Full text: (Zweiter Band)

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Graden — Grand 
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Graden „Gräten“ s. Graad, 
gradig (grg-dt) adj. „geschwind“, „hur 
tig“. de g. geit, kümmt g. wedder Holst. 
1840. Sch. 2, 60 (aus Hamburg). Vgl. alts. 
grädag „eifrig“, „begierig“, „hungrig“. 
Graff 1 (graf), älter Graft (grafd) Eid. 
Pellw., plur. Graffs u. Graffen m. „der 
breite Graben um den Marschhof“ Dtm. 
Eid. Hus.; mnd. graft u. gracht, fries. greft. 
Vgl. Graben 1 . 
Graff 2 (graf), vereinz. in hochd. Form 
Grab (s. d.) n. „Grab“, de Dood läppt 
ijwer ’t G. sagt man, wenn einem ohne er 
kennbare Ursache eine Gänsehaut über 
läuft. Sch. 1, 226. he st eit op G. ’s öwer 
„am Bande des Grabes“ Wm. di wasst de 
Hand ut ’n G. Drohung für Kinder, die 
ihre Eltern schlagen. Anderes s. dood I, 
752, dräuen I, 838. — Zsstzg. Graff-beer 
(grafbea) Oh. Schw., Gräftbeer Dtm. 
1750, Gräffheer Dtm., Gräffköst 
Hohn, auch einfach G r ä f f und G r ä f 
(gref) Dtm. Mh. Eckf. oder Gräffnis 
Lbg. n. „Leichenschmaus nach der Beerdi 
gung im Totenhaus, zu dem oft das ganze 
Gefolge eingeladen wurde und bei dem es 
zuweilen hoch herging: dor ward dat Fell, 
de Bass (I, 244) versagen. Bauernbrief vom 
Jahre 1700 aus Langwedel (Bdsbg.): „Sollte 
ein oder ander bei dem Grabbier Schlägerei 
anfangen, soll derselbe der Obrigkeit die 
Brüche dingen und dem Bauerlage eine 
halbe Tonne Bier geben“. Vgl. Heim. 27, 
88 (Art. 2 u. 3). Synonyma: Arfbeer (I, 
165), Liekenköst, Truurmahltied. 
graffein (grafln) s. grabbeln. 
Graff-goos (grafgös) f. „Grabengans“, 
„Brandente“, Tadorna vulpanser. Arnis 
(Ang.). 
Graft s. Graff 1 . 
gragen (gräm) sw. v. „grauen“, de Dag 
graget all Eeinb. 18. Jhdt., zu graag „grau“, 
s. grauen. 
graleern (gralean), grol^rn, grol 
le r n, g r u 1 e r n sw. v. „beglückwün 
schen“; aus hochd. „gratulieren“, ik gralgr 
di ok vglmals to dien Geburtsdag. 
grall (gral) adj. „grell“; nur von leuch 
tenden, großen Augen, se kiekt so g. ut de 
Ogen. Dazu: gral lögen (gralön) sw. v. 
„mit großen Augen in die Welt sehen“, 
namentl. von Kindern (Oh. Lbg ). Im Wie 
genlied: slaap mien Pöppken, slaap, mien 
Gralloog, lüttje Hart usw., s. Diermissen, 
Strohoot S. 54 (1847). Vgl. grell, grellen, 
krall, begrallögen I, 275. 
Gram s. Gramm. 
.Gramatzen (grama-dsn) f. „Grimassen“ 
Sdtm. Glückst. 
Grambek Dorf in Lbg., spielt dort eine 
ähnliche Eolle wie Fockbek (s. n, 173). 
Burmester, Nawerslüd S. 1: tau G. up de 
Ossenschaul is dat west — denn as de Mek- 
lenbärger er Ossenschaul tau Swaan hebben, 
so hebbt se s’ bi mi to Dann tau G. 
Gramm (gram), auch nach hochd. Weise 
G r a a m (’grgm) m. „Grimm“, „Gram“; 
mnd. gram, he hett ni Schaam noch, Graam 
„kein Ehrgefühl“ Oh. (abst.). versuupt jüm 
Graam, awers nich jüm Kraam Dtm. Zwei 
spänner: Gramm un Graam (sehr oft bei 
Fehrs). Lied beim Spinnen: ik krieg vor 
Gramm all graue Haar, ik heff un krieg 
keen Mann, ik stell mi ’n groten Lohn 
(Locken?) vör’n Kopp un keener will mi 
freen Stellau (Bramau) 1830. — gramm 
(gram) adj. „gram“, „böse auf jemanden“. 
he is mi g. Im alten Taternlied: duuk 
ünner, duuk ünner, de Welt is di g„ du 
kannst nich länger leben, du mußt dor jo 
van; so sangen die Zigeuner, wenn sie ihre 
altersschwachen Leute, die sie nicht mehr 
fortschleppen konnten, in der „Taterkule“ 
ertränkten (Mhff. 2 Nr. 112 u. Anm. S. 525; 
vgl. Nd. Kbl. 22, 87. Nd. Jb. 28, 110; Groth 
1, 136 kruup ünner, kruup ünner, de Welt 
is di g.). Vgl. allgrammsch I, 106. 
Grammdörp Dorf im adligen Gut Farve 
(Oldbg.). he wendt dorvijr üm as Gott vijr 
G. Oldbg. Das Sprichwort soll daher stam 
men, daß das Dorf bei der Pest des Jahres 
1350 verschont blieb; s. Mhff. 2 Nr. 384, 1 
(„Der schwarze Tod“) u. Anm. S. 539. Vgl. 
Gammendörp. 
Gramp (gramb) in der alliterierenden 
Formel: mit Grimp un Gramp „mit Stumpf 
und Stiel“, wohl entstellt aus Grint un 
Grant (s. d.). Sdtm. Wm. Vaale (Kdsbg.). 
Grams (xrams) f. in der Wendung: inne 
G. smietev — Grabbel (s. d.) Flensh. 1850; 
dän. gramse „grapsen“. 
Grana (grö-nö), Grano (Heim. 10, 64), 
entstellt aus Geranium „Storchschnabel“ 
Dtm. Prb. Fehm. Vgl. Graniel u. Adebars- 
snawel I, 51. — Appel-grano(n) Pe- 
largonium mit duftenden Blüten. Klc. 
Granat (grönö-d) f. „Granate“. Im Kin 
derspiel Kuulsijg (s. d.): dat Lock is besla- 
ten mit düsend Granaten. Verstärkt: he 
sleit dat in düsend Granatbitjen Sch. 2, 61. 
dat Bild fallt in Granatenstücken Itz. Hier 
her wohl auch: granaatsch (grgnö-dS) 
adj.: „wütend“, „zornig“, he worr gans g. 
(„platzte wie eine Granate“?) Wm. Mh. Oh. 
Vgl. grannig. 
Grand 1 (grand) m. „grober Kiessand“, 
„Steingrus“; zu ags. grindan „zermalmen“, 
engl, grind „zermalmen“, „mahlen“, he hett 
dat mit Grind un G. upften „mit Stumpf 
und Stiel“; vgl. Gramp. en lütte G. „ein 
wenig“ Ang. Auch „grobes Mehl“, „gesich 
tete Kleie“ Mh.; vgl. Grand-mqhl, —stuten.
	        
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