Full text: F bis J (Zweiter Band)

19 färben 
färben (farm), farwen sw. v. „färben“. 
Früher (um 1800) färbten die Hausfrauen 
selbst; vgl. A. Niemann, Schlesw.-Holst. 
Vaterlandskunde 2, 29 (1802): „sonderlich 
wissen sie sehr gute, beständige und wohl 
feile, blaue, rote, gelbe, schwarze und 
braune Zeugfarbe zu machen. Die gelbe 
verfertigen sie gewöhnlich aus den 
trocknen Buchweizenblättern und aus 
Ellernrinde; die schwarze und braune auch 
aus dieser Rinde und aus verschiedenen 
anderen Gewächsen. Die blaue Farbe ist 
hier die beliebteste, nach dieser die rote, 
dann die grüne, seltener die braune und 
nur bei Trauer die schwarze“ (Dtm.). he 
kann blau f. „hexen“, s. blau S. 376. Jung, 
Jung, wat säht dien Jack ut, dreemal farft 
un doch gries Zuruf an einen Knaben, der 
sich schmutzig gemacht hat (Hus.). Vgl. 
noch appelgrön S. 176. — Farf (fäf), 
Farv f. „Farbe“, aber nur als Stoffbe- 
zeichnung (konkret), als Abstraktum wird 
Klijr gebraucht (he hett keen gode Klijr). 
dat is in’e F. „ist beim Färber“, hier hett 
ener in F. pedd oder den Farfpott üm- 
stött „jemand hat einen gehen lassen“ Sh. 
— Farwer (fäva) m. „Färber“. In früheren 
Zeiten fuhren die Färber in den Dörfern 
umher und sammelten sich ihre Arbeit. 
fardig (fä-dt) adj. „fertig“. In der aus 
mnd. verdich (eig. „zur Fahrt bereit“) ent 
standenen Form fardig wird das d so 
schwach artikuliert, daß es kaum gehört 
wird; so ergibt sich die verbreitete Form 
f a r r i (g) und mit Dehnung f ä r i (g); vgl. 
ndl. vaardig. Daneben dringt die dem 
Hochd. nachgebildete Form ferdi, fer- 
dig, ferrig stark vor, ja man hört sogar 
schon nicht selten das rein hochd. fertig. 
S. auch feirig. — he is f. mit de Welt (mit 
Sleswig-Holsteen) „müde“, „tot“, dor bün 
ik mit f. „das hätte ich geschafft“, volks 
tümlicher: dor bün ik mit frech, lank, klar. 
Vgl. auch Bull S. 567 f. ik kann dormit ni 
f. warm, sä de Düwel, dor schull he sien 
Oroßmudder bewenen. Junge, dat wgr’n 
Stück Arbeit, un nu wo’t f. is, will’t keen 
Minsch hemm. Ironisch: dat Eten is f. bet 
up’t Kantüffelschellen Lbg. dat Beer is 
farig „auf Flaschen gezogen“ Holst. 1800 
(Sch. 1, 84). Von einer schwangeren Frau: 
se is ok weiter farig Fehm. Rätsel: ik weet 
een Deel, dat ward jeden Dag maakt un is 
all lang f. (Bett) Pellw. — Auch „gewandt“, 
„flink“:, en farrigen Kierl Wm. Bei Groth 
öfter in der Bdtg. „stark“: en groten farri 
gen Kgrl (z. B. 2, 156. 3, 42. 316). In 
Wschl. auch „begabt", dat is en gans 
Farige. 
Farken (fägrs) n. „Ferkel“, plur. Farken 
und Farkens. seltener Farks. dat F. quiekt. 
- Farken 20 
qugkt. ok Musik (oder dat is’n Muskant), 
sä de Buur, dor harr he en F. in Sack. 
Lockruf: Ficke, Ficke! — man schall dat 
F. nich in Sack köpen „nichts kaufen, ohne 
es vorher gesehen zu haben“ Holst. 1800 
Sch. 1, 308). keen F. starft vun fulen 
(schmutzig) Trog Holst. 1840. vgl F-s maakt 
den Drank dünn s. Drank S. 836. lütt F-s 
ward ok groot Swien wenn jemand beim 
Ferkelkauf abfällig urteilt, dann allg. F-s 
sünd nix nütz, vor dat se dood sünd Schlesw. 
1840. de weet ok, wat he drifft, de F-s vor 
sik hett s. drieben S. 858. dat sünd mal 
Tgg vun de ol Si)g, schull F. hemm un 
kriggt Küken (Swien Dtm.) Ausdruck der 
Uberaschung (Dw.). wat de Sgg wull för 
F. kriggt, sä de Swienjung, as de Taster 
anfung em to vermahnen „was wohl dabei 
herauskommt?“ (Heim. 17, 24). wenn’t ok 
F-s rggen dee, du lcreegst dor doch keen 
Bässen vun s. Böst S. 489. den Fulen gabt 
de Finger as’n doden F. de Stgrt Prb. nu 
kaam ik dor achter, as Steffen achter’t F. 
s. achter S. 25 f. Vom O-beinigen: he kann 
keen F. möten (Holst. 1840) oder is ni good 
to F. griepen; dagegen vom X-beinigen: 
he is good to F. griepen, se loopt em ni 
twischen de Been dijr. Vom Prahler oder 
Aufschneider: he is dat gröttste F. neegst 
de Si)g Ang. — wat süht dat Kind sien 
Vadder liek, sä de Nawersch (de ole Hg- 
bammsch), dor leeg dor’n F. in de Weeg, 
wat sünd wi doch nüdlich, wenn wi jung 
sünd, sä de Jung, dor bekeelc he sik de F. 
ji sünd mi smucke Kinner, seggt Lehmann 
to sien F. Prb. fodert ji Kinner? nghmt 
lewer F-s, denn hebbt ji all in sössWgkenGeld 
Holst. 1840. Sehr beliebt ist F. als Schelte 
für schmutzige Kinder: du ull F.l s. auch 
Puttfarken. wat kann man von F. mghr 
verlangen, gr Mudder is gr Lgfdag ’n groot 
Swien west Oh. Grabschrift: hier liggt Kri- 
schan achter de Karken; as he Igfte, wgr 
he en Farken; as he stürf, wgr he en Swien; 
ach Gott! wat mag he nu woll sien? Heide 
1850. — Reimspruch von unordentlicher 
Wirtschaft: is dat Heck ut de Knicken, 
läppt dat F. in de Wicken, auch kürzer: 
Heck ut’n Knick, F. in de Wiek. — Kin 
dern, die um eine Kleinigkeit heulen, wird 
spottend vorgesungen: hudeldendudel (du- 
deldidelutjen u. ähnl.), krieg’t F. bi’n Stgrt, 
laat lopen, laat lopen, dat is nich vgl wgrt; 
auch beim Gebrauch der Dreihkarn ge 
sungen; s. S. 470. Sehr beliebt ist das Far 
ken stgken, ein Neckspiel, das man mit 
kleinen Kindern treibt, indem man sie kit 
zelt und dadurch zum Lachen bringt; dabei 
ist folgender Spruch (mit manchen kleinen 
Abweichungen) üblich: dat wgr mal up’n 
Middewgken, dor wulJ'n wi’n lütt F. stgken;
	        
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