Full text: (Zweiter Band)

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Fastelabeml 
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dem Jubel der Jungen nach der Herberge. 
Am Nachmittag ordneten sich alle Tuch 
macher maskiert zu einem Zuge, in dem 
„Hans un Greet“ und ein „Kommandeur“ 
die Hauptpersonen waren. Dieser ritt rück 
lings auf einem Esel, mit einem großen 
Säbel in der Hand; auf dem Kopf hatte er 
einen großen, schwarz beklebten Drei 
master aus Pappe mit der Inschrift: „Sieg 
oder Tod!“ Der Zug ging durch den gan 
zen Ort und kehrte dann zur Herberge zu 
rück; hier wurde um Heißewecken gespielt. 
An dem Umzug beteiligten sich auch 
andere Gewerkschaften, z. B. die Zigarren 
macher, die als Wahrzeichen eine riesige 
Zigarre von 8 Mann tragen ließen. — Zu 
den alten Fastnachtsbelustigungen in Neu 
münster gehörten auch die närrischen 
Sitzungen des Karniiffelamts und des 
Scherwenzelamts; vgl. Jb. f. Ldk. 6, 398 f. 
und Karnüffel. — Zu den beliebtesten 
Masken gehörten Doktor und Apotheker, 
die auch beim Umsingen der Knechte (s. 
o.) zuweilen auftraten (Eckf. 1830). Vgl. 
den Fastnachtsspruch aus Schw. bei Dolcter 
S. 746. — In Friedrichstadt spielten die 
Kinder am Fastnachtsmontag Ossenslach- 
ten: ein Knabe verkleidet sich als Schlach 
tergeselle, zwei andere stellen unter einer 
Fußmatte den Ochsen vor; sie ziehen von 
Haus zu Haus und, wo ihnen das Schlach 
ten erlaubt wird, wird der Ochse von den 
Gesellen niedergeschlagen und erstochen 
(possenhafte Nachahmung der Opferhand 
lung); vgl. Zs. 11, 235 und das „Bock 
schlachten“ Jb. f. Ldk. 4, 289. — 6) Viel 
fach beschränkte sich die Fastnachtsfeier 
auf Trinkgelage, Schmäuse und Tanzlust 
barkeiten, ohne daß besondere Bräuche ge 
übt wurden. In früheren Zeiten wurde am 
Fastnachtsmontag die Bauerschaftsrechnung 
abgeschlossen, und darauf folgte dann eine 
Festlichkeit. Die Bauern des Dorfes gaben 
in bestimmter Reihenfolge der ganzen 
Bauerschaft das Fastelavendesheer (vgl. 
z. B. Chron. des Hartieh Sierck St. 180: 
anno 1626 gaff ick Hartych Syrck dat 
fastelavendes hehr dem bürschopp Wrome); 
ein Rest davon lebt in der Sitte, daß die 
Bauern abwechselnd ihr Haus für die 
Feier der Knechte (s. o.) zur Verfügung 
stellen. Früher wurden auch manche Stra 
fen in Bier festgesetzt „up Fassläm to vsr- 
drinken“. Es ging in den Fastnachtstagen 
oft toll her; jedermann feierte, niemand 
war zu Hause, sodaß dort alles in Unord 
nung geriet und auf den Kopf gestellt 
wurde. Dieser Zustand spiegelt sich in 
einem z. T. verstümmelten und mit ande 
ren Liedern vermischten Lied wieder: Faß- 
lam hier nich (?), stgk den Foot in’t Für 
nich, st?k ein in de Aschen, kannst em 
wedder waschen, stgk em in de Emern (s. 
Einer 2 S. 1044), föhr dormit na Fehmern: 
as'ik na Fehmern keem, wgr dor nüms to 
Huus as de ole Kluckhghn, seet op'n Für- 
hqrd un hraa Pannkoken; de Hund de 
wascht de Schütteln up, de Katt de kleit 
de Botter ut, de Fleddermuus de f$g dat 
Huus un achter de groot Schün dor döschen 
twee Kappün, se döschen dor good Hawer- 
kaff, dor hruun se good Beer af, Beer fung 
an to brusen, Stenner ut’n Husen, Hghn 
up’t Heck full mit de Nf,s in Dreck; mit 
manchen Varianten auch zum Rummelpott 
(s. d.) gesungen. Vgl. Heim. 14, 46. Der 
Anfang des Liedes wurde auch als Spott- 
vers auf den Aschermittwoch der Katho 
liken gesungen (Kiel 1870). Selbst die 
Tiere merken, daß Fasslam gefeiert wird. 
Die vernachlässigten Kühe auf dem Stall 
Brüllen: is Fasslam no ni bald u-u-ut? Der 
Hahn kräht: dat duuert noch vqrt.ein Daag! 
Die Hühner scharren auf dem Kornboden 
an den Garben herum und gackern: wull 
dat all Daag Fasslam wgr, all Daag F. 
w$r, all Daag F. w$r. Die Enten auf der 
Diele zehren von den Körnern, die die Hüh 
ner durch das Forkloch herunterkratzen, 
und schnattern: dat giff Gott, dat giff 
Gott, dat giff Gott! oder Fasslamdsdag, wat 
en Gelag! Dtm. Vgl. Heim. 16, 181. Auf 
das sorglose Leben in diesen Tagen weist 
auch der Vers: Fasslam, denn leggt dat 
Hohn, denn kalft de Koh, denn wasst den 
Buurn in Slaap wat to Elmsh. Der Fast 
nachtsmontag wurde früher auch de blaue 
Maandag genannt, s. blau S. 376. — 7) In 
der Fastnachtszeit gehen die Kinder ge 
gen Abend gabeheischend mit dem Bum 
melpott und singen dabei bestimmte Lie 
der; darüber s. Rummelpott. — 8) Auf Feh 
marn spielen die Jungs Fastnacht Haspel- 
hei. Eine Partei versteckt sich, die an 
dere muß suchen. Die Partei, die sich ver 
steckt hat, muß sich hören lassen mit den 
Worten: Haspelhei, de Büx ritt intwei. 
Vgl. Heim. 34, 221 f. u. Haspelhei. — Fest 
stehende Fastnachtsspeisen sind: Heißewek- 
ken in Milch, Schweinskopf und Mehl 
beutel, Grönkohl mit Mettwurst oder 
Schweinskopf (auf Fehm. Fleeschfatt ge 
nannt), gesalzene Schweinsfüße, die von 
dem Einschlachten her eigens für Fast 
nacht auf bewahrt und in den Wirtschaf 
ten zur unentgeltlichen Benutzung aufge 
stellt werden (Dtm.), Stippklümp (s. d) Gg. 
v. Kiel. Als Getränk gibt es in Eid. Flipps, 
ein heißes Getränk aus Gutbier, Rum, Eiern 
und Ingwer. Vgl. Sch. 1, 12. 2, 123. — 
Zsstzgen: Faßlabend-gill f. „Fast 
nachtsgilde“, Vereinigung zur Feier einer
	        
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