 
a. („Rosinen oder Feigen“) angegebenen 
Weise 1, 2, 3 bis 9 oder 1, 3, 5 Löffel kalten 
(d. h. wohl: aus einem fließenden Bach 
geschöpften) Wassers stillschweigend ein 
nehmen; mit einem neugekauften Trink 
geräte morgens vor Sonnenaufgang an drei 
aufeinander folgenden Donnerstagen nach 
einem „lopen Water“ (Bach, Au) gehen, 
dreimal gegen den Strom schöpfen, es dem 
Kranken bringen und ihn trinken lassen, 
den Rest jedesmal vor Sonnenaufgang zu 
rückbringen und in 3 Malen mit dem 
Strom fortgießen; während der ganzen 
Zeit darf weder von dem Wasserholer noch 
von den übrigen Bewohnern des Kranken 
hauses ein Wort gesprochen werden (Dtm.). 
Man nehme morgens nüchtern 3 Schluck 
vom eigenen Urin und werfe dann den Topf 
entzwei (Dw., vgl. Urqu. 2, 97). Auch Brot- 
wasSer aus Schwarzbrotkrusten bereitet 
(Holst. 1850), Terpentin 2—3 Teelöffel täg 
lich (Eid.), heiße, süße Buttermilch oder 
auch ein steifer Grog helfen gegen F. Tees 
u. Aufgüsse: Flieder- u. Kamillentee (Dtm.), 
Tee von weißblühenden Taubnesseln (Oh.), 
der aus der kleinen Brennessel ausge 
drückte Saft (Hus.), Dreiblatt- (s. Fewer- 
kruut, Dreeblatt S. 843) und Wermut-tee 
oder -schnaps (Oh. Fehm. Dtm., vgl. 
Wremp), aus trockenem Schaf- und Gänse 
kot bereiteter Tee (Ggd. v. Lüb.), zerstoße 
ner Kalk aus der Wand mit Branntwein 
gemischt (Rdsbg., s. Urqu. 1, 187). — b) 
„Afb^den“: Man betet das F. in ein fließen 
des Gewässer hinein (lopen Water, vgl. 
a) a. u. /?.): ik sei mien Saarn in diesen 
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