Full text: (Zweiter Band)

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Graaz — Gracht 
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Graaz (grgds) i. „Ansehen“, „Gunst“, 
Lehnwort aus franz. gräce. he is bi de Lüd 
banni in G. Dtm. (veralt.). Vgl. Petreus 
227 (um 1600): se (die Abgesandten) keh- 
men ungeschaffet und mit wenig gratz 
wedder tho hus (vom fürstlichen Hofe). 
Grab (grab) n. „Grab“; die hochd. Form 
wird vereinz. für das plattd. Graff (s. d.) 
gebraucht, namentl. in den Wendungen: 
de Dood geit gwer ’t Grab Elbm. 1840, dat 
lüd gwer ’t Grab Ang., he steiht mit een 
Been in ’t Grab Ang., sowie in der Zsstzg. 
Grabbeer „Totenschmaus“ Schw. Fehm. 
Prb., s. Graffbeer. 
Grabbel (grabl) f. in der häufigen Wen 
dung: in (op) de G. smieten „etwas von 
sich werfen, sodaß die andern Kinder da 
nach grabbeln, haschen, sich darum balgen“ 
(z. B. Marmel, kleine Münzen, Äpfel u. 
dgl.); vgl. Gribbelgrabbel., Grapp, Grgp, 
Gripps. Seltener: in de G. gähn „verloren 
gehen“. 
grabbeln (grabln), grawweln (gravln), 
vereinz. graffein (grafln) Ang. sw. v. 
»suchend, tastend, wühlend nach etwas 
greifen“, „herumtasten“, auch „auflesen“; 
en gl. grabble. Vgl. grapsen u. griepen. 
w it grabbelst du dor in Düstern rüm? Vgl. 
Appel I, 164 u. be-grabbeln I, 275. — 
Zsstzgen: Grabbel-hark m. „Korn 
harke, von einem Pferd gezogen“ FL. 
Fehm., s. biharken I, 347. — latiensch 
n - „aufgelesenes Latein“, spöttischer Aus 
druck für eine unverständliche Sprache 
(Eid.); vgl. Krabbel—, Kramerlatiensch. — 
"'kantüffeln f. „Kartoffeln, die man 
^rir Probe früh mit den Händen aus der 
Erde wühlt“ Lbg. — kommod f. scherzh. 
Ausdr. für „Klavier“; vgl. Drahtkommod 
I, 834. — visiten f. pl. „unzüchtige 
Griffe“. 
Grabben „Grillen“, „Einfälle“ s. Grapp, 
Gruppen, grabbsen s. grapsen. 
graben (grgm), g r a w e n st. v. „graben“. 
Präs, ik graaf (grgf), he graaft f grgf), wi 
(gröf) oder graben (grgm). Prät. 
p üröf (gröf), groof (gröf) u. graaf (grgf). 
art. graben (grgm) in der Bdtg. „begra- 
be a > sonst auch mit Übergang in die 
schwache Konjugation: graaft (grgf). 
• „graben“, wi wüllt to Torf g. s. Torf. 
V 1 Harkslag g. „soviel umgraben als mit 
er Gartenharke geharkt werden kann, 
ohne daß man auf das Gegrabene zu treten 
raucht“ Ang. 2. „begraben“ he ward vun- 
': aa ü graben; s. begraben I, 275. — Ablei- 
hngen: Gr a wer (gröva) m. „Torfgrä- 
P, r • — Gr ä wer (greva) m. 1. „Spaten“ 
Jilempau; vgl. Ascher I, 183. 2. „Gräber“; 
n einem Rätsel wird so der Hahn bezeich 
nt: achter in ’n Gaarn ünner de lütt Bök 
stünn mien G. un graaf, de keem de Snö- 
wer (Fuchs) un wull mien G. wegnghmen 
Dw. — Zsstzgen: Graaf-ascher m. 
„großer Spaten zum Graben der Gräben auf 
dem Acker“ Kk. — schüffel f. „Spa 
ten“ Lbg. — Zu graben gehören: Grab, 
Graben, Gracht, Graff, Graft, Grgf, Gripp, 
Groof, Gröf, gröber.. Gröff, Gröpp, grubben, 
Gruft, Grüpp, Grüppel, grüppeln, Grüpper. 
Graben 1 (grgm), plur. Grabens (grgms), 
in Schlesw. zuweilen auch Graaf (gröf) 
m. „Graben“; mnd. grave. Graben ist das 
allgemeinste Wort für den Begriff und be 
zeichnet jede Art von Graben ohne Rück 
sicht auf seine Größe. In den gräben 
reichen Marschen gibt es besondere Be 
zeichnungen für die verschiedenen Arten 
von Gräben. Der breite, den Marschhof 
umschließende Graben heißt Graff 
(Graft, Gracht) und G r ä f f (Stap.); 
Gräben, die Felder oder Wege abgrenzen, 
heißen Gröf (Dtm.), Groof (Eid. Stap. 
Hohn), Grüpp (Dtm. Ranz.), Gripp 
(Ranz. Pbg. Kh.), Piep (Dtm. Hohn), 
Twischengröf (Dtm.); die schmalen 
der Entwässerung dienenden Gräben zwi 
schen den Ackerstücken auf den Feldern 
heißen: Grüppol (Dtm. Eid. Halligen 
Hus. Stap.), G r i b b e 1 Stap., Grüpp (Wm.), 
R ü n n e 1 (Eid.), Wallen, Piepwal 
len (Dtm.); die Hauptwasserzüge, in die 
alle kleineren Wasserläufe münden, heißen 
Fleet (s. II, 141), Schlot, Sieltog, Strom, 
Weddern. Das Nähere s. bei den einz. 
Wörtern. Vgl. noch Apen-graben (—groof) 
I, 153; Born-graben (I, 487), Dwass- oder 
Dwergraben (I, 972), Frgd-gröf (II, 219 bei 
Frgd 1 ), Hof-, Loop-, Piel-, Scheed-graben. 
— Groth 1, 198: de Schosters weet ni, wat 
en Grov („Grube“) is un Grübb un Gra 
ben, Gröv un Graff. de wieder springen 
will as de Stock reckt, de fallt in Graben, 
he springt gwer Grüpp un Graben „nimmt 
jedes Hindernis“, he geit op de rechte 
Siet in Graben „ist kurzsichtig“ Holst. 
1840. Vgl. blind I, 388 u. dat kann ni 
scheewer gähn, as mit een Rad in G. — 
Zsstzgen: Grahen-bprd m. — kant f. 
„Grabenrand“. — f o d ; r n. „am Graben 
rand wachsendes Futter“. 
Graben’ (gräm) plur. „eine Art Rollbrot 
von grobem Weizenmehl“; zu groff (s. d.). 
G. un Muulschelln „Kleinbrot“ Eid. Wort 
spiel: wüllt Se bi mi graam (d. i. graben)? 
Antwort: ik mag bloot Graam, wenn se 
frisch sünd un Botter dgrto Eid. 
Graberjahn „Grobian“ s. groff. 
Gracht (graxd) m. „der breite Graben 
um den Marschhof“ Ndtm. (oft bei Groth, 
z. B. 2, 69. 91. 185); vgl. Graft, Graff, Gra 
ben 1 .
	        
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