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Gewitter — Gicht 
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meenst wol: in de Büxf — Übertragungen: 
he maakt en G. (as wenn de ganse Welt 
vergahn schull Hus.) „Lärm“, „erregt Auf 
sehen“, bes. im Sinne von „er stellt sich an“ 
(he tiert sik) Hohn; vgl. Gewalt, he maakt 
vgl G. „lärmend umhertollen“, von Kindern 
(Hohn); „er treibt Possen“, „ist ein Witz 
bold“ Wm. Dtm. — Wetterregeln s. birsen 
I, 359, Boom I, 433 o. — Aberglaube s. Ade 
bar I, 47 u., Äx I, 190, Bettküssen I, 327, 
Dunnersteen I, 918, Für II, 268 u. — Zsstz- 
gen: Gewitterflaag f. „Regenschauer 
bei Gewitter“; vgl. Moll. —fleeg f. „Ge 
witterfliege“, „Eintagsfliege“. Vgl. Gnuck, 
Knallerbassen. — k r u u t n. „Hauslauch“ 
Storm.; vgl. Dack-kruut I, 648. Es soll nach 
altem Glauben das Haus gegen Blitzschlag 
schützen. —stang f. „Blitzableiter“ Wm. 
Dtm. — steen m. „Gewitterstein“, dass, 
wie Dunnersteen (s. I, 918); auch „Flintaxt 
aus der Steinzeit“, die man gleich den ver 
steinerten Seeigeln und Belemniten ins 
Fenster legt, um das Haus gegen Blitzschlag 
zu schützen (Schw.). Vgl. auch Gottswgder- 
steen. 
Gewohnheit (gavö-nhaid) f. „Gewohn 
heit“, aus dem Hd„ mnd. gewönte, gewänte. 
G. is de tweet Natur (bi’n Minschen) oder 
G. is dat halwe Leben oder G. is ’n bekannte 
Landstraat. Beliebte Ra.: wat de G. ni deit, 
sä de Snieder, do harr he ’n Stück vun sien 
egen Tüch stahlen. — gewohnt adj. „ge 
wohnt“; daneben wennt, gernennt, gewöhnt, 
de is Kummer g. wie im Hd. wenn du ’t 
man grst g. büst, kannst du di ggrn mit en 
Biel in de Mgrs hacken (mit de Äx vör’n 
Kopp haun Hü.), denn kummt dor toletzt 
ggrkeen Blood mghr Börm; vgl. aflcgnen I. 
73; vgl. auch Backaben I, 199 Mitte. 
Ge-woker (gavö-ga) n. „Wuchern“, auch 
von einem Durcheinander: dat is hier’n 
schön G. bi ju „Unordnung“ Oh.; vgl. Rum- 
melie. — w o o g n. „lebhafte Bewegung“. 
dat is dor ja en G. in de Kgk, as ik weet 
ni wat „Emsigkeit“, auch „Gedränge“, „Un 
ordnung“. — wohl n. „Gewühl“, „Gedrän 
ge“. — wohnen, — wijhnen (Glückst. 
1755) sw. v. „gewöhnen“; vgl. gewennen, 
wennen. Meist refl.: man gewöhnt sik an 
allens, sogar de Pann an Pgrfleesch Pbg., 
oder — as de Gäus an’t Barfaut-gahn Hü., 
— as de Swien an ’t Doodstgken; vgl. 
Dörnsch I, 808 u., gewohnt. Früher auch 
ohne Reflexivpronomen: denkt nich, ji wglt 
see (die Frau) grst so trecken, dat see recht 
na ju Hand gewöhn Glückst. 1755 (s. Nds. 
18, 408). Zsstzgen: af—, an—, hin—, 
weg—gewöhnen (—wennen). — wohnlich, 
— wghnlich adj. „gewöhnlich“, g. Beer 
„Braunbier“ Kh.; s. I, 265 o. du büst ja’n 
gans g—en Minschen „gemeiner, nieder 
trächtiger Mensch“, för g. „in der Regel“, 
„meistens“. — wölf, — weif (Eid.), 
— w ü 1 f (Dtm., vgl, Groth 1, 249 o.) n. 
