Full text: (Zweiter Band)

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Grapen — Grapsan 
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mi man nick to Für kriegt Dtm. Kk. jun 
gen Sleef in den G., ölen Sleef ünner ’n G. 
Holst. 1840. de G. kaakt ()wer oder fallt 
üm wenn man nach dem Essen aufstößt 
(die erste Wendung auch von auf wallendem 
Zorn, heftiger Erregung Schw.). koppern 
G. heißen in Dtm. hier und da die Büchsen 
an den Schleusen, worin sich die Türangeln 
drehen (Brem. Wbch. 6, 89). — Aus mehre 
ren übereinander gestülpten eisernen Gra 
pen machten sich manche Leute einen Bi- 
legger (s. I, 351) Stellau (Bramau). Um 
das Wegfliegen der Bienen zu verhindern, 
schlägt man mit einem Knüppel auf den 
Deckel eines Grapens. Mit dem Umrühr 
löffel darf man nicht auf den Grapenrand 
schlagen, sonst brennt das Essen an. — Zum 
Schnellsprechen: grote Greet goot gam 
grawe Grütt in ’n groten Grapen; auch zur 
Verspottung der Aussprache des g als ch 
(s. g). Rätsel mit der Auflösung Grapen: 
krumm, (oder krum.mrüggt) Vodder, holle 
Mudder, 3 verbrennte Kinner Schw. oder 
dick Vadder, krumm Mudder, 3 lütt Kin- 
ner Prb. (schwarzer Grapen mit Henkel 
und 3 kleinen Füßen); vgl. auch dickbuukt 
I, 722; anderes s. bei bilang I, 349 u. dan- 
sen I, 679. Über den Grapen im Fastnachts 
spruch der bettelnden Knechte s. Ei I, 1023. 
— Zsstzgen: 
Grapen-böter m. wohl eigentl. „einer, 
der Grapen ausbessert“ (s. böten I, 491), 
„Grapenflicker“; nur im Abzählreim: der, 
meter, G., Stutenbäcker, Fahnentrecker, 
piff paff pu, af büst du Lbg.; vgl. —geter. 
— b r a d e n , —b r a a d m. „Topfbraten“, 
„Braten, der (statt in einer Pfanne) in 
einem Grapen gebraten wird“; mnd. gro- 
pen—, grapenbrade. Der Bradengrapen 
(I, 499) hatte einen starken eisernen Deckel 
mit aufrechtstehendem, etwa 4 cm hohem 
Rand; der Deckel wurde mit glühenden 
Torfstücken belegt. Der Grapen wurde 
entweder auf den offenen Herd gestellt 
oder beim Brotbacken mit in den Backofen 
geschoben. Seit dem Aufkommen der Brat 
pfannen sind Sache und Wort stark zurück 
gegangen; heute wird G. wohl nur noch ver- 
einz. für „Schmorbraten“ gebraucht (Wm. 
Ranz. Rdsbg. Nordfr.); früher nannten nach 
Sch. 3, 331 einige Landleute auch das 
„Schwarzsauer“ so (aus Kh. Bramst. 1800). 
Eigentlich ist Grapenbraden wohl der Ge 
gensatz zu dem am Spieß hergestellten 
Braten größeren Umfangs und bezeichnet 
kleinere Stücke Fleisch, die im Grapen ge 
schmort werden können. Daher dann auch 
„der Anteil, den der Prediger bei der Hoch 
zeit oder Kindtaufe an dem dabei verwen 
deten Fleisch bekommt, entweder in natura 
oder nach einem bestimmten Anschlag in 
Geld“ (Sch. 2, 62). In Dtm. erhalten noch 
jetzt zuweilen die Frauen, die beim 
Schlachten geholfen haben, Stücke von 2 
bis 4 Pfund, die man G. nennt (Gg. v. 
Marne). Daher bezeichnet G. auch das 
Quantum Fleisch, das bei einer Mahlzeit 
verzehrt wird (Wm. Dtm.); Dienstboten 
fragen einander wohl: gif ft dat bi ju’n gu- 
den Grapenbraden? Sdtm. —brood n. 
Nach Mhff. 2 Nr. 336 essen die Hexen bei 
ihren Zusammenkünften in der Johannis 
oder Mainacht zum Ochsenfleisch „Grapen- 
brote“ (ob Verwechslung mit Grapenbra 
den? doch vgl. —koken) Hlghf. — geter 
m. „Grapengießer“, als Name noch sehr be 
kannt; sonst nur im Abzählreim, s. Fah 
nentrecker II, 9 u. Grapenböter. —kam er 
f. „Raum für Küchengeschirr“ Prb. 
— knecht m. Bezeichnung für die jungen 
Leute, die bei einer Hochzeit der Sitte ge 
mäß einen Grapen schenken (Sgbg.); vgl. 
Kannenknecht, Schaal- u. Spegeldqrns. 
— koken m. „Kuchen, der, wenn kein 
Backofen im Dorf geheizt war, in einem 
mit Butter ausgestrichenen Grapen ge 
backen wurde“ Mh.; der Grapen wurde mit 
glühenden Kohlen auf dem Deckel auf den 
offenen Herd gesetzt (vgl. Kqtelkoken). 
Derselbe Kuchen heißt, wenn er in einer 
gerippten Form im Ofen gebacken wird, 
Puffer oder Süsterkoken. — 1 a n d n. Flur 
name Pöhls (Storm.). — püster f. „Kü 
chenmädchen“, „Köchin“ Schw. — schra- 
p e r m. „Werkzeug, um das Angebrannte 
aus dem Grapen zu entfernen“ Schw. 
— s § 1 m. „Handgriff am Grapen“ Dtm. 
— stöter m. im Abzählreim: et er, Peter, 
G., lütt Johann, groot Johann, lütte Peter 
Fghrmann, e, we, wu, weg büst du Schwab- 
stedt; vgl. —böter. —stülper m. „Gra 
pendeckel“. 
Grapp 1 (grab) f., meist im Plur. Grup 
pen (grabm) „Launen“, „Grillen“, „wun 
derliche Einfälle“, „Schelmenstreiche“, wat 
hett de Jung för Grappen in ’n Kopp! Vgl. 
Groth 3, 86 (Hahnenpotenansläg un Grap 
pen). Dazu: Grappenmaker m. 
„Faxenmacher“, „Spaßvogel“. 
Grapp 2 (grab) f. in der Wendung: in de 
G. smieten Sgbg.; dass, wie Grabbel, Graps, 
Grams. 
Grappel s. Grabbel. 
Graps (grabs) f. in der Wendung: in de 
G. smieten Sdtm. 1810; s. Grapp 1 . Auch 
wie Grips „Verstand“, streng dien G. mal 
’n beten an. Vgl. begrapsen I, 276. 
Grapsan (gra bsan), Wirtshaus an der 
Landstraße zwischen Langwedel uod Blu 
mental (NoTt.), imperativische Wortbil 
dung, s. grapsen.
	        
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