Full text: (Zweiter Band)

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Götloek — Graat 
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das mit einem Schwung aus Gefäßen ge 
gossen wird. — 3. „Durchfall“, bes. beim 
Vieh (Kälbern, Ferkeln), doch auch beim 
Menschen, he hett de G. (de lopen G. 
Ndtm. Hohn); vgl. Speilt, Schedder, Dijr- 
fall I, 802, gettern. — 4. „enge Gasse“ 
Hus. 1800 (Sch. 2, 18); vgl. Gijl, Twiet. — 
Zsstzgen.: Ggf —, Ggten —, Ggtjen — 
(Haale b. Rdsbg.), G ö t e 1 — (Oh. Hohn), 
G g d e 1 — (Bornh. Ggd. v. Kiel), Gör- 
d e 1 — (Nort.), G ö r 11 g c k (Ndtm. seit.) n. 
..Gossenloch“, „Ausgußlcch“, das Abfluß 
loch in der Küchenmauer, durch das die 
Abwässer abfließen. Ist ein „Ausguß“ 
(Handsteen, Gijt) oder Aufwaschtisch (Gijt) 
in der Küche, so wird die Abflußrohre 
samt dem Abflußloch G. genannt. Ver- 
einz. heißt auch die Grube, in die die Ab 
wässer (fuul Water) fließen, G. Eid. (sonst 
auch Schietkuul). stick ’n Steen (Feudel, 
Bessenstijl) in ’t G., dat keen Rotten un 
Müs in ’t Huus kaamt. wat kummt dor 
all ut dat G.l auch übertragen: „was wird 
alles im Haushalt verschwendet!“ Kh. 
(seit.), wo wat is, dar spült wat, sä de 61 
Fru, do feg se dat Kind ut ’t G. Oh. dat 
is gaadlich mit en G. Ang.; s. II, 281. de 
Hahn hett all dreemal achter’t G. kreiht, 
dat gifft hüt Namiddag Besök Westensee; 
s. Besök 1. a (I, 306). — Ggten-rönn 
f. „die Kinne, die die durch das Gijtlock 
genossenen Abwässer weiterleitet“; vgl. 
Gijt 1. a. de Gös snabbelt in de G. Schw. 
— Ggte-steen m. „der an vielen 
Landwohnungen angebrachte Kanal, durch 
den das Wasser aus der Küche auf die 
Gasse hinausgegossen wird“ Holst. 1800 
(Sch. 2, 18); vgl. Gijtenrönn. 
göten (xödn) st. v. „gießen“ Flensb. 
1850; s. geten. Präterit.: ik goot. 
Göttel (godl) 1. „Gürtel“ s. Gördel*. — 
2. „Gurgel“ s. Görgel 1 . 
göttern (godan) sw. v. „anhaltend her 
abfallen“ s. gettern. 
Göttin (gotin) Dorf bei Mölln (Lbg.). 
in G. ward de Pannkoken man all op een 
Sied backt (das Dorf liegt auf einer 
Seite der Landstraße); s. Diermissen, Mus- 
kist S. 77. Jb. f. Ldk. 5, 364. Vgl. Born- 
höved I, 449. 
graa „grau“ s. grau. 
graad (gröd) u. graa (grg) „grade“. 
1. örtlich (dafür oft liek). he kann den 
Finger ni g. holen vom Wilddieb, he is 
so g. as ’n krumm Licht FL. hool di g. 
wird Betrunkenen zugerufen (Sch. 2, 61). 
Scherz: kannst g. („gradeaus“) kieken? Ja! 
Denn kannst ’n Barg Geld verdenen, wenn 
du dat (etwas Schiefes) g. kieken kannst 
d. h. so daß es gerade wird (Kanz.). allto 
g. is ok man schaad s. allto I, 108. g. op 
as ik, sä de schewe Dansmeister s. I, 678. 
g. weg, as de Düwel de Afkaten haalt Eut. 
he geit g. dijr „ist gerecht“, he is g. to 
„aufrichtig“, g. to is de neegste Weg FL. 
Graadtostieg m. „Richtweg durch die Fel 
der“ Kanz. he is g. ut (as Großmudder gr 
Mütz) „schlicht“, „einfach“ Schw. Über 
tragen: ni g. un ni quaad (s. d.) „mittel 
mäßig“ Holst. 1840. — 2. zeitlich, g. as ik 
gähn wull, smeten se mi rut; dafür häufi 
ger jüst. dat ward na g. Tied „allmählich“. 
allnagraad gifft Gott Gnaad s. I, 107. — 
3. von Zahlen: g. oder ungraad? Kinder 
spiel, bei dem geraten werden muß, ob je 
mand eine grade oder ungrade Zahl von 
Marmeln oder dgl. in der geschlossenen 
Hand hat. — Dazu: de Graads f. „grade 
Linie“, de Hüs staht all in een G. Wm. 
du büst je gans ut de G. kamen „aus der 
Richtung“ Wm.; vgl. Lien, stellt ju mal 
all in de G. op „in der Reihe“ Wm. — Vgl. 
gradig. 
Graad (grgd), vereinz. Graag (grgx) 
Storm., G r o i e Kremp. 1797, fast nur im 
Plur. Graden (grön), Grahn f. „Gräte“, 
„kleiner spitziger Knochen“; mnd. grade, 
se puukt de G—en ut’n Fisch; vgl. das Lied: 
haalt gröne Brassen, Madam Hassen sitt 
in Kassen, Madam Hassen sitt up ’n Snie- 
derdisch un puukt de G—en ut de Fisch FL. 
he hangt man eben bi de G—en tosamen 
oder höllt bloots noch bi de G—en tohoop 
„er ist sehr elend, krank, mager“; auch 
übertr. he hangt bi de G—en „ist mit sei 
nem Geld fast zu Ende“, „ist nahe vorm 
wirtschaftlichen Zusammenbruch“ Schw. 
he fallt vun de G—en Holst. 1840. Been 
as Spreen un Waden as G—en „sehr dünne 
Beine und fehlende Waden“ Holst. 1840. 
em sünd de G—en uthüppt „er ist ver 
wachsen“ Sdtm. he is nich rein an de 
G—en „er ist krank“, aber auch: „er ist 
moralisch nicht einwandfrei“ oder „er 
steht in schlechtem Ruf“. 
Graaf „Graben“ s. Graben. 
Graaf (gröf), Graf m. „Graf“, he is 
so groff as ’n G. un noch grijwer Wort 
spiel mit groff „grob“ (s. d.); auch he is 
grijwer as’n G. Dazu: gräflich 
(gre-fli) adj. in de Grafschaft (Ranzau) 
sünd se g., wenn se duun sünd, ward se 
gröfflich Herrschaft Pbg. 
Graam s. Gramm; vgl. grämen. 
Graap s. Grapen. 
graastig (grcrsdi) adj. „mager“, „durch 
wachsen“ (vom Speck); Ggs. galsterig s. 
II, 296. Nur aus Sdtm. belegt (s. Claus- 
sen, Beitr. 2, 7). 
Graat (gröd) n. „die Unebenheiten in 
der Schneide der Sense, die mit dem Strgk 
(s. d.) weggestrichen werden“ Eid. Stap.
	        
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