Full text: F bis J (Zweiter Band)

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Fastelabend 
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Vigelin Ndtm. Zuweilen tritt an die Stelle 
des Reimspruches eine Rede des Führers 
in Prosa: Wi sammelt to Faßlamd, un wiel 
wi nu vermoden doot, dat ji noch enige ole 
Mettwüst un Schinken von vergangen Jahr 
ünner’n Wiem hebbt — een wüllt wi ok 
nich versmaden — möglicherwies ok enige 
ole verschimmelte Schillings noch in’t 
Schapp liggen hebbt, so sprgkt wi hier bi 
ju vgr un b$d, en ring Beel darvon uns af- 
togqben. Wenn ji awers halsstarrig sünd 
un nix herg$ben wüllt, dennso n$hmt wi, 
wat wi kriegen künnt Kk., vgl. Heim. 12, 
42. Andere Bettelreime s. bei Rummelpott 
u. Heim. 14, 46. Auch in den Städten kamen 
früher ähnliche Umzüge vor; so zogen in 
Bramstedt die Gesellen und die Postillione 
auf dem Posthorn blasend von Haus zu 
Haus und erbaten Eier und Speck für die 
Mahlzeit am Abend; auch liefen junge 
Leute mit Schellen durch die Straßen, um 
„das Gras auszuläuten“ (deutet auf die 
alte Frühlingsfeier); sie wurden dafür mit 
Speck beschenkt; vgl. Mitteilungen des 
anthropolog. Vereins 11, 10 f. — b) Längst 
erloschen ist das Umsingen des Lehrers mit 
den Kindern zu Fastnacht, wobei die Kin 
der vor den Türen sangen, während der 
Lehrer die Trommel dazu schlug. In einem 
Dithmarscher Visitationsbericht von 1590 
wird angeordnet, daß die Lehrer „in dem 
gebrukliken Umsingende jegen de Vastela- 
vendes Tydt“ selbst mitgehen sollen, um zu 
verhüten, daß Ungebührliches geschehe. 
Die Sitte hielt sich im Marschgut Neuen 
dorf (südl. v. Glückstadt) bis gegen 1700; 
seitdem erhielt der Lehrer als Ersatz für 
die ausfallenden Gaben vom Gutsherrn 
eine bare Summe, die Fastelabend genannt 
wurde: he kreeg sien F. (vgl. hesst’n goden 
Wiehnachen kragen?). Länger war es üb 
lich, daß die Konfirmanden dem Lehrer 
am Fastnachtsmorgen Heißewecken brach 
ten (Prb.). In Meimersdorf b. Kiel ver 
sammelten sich am Fastnachtsabend die 
Eltern mit ihren Kindern in der Schul 
stube, nachdem sie vorher reichlich Butter, 
Fleisch, Mehl usw. eingeliefert hatten; in 
der Küche des Lehrers wurde gekocht und 
gebraten^ dann wurde gemeinschaftlich ge 
gessen; die nicht verbrauchten Vorräte 
wurden am Tage nach dem Fest für Rech 
nung des Lehrers nach Kiel zum Verkauf 
gebracht (1850). — c) In Dtm., bes. auf der 
Geest war bis in unsere Zeit hinein zu 
Fastnacht das Swiern oder Ümswiern ge 
bräuchlich; vereinzelt ist es noch üblich. 
Man zog am Fastnachtsmontag truppweise 
mit Gesang und Musik (Handharmonika) 
von Haus zu Haus; überall wurde Brannt- 
wem gereicht, gesungen, getanzt und ge 
scherzt. Zuweilen wurde das Swiern auf 
mehrere Tage, ja auf die ganze Woche 
ausgedehnt: in Eckstedt (Sdtm.) swiert se 
8 Daag. Vgl. Urdsbr. 3, 120. Urqu. 1, 129. 
Heim. 21, 237. — 3) In sehr alte Zeiten 
scheint ein Brauch zurückzugehen, der auf 
ostholst. Gütern bis ins 18te Jhdt. hinein 
geübt wurde. Am Fastnachtsabend zog alles 
in den Wald an eine freie Stelle, in deren 
Mitte ein einzelner Baum stand. Dieser 
Baum wurde unter allgemeinem Jubel von 
den Männern gefällt und in Scheite zer 
schlagen; dann wurde ein großer Holzstoß 
errichtet und angezündet. Man lagerte sich 
um das Feuer herum und trank unter aller 
lei Scherzen Bier, das man am Feuer 
wärmte. Vgl. Heim. 17, 51, — 4) Alte Fast 
nachtsbelustigungen sind Ringreiten (s. 
Ringrieden), Rolandreiten (s. Roland), auch 
Torfsodenlaufen (eine Abart des Eierset- 
tens, s. Ei S. 1021 u. Torf), Katzenschla 
gen und in Dtm. u. Eid. Eisboßeln (achter’n 
Aben booßeln s. I, S. 439 u. Hahnbeer). Vgl. 
Jb. f. Ldk. 5, 141 ff. 159. 163. 188. Sch. 1, 
309. 2, 123. 3, 60. Heim. 21, 237. Urqu. 1, 
129 f. Vielfach üblich ist heute noch das 
Ausspielen von Heißewecken mittelst Wür 
felbecher oder Kreiselrad bei den Bäckern 
oder im Wirtshaus (Stutenspglen, —ver- 
dreihn Dtm., Elbm., Ang.); auch das Kar 
tenspielen um Heißewecken (Heetwigenkgrt- 
jen), das oft auf mehrere Tage ausgedehnt 
wird; alle Einsätze bleiben stehen und 
fallen dem Bäcker zu, der dafür Heiße 
wecken liefert (Wra.) Vgl. auch Fief ut. 
Über das Bullenstöten s. d. S. 571. — 5) 
Fastnachtsumzüge, Vermummungen und 
Verkleidungen waren früher auch in SH. 
üblich, he löppt oder Igft Faßlabend sagte 
man von dem, der zur Fastnachtszeit kräf 
tig mitmachte, in närrischem Aufzug durch 
die Straßen lief und allerlei Scherze trieb 
(1785; vgl. Schl.-Holst. Anz. 1785, S. 128). 
Bescheidene Reste haben sich bis ins 19. 
Jhdt. erhalten, besonders lange, wie es 
scheint, in Neumünster (bis etwa 1860). 
Hier war der Fastnachtmontag für alle 
Gesellen und für die ganze Jugend der 
Hauptfesttag im Jahr; Maskenzüge der ver 
schiedenen Gewerkschaften bewegten sich 
durch die Stadt. Die Mitglieder der Tuch 
macherinnung versammelten sich schon 
früh morgens in ihrer Herberge bei der 
Lade; Säumige, die beim Aufruf der Na 
men noch nicht anwesend waren, wurden 
aus ihren Quartieren geholt und rittlings 
auf einen Windelbaum gesetzt; ein Besen, 
an dem eine Laterne hing, wurde ihnen 
über die Schulter gelegt; zwei Personen 
hielten sie an den Beinen fest, damit sie 
nicht herunterfielen, und so ging es unter
	        
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