„Gewölbe“, bes. vom Oberbau des Back 
ofens (s. I, 199). nu trgd mal ut ’t G. „tritt 
aus dem Gewölbe“, d. h. „spiele etwas Or 
dentliches aus“ Ra. beim Kartensp. (Hü.). 
— wrang n. „Enge“, „Gedränge“. 
— w r Q g e 1 n. „Getümmel“, „Lärm“. 
— wruußel, — wuußel n. „Gewirr“, 
bes. von verwirrten Haaren. — würz n. 
„Gewürz“, aus dem Hd. Zsstzgen: Gewürz 
laden m. „Kolonialwarenhandlung“ Wm. 
(abst.). —twiebacken m. pl. „Gewürz 
zwiebäcke“ Flensb.; s. Twieback. —waar f. 
„Gewürzware“. „Der Probsteier nennt alle 
Gewürze: Pfeffer, Gewürznelken, Muskat 
usw. Krüder (s. Kruut); hingegen alle Gar 
tengewächse, Kohl und Kartoffeln nicht 
ausgenommen, Gewürzwaar“ N. Prov. Ber. 
3, 19 (1813). — z a f f n. „Lärmen“, gwer'n 
Twölften treckt de Wood (s. d.) dörch Holt 
un Busch mit Wulf un Hunn, mit G. un 
Blaff („Kläffen“) Lbg. 1880. — zauster 
n. = Gesauster (s. d.). — zerres n. „Ge 
schwätz“, Judendeutsch (Friedrichstadt). 
gi, g y, ältere Schreibweise für ji (s. d.); 
vgl. z. B. Mhff. 2 S. 444 u. 
Gicht 1 (gix) f. Bezeichn, für die Kirch 
spielgerichte auf Fehm. „Das dritte Mit 
glied eines jeden Kirchspielgerichts, wel 
ches Gicht genant wird, hat auch Siz und 
Stimme in den übrigen landschaftlichen 
Gerichten“ Fehm. 1793 (Prov. Ber. 7, 162). 
Das heute ausgestorbene Wort bedeutet im 
Mnd. „Bekenntnis“, „Aussage vor Gericht“ 
(zu mnd. gen, mhd. jehen „aussagen“) u. 
ist dann auf das Gericht selbst übertragen. 
Gicht 2 (gix), J i c h t (s. d.) f. „Gicht“, 
auch für Erkrankungen ähnlicher Art ge 
braucht, bes. „Gelenkrheumatismus“, dann 
aber gern verdeutlicht: flegen G. Oh. FL. 
Schw., meist rieten G. In den Beschwörungs 
formeln (s. u.) kommen noch andere Be 
stimmungen vor (splieten, hellen usw. G.), 
die jedoch kaum eine besondere Bdtg. ha 
ben (vgl. Ding I, 737 o„ Roos). he hett de 
G. in ’n Dumen „er ist knauserig“ Holst. 
1840. — Reim s. Beer I, 265 u. — Aber 
glaube s. Bett I, 326 Mitte. — Mittel gegen 
G.: Graue, ungewaschene Schafwolle (FL.). 
Der Kranke muß Kartoffeln stehlen (Eid.). 
Rezept gegen „Reizende (rieten) dicht“: 
Alweh (s. I, 110), Beßelblat (?), Dreyblät 
(s. I, 843), Indische Wurzel, Robarber-Wur- 
zel, gelbem Sempf, Maretig (von diesen für 
je einen Schilling), Saferahn, Zinsmarin 
(für je 4 Sch.), dieses zusammen in einen 
Botel je Kornbrantwein 2 Tage warmstehen 
laßen und dann 3 mal den Tag eine halbe 
Taßevoll zu nehmen“ Barmst. — Beschwö
	        

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