Full text: F bis J (Zweiter Band)

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Fastelabend 
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Rute auf dem Lande von Haus zu Haus 
und bitten um eine Gabe; sie werden meist 
auf der Diele abgefertigt; dabei sprechen 
sie: Faßlamd is pick un pick (hickel in 
schrickel), nggen Küken (Müs, Kaninken) 
beten sik, mien wgr dor mirren mank, beet 
de annern dood un krank (oder: beten sik 
all krank un dood, giff mi wat in Rummel 
pott! Prb.); düsse Dgl is holl un boll, Se 
hebbt Reetwichen, dat weet ik woll, dor in 
Schapp, dor is dat Nest, ggf Se mi een af, 
denn sünd Se de best; de een is mi to lütt, 
de tweet is mi to groot, de drüdd kann mi 
woll passen, de stgk ik in de Taschen Eehm. 
Oder: Faßlamd is pick un pick, 9 Müs de 
beten sik, laat mi ni to lang stahn, ik mutt 
vundaag noch wieder gähn Ellerb., oder: 
Faßlamd is hgkel, pgkel, sijben Küken beten 
sik, Mene un ok grote, nackte un ok blote; 
mien dat wgr dor mirren mank, dat beet 
all de annern krank. Fru, gah na’t Reck 
un snie’n Stück Speck, snie guud rum, snie 
di nich in Duum; kratz et ijwer mit de 
Kamm un segg, de Katt hett et daan; de 
Katt is belagen, de Mann is bedragen, dor 
is’n Stück Speck ut de Schosteen flagen 
un is uns in de Korf indragen. Adüs! 
Schlesw. Vgl. Heim. 14, 46. — 2) das Üm- 
singen, Ümswiern, Swiern, wohl der Rest 
eines Umzugs zu Ehren einer Gottheit, a) 
Die Knechte oder jungen Leute des Dor 
fes ziehen (zuweilen mit Musik) von Haus 
zu Haus, um Gaben einzusammeln, beson 
ders Würste, aber auch Speck, Eier, Butter 
usw. (se singt üm, sünd an’t Ümsingen); 
sie tragen dabei eine Heugabel (Gaffel) 
über der Schulter, um die Würste darauf 
zu stecken, auch einen Klootstock (Dtm.) 
oder Klüwer (Eid.), zuweilen auch einen 
Korb an einem Stock. Früher erschienen 
sie dabei auch in Verkleidung (Lbg. 1840); 
wenigstens der Führer war möglichst ko 
misch ausstaffiert (Kk. 1850); manchmal 
ging er auch nur mit einem bunt verzier 
ten Stock voran. Zuweilen gaben die 
Knechte dem Umzug dadurch einen komi 
schen Anstrich, daß sie auf einem Dünger 
schlitten (Slöp) fuhren (Geg. v. Kiel) oder 
daß einer auf einem Windelbaum (s. Bin- 
delboom S. 354) voranritt, der von 2 Knech 
ten getragen wurde (Bordesh.). In Wellsee 
b. Kiel führten die Umziehenden früher 
einen aus Holz geschnitzten Pferdekopf 
(Paag) mit sich (1850). Sie wurden in jedem 
Bauernhaus mit Kümmel bewirtet; oft 
wurde auch getanzt. Die üblichen Bettel 
reime bei dieser Gelegenheit waren: Glück, 
Glück in dieses Haus, wir gehen hinein und 
wieder hinaus; gah na de Rundföß (s. Fast), 
dor hangt de langen Mettwüß; giff uns von 
de langen, de körten de laat hangen; giff 
uns von de wieten, de swarten kgnt wi nick 
bieten. Sünd se’n bgten kleen, so giff uns 
twee för een; sünd se’n bgten terbraken, 
je bgter laat se sik kaken; sünd se’n bgten 
to fett, je bgter se uns smeckt. Gah na’t 
Heck, snie’n Stück Speck, schramm dor mit 
de Kamm gwer, sag: es hat die Katze getan. 
Die Katze is belogen, die Magd is betrogen, 
die Faßlabenbröder sind damit über die 
Hecken geflogen. Gah na’t Hohnernest, dor 
liggt de Eier söß, nimm fief, laat een 
liggen, dat de Hahn un de Hghn sik ni 
kieft Stap. (im Chor möglichst rasch ge 
sprochen). Vgl. Urdsbr. 2, 244. Oder: wo 
heet jüm lütt dreebeent Hund? Is de Katt 
noch gesund? Wongm wahnt de grote rieke 
Mann, de uns den Büdel füllen kann? Een, 
twee, dree, vgr, wenn’t ok’n halben Daler 
wgr. Baben in de Huusföst, dor hangt de 
langen Mettwöst, giff mi een! Sünd se wat 
kleen, giff mi twee för een usw. (s. o.) Dtm. 
Oder: herut, herut, du Flcdermuus! Wer 
wahnt denn in dat nie Huus? In’t nie Huus 
wahnt’n rieke Mann, de uns de Bütel füllen 
kann. Krieg ik een, so blief ik stahn; krieg 
ik twee, so will ik gähn; krieg ik dree, so 
wünsch ik Glück, dat de Kgksche mit de 
Futtjens to de Schosteen rutflüggt Hu3. 
Oder: wovgl Eier gif ft dat woll? 5 inn 
Grapen, .5 in’n Schapen (dreibeiniger Topf), 
5 in de Kiep FL. Oder: gun Dag, Fru 
Mudder, gifft gr Koh ok brav Bodder? 
Leggt gr Hühner ok brav Eier? Geit gr 
Dochder ok good steier (für steil). Wi sünd 
schickt von Meier, hebbt’n Korf to Eier 
un’n Gaffel to Wust; laat se de kotten han 
gen un ggf se uns de langen, un sünd se’n 
bgten tobraken, je bgter laat s’ sik kaken. 
Kaamt hin, helpt s’ up! Hupdidelup, Mus 
kant spgl up! Kk. (Varianten s. Heim. 14, 
46. 34, 72). Die letzten Zeilen enthalten 
hier eine Einladung, sich im Wirtshaus 
einzufinden, um die gesammelten Gaben 
verzehren zu helfen; dort nämlich oder in 
einem vorher bestimmten Bauernhause 
wurde alles Gesammelte gekocht und ent 
weder von den Knechten allein oder zusam 
men mit den Spendern verzehrt. Ein Dank 
für die Gaben und eine Einladung be 
schließt auch sonst die Bettelreime: wi be 
dankt uns för all de Saken, de wi hefft in 
Büdel staken (stgken); nu sied so guud, 
kaamt all herut, hüt abend na N. N. sien 
Huus, dor kfjnt ji kriegen en Piep Tobak, 
en Mundvoll Snack, en kolen Drunk, en 
lustigen Sprung Schw. Oder: Fasslamd is 
ni mghr to möten, drum vglmals vun de 
Knechen un Dgrns to gröten; Se muchen 
sick ni lang besinnen un kamen all recht 
eentalig hin na N. N. sien Huus, dor gifft 
dat Beer un Brandewien un Dansen na de
	        
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