Full text: F bis J (Zweiter Band)

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Geweten — Gewitter 
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(Holst. 1840). he geit umbi as dat bös 
(siecht) G. wie im Hd. dat siechte G. volks- 
tüml. Name eines Hauses bei Frenssen, 
Sandgräfin S. 119. di drifft wol dat un 
ruhig G. rut zu einem, der zum Abort gebt 
(Plön), mutt ik di dat jümmer weiter in ’t 
G. rieben? „einprägen“, „dich immer wie 
der daran erinnern“; vgl. N$s und Groth 1, 
41. Aberglaube: Wer vom bösen Gewissen 
geplagt wird, muß einem Schlachter ein 
Stück Fleisch von der Mulde stehlen und 
es einem Hunde zum Fraß hinwerfen; dann 
frißt der Hund das böse Gewissen mit, und 
man spürt die Unruhe nicht mehr (Fehm.). 
— Zsstzgen: Gewgtens-rock m. nur bei 
Groth 1, 254 im Sinne von „ein unbestech 
bares Gewissen“. —saak f. „Gewissens 
sache“. Pannkoken dgrsnieden is ’n G. 01- 
desl. — wicht n. 1. „die Schwere“, dat is 
en Mann vun G. von einem Dickwanst 
(Wortsp. mit hd. „Gewicht“ = „Nachdruck“, 
„Würde“); fortgeführt: sä de Organist, dor 
wies he op sien Balgenperrer Neust, de 
Bund is mit ’t G. weglopen wenn ein Stück 
Vieh weniger wiegt, als man erwartete 
(Wm,); wohl im Wortsp. mit 2. — 2. „Ge 
wichtsstück zum Wiegen“, en Hunnert- 
Punnsgewicht „Hundertpfundlot“; vgl. Loot. 
— 3. „Wage“; vgl. Waag, Waagscliaal. 
stimmt, seggt de Möller un sleit up ’t G. 
Oh. — widder s. Gewitter. — winn 1 n. 
»das Gewinde“, z. B. an der Uhr, an Schrau 
ben usw. 
Gewinn 2 (gavin) n. u. m. „Gewinn“. Plur. 
Gewinns, daneben seltener eine zum Sing. 
Oewinst ($rst Gewinst: Kattengespinst 
Kk., s. u.) gehörige Form: de Dgrns, de de 
Putt entweislogen, kregen de Gewinsten 
Ang. (Gewinnsen Hohn). In der bes. beim 
Kartensp. gebrauchten Redensart erst G. is 
Battengewinn (Kattenschiet Neum. Sgbg.) 
oder erst G. höllt ni (Mh.) steht für G. meist 
Gewinnen, wie auch in der Fassung: dat erst 
G. hoolt de Kieler Jungs (höllt de Buur 
Bornh.) nich för good Neust. Kk. Ebenso 
ist in den nachfolgenden Reimen G. ur 
sprünglich der substantivierte Infinitiv: 
spinnen (un winnen „winden“ Ang. abst.) 
is en kleen G., de’t (awer) nich deit, mit’n 
bloten Ars geit (mit de nakelte Mgrs geit 
Ang. abst.) Holst. 1840. Wm.; vgl. Sch. 4, 
170. na Leef un G. steit aller Welt Sinn Eut. 
Aberglaube: Nachtigallenhart op de Lotte 
rienummer leggen bringt G. Elmsh. — ge 
winnen st. v. „gewinnen“, nicht sehr ge 
brauch!. (s. winnen), oft in Beschwörungen, 
wie de Hechel de gewunn, de Flechel de 
verswunn; vgl. Mhff. 2 Nr. 652, 7. 12. 19. 24 
und ansehn. 
gewiss (gawis) adj. u. adv. „gewiß“; die 
orm mit Präfix beginnt das ältere wiss zu 
verdrängen, dat is g. (g. wahr)! Bekräfti 
gungsformel; auch gern gebraucht, wenn 
während der Unterhaltung geniest wird, 
was als Bestätigung des gerade Gesagten 
gilt. Verstärkt: dat is so g. as (dat) Amen 
in de Kark oder as (as ’n Oh.) Gott in ’n 
Himmel is oder as dat twee mal twee veer 
is oder as ik hier op ’n Stohl sitt u. ähnl. 
bgter g. as ungewiß, sä de Katt, steeg in ’t 
Emmer un söp de Melk ut Holst. 1870. g. 
doch, seggt Christoff „aber sicher!“ g. wenn 
„zumal wenn“, „besonders wenn“ Wm. ik 
will dat (gans) g. ni weiter doon „bestimmt“. 
ik bün (gans) g. (wahr un g.) ni bang, 
awer so wat kann ’k liekers ni sehn „sicher 
lich“. In abgeschwächter Bdtg.: he is g. 
mal to Stadt fghrt „wohl“; vgl. wol, sach. 
— Zsstzg.: Gewiß -penning m. „Got 
tespfennig“ Holst. 17. Jh. (s. Zs. 37, 26 ff.); 
vgl. Gottspenning. — gewißlich adv. 
Nur in der Beteuerung g. haal! „das ist 
gewiß oder mich hole der Teufel!“ Holst. 
1800 (Sch. 2, 33). Sonst ungebräuchlich. 
Gewitter (gavi-da), Gewidder, Ge 
wi r r e r (Ang.), Gewieter (Hohn) n. 
„Gewitter“. Umschreibungen für „es ist Ge 
witter“ s. bei dünnem I, 915 f. dor sitt’n 
G. in’e Luft wenn es schwül (s. bruttig) ist. 
dat törnt up tau G. „ein Gewitter zieht auf“ 
Hü. dat G. is weiter versackt „nicht erst 
richtig zum Ausbruch gekommen“, dat G. 
will ni gwer’n Maand „über den Mond“, 
„bei zunehmendem Mond kommt das Ge 
witter nicht zustande“; man sagt dann: de 
Maand fritt dat G. up Dtm. dat G. is af- 
brennt bei Schwefelgeruch in der Luft, wo 
dat $rst G. herkümmt, dor kaamt se all her. 
Vgl. Heim. 14, 218 f. — leihn („leihe") mi 
mal en lialwen Daler, da is G. in de Luft 
Holst. 1840. he is ni bang in’t G. von 
einem Furchtlosen (Ang.). he sucht ut as 
en Kater in ’t G. „verblüfft“ Ang.; vgl. Ge 
sicht. dat gif ft ’n G. mit Specksupp (un 
leddern Klump Bornh.) Dw. oder mit Speck- 
swgrt (Stap.) oder mit Snee (Wm.) wenn 
das Gewitter sehr stark zu werden droht 
(Bornh. Wm.); auch um einen, der sich bei 
Gewitter fürchtet, zu necken (Stap.) oder 
nur scherzh. (Dw.); dat w$r as’n G. mit 
Arfenbitsch (vgl. I, 165) „wie ein geölter 
Blitz“ Barmst, nu sleit dat G. in ’n Tee- 
kgtel, (Wustk?tel, Sgbenstgrn, Judentempel 
FL. Plön) bei starkem Lärm (Schw.); meist 
zum Ausdruck starker Überraschung: „nun 
wird’s Tag!“, „da hört sich aber alles auf!“ 
u. ähnl.; vgl. Dunnerwedder I, 918. bi di 
hett dat G. ja wol in den Teekgtel slaan 
zu einem Mürrischen oder Streitsüchtigen 
(Bornh. Kh. seit.), dor is en underirdisches 
G. in Gang wenn jemand einen fahren läßt 
(Ang.). Abweisung: dat gifft’n GJ — Du
	        
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