367 Gewei — 
Verdrehung für „Null ouvert“ (Nolerwqr) 
beim Skatspiel; auch Noler op’n P$rd. G. 
nennen Gelegenheitsarbeiter und Monarchen 
ihre Schnapsflasche (auch Flint): dat G. 
mal weller laden „ich -will mir die Flasche 
mal wieder füllen lassen“. Anderes s. bei 
Maanschien. 
Gewei (gsvai), Verstümmelung von Ka- 
wai (s. d.) „Umhang“, „Mantel“ Dtm. 
Gewei (gpvl), Gpbel m. „Giebel, die 
Vorderseite (und dann auch oft die Hinter 
seite) des Hauses. Der G. ist eingerahmt 
von der oberen Kante der Grundmauer und 
den Längskanten der beiden Breitflächen 
des Daches. Ist die Grundmauer bis zur 
First hinauf in senkrechter Linie weiterge 
führt (aus Stein, Fachwerk oder Holz, bezw. 
mit Holzbekleidung), so nennt man ihn stei 
len G. oder auch einfach G. zum Unter 
schied vom Krgpelgewel („gebrochener Gie 
bel“, ganz oder größtenteils mit Reet ge 
deckt). Näheres s. bei Huus; vgl. auch 
Achter-huuk, Brettggwel, Back I, 645, Dack- 
ggwel t Hängklau, Höckel, Höker, Huuk, 
Kapp; Kapplock t Krgpel-ggwel, —walm, 
Rgpel, Schern, Schullerggxoel, Spitz- 
ggwel, Ulen-ggwel, —lock, Vprhuuk, Walm, 
Wind-fedder, -—brett, Winkelggwel. Zuwei 
len wird auch der Vorbau in einer Längs 
seite des Daches G. genannt und die dahin 
ter liegende Stube Gqwelstuuf (wohl aus dem 
hd. „Giebelstübchen“); vgl. Franspieß II, 
217 o. — Auf eine künstlerische Ausgestal 
tung (Schnitzwerk, Inschriften, vgl. Groth 
1, 40) des Giebels wurde in den Städten 
mehr Wert gelegt als auf dem Lande. Hier 
beschränkte man sich meist darauf, die 
Windbretter (s. Windbrett, Hängklau) nach 
oben zu verlängern oder in eine gedrehte 
Spitze (s. Mäklerpahl) auslaufen zu lassen; 
in jüngerer Zeit verzierte man den G. auch 
oft mit einer Wetterfahne (s. Flöget 2 II, 
162). Die Verlängerungen der Windbretter 
wurden gern zu Pferdeköpfen (seltener zu 
anderen Mustern) ausgearbeitet. Weiteres 
s. bei Huus u. Jb. f. Ldk. 3, 217 ff. — he 
keek noch mal na ’n G. „sah sich zum letz 
ten Male um“, beim Abschied vom Eltern 
haus; vgl. Heim. 11, 97 u. wi laat ’t in ’n G. 
schrieben „wir lassen anschreiben“, von 
Schuldenmachern (FL.); vgl. Schosteen. vpr 
mit ’n steilen G. un achter mit ’n fallen Sük 
von trügerischem äußeren Glanz (Holst. 
1840); vgl. achter I, 25 o., binnen I, 356 u. 
dat spökt (spökelt) bi em in ’n G. „er ist 
nicht ganz richtig“, vgl. Sch. 2, 15; auch 
gradezu: „er ist geisteskrank“ Lbg.; vgl. 
Luuk, Bi)hn I, 476 u. Als G. bezeichnet man 
gern eine große, vorstehende Nase: he hett 
’n arigen G., auch: he hett’n goden G. vör’t 
Huus Rdsbg.; vgl. Gurk, Gümper. goden 
Geweten 368 
(groten) G. ziert dat Huus Neckerei, wie 
im Hd. Johann G. Neckname (FL.). Und 
dann auch gradezu für „Nase“: he hett’n 
Knieper up ’n G. „trägt einen Kneifer“ 
Storm. kriggst enen up ’n G. Drohung. 
Ratzebg. — Zsstzgen: G^wel-stuuf f. 
„Giebelstube“, „Stube im Giebel, bezw. im 
Vorbau (s. o.) des Hauses“. — w a r d e r 
Name eines Teiles des Dolgenfeldes, eines 
Viertels der Stadt Oldbg. Vgl. auch den 
Namen Giebelberg für eine Vollhufe 
von Lütjendorf (Oldbg.). 
Gewelf „Gewölbe“ s. Gewölf. 
Gewel-swien (gpvlswin) n. „Schwein, 
das anstatt des Mastgeldes gegeben wird; 
zu ggben, wie mnd. gevelber „Bier, das man 
bei Festlichkeiten gibt“; zur Wortbildung 
vgl. die von Verben abgeleiteten Substan 
tive wie Fasteltied, Inspringelgeld, Windel 
boom, Drögeldook u. ähnl. „In den Ämtern 
Sonderburg und Norburg gaben die Leute 
(im 16. Jh.) statt des Mastgeldes jedes 5. 
Schwein . . . Diese Schweine werden auch 
Gevelschweine genannt“ N. Staatsb. Mag. 6, 
203. „Die Untergehörigen derjenigen Gü 
ter (in Ranz.), wo Holzungen sind, bezah 
len, wenn sie ihre Schweine in die Mast 
jagen, an Mastgeld für jedes nur etliche 
Schillinge; außerdem aber müssen sie das 
nächst dem größten unter eines jeden An 
zahl befindliche Schwein zurücklassen; und 
dieses wird ein Gebelschwein genannt“ 
Prov. Ber. 6, 17. 
gewen „geben“ s. geben. 
ge-wennen (gsven) sw. v. „gewöhnen“, 
meist im Part, gebraucht (gewennt). Häu 
figer sind die Formen wennen und gewöh 
nen (s. d.). 
Gewer (geva) m. „der Geber“, unge- 
bräuchl.; vgl. geben, man mutt so geben, 
dat man ok G. dgrbi blieben kann „nicht 
allzu freigebig sein“ Ndtm. 
Ge-werk (goveag) n. „Gewerk“, Bezeichn, 
für das Räderwerk der Mühle. Vgl. Groth 
3, 15. —werker m. „Werkmann“, „Ar 
beiter“. Nur bei Groth 2, 111. —w?s n. 
1. „Gewese“, dafür lieber Bedrief (s. I, 258). 
— 2. „Aufhebens“, he maakt dor vel G. 
vun, vgl. Weswark. —w§ten, —w?t 
(Schlesw. 1840) n. „Gewissen“. Vom Ge 
wissenlosen sagt man: he hett’n G., dor 
kann man mit veer Per in umwennen oder 
— dor kann man mit ’n Foder Heu dpr 
Holst. 1840 (vgl. büdeln 1 I, 620); he hett 
sien G. in’n Stewelschacht Bgth.; mennig- 
een hangt dat G. an de Wand Eid.; so’n 
G. mücht ik mi ni op ’n Hals laden Ellerb. 
en rein G. is beter as’n Nadel in’t Küssen; 
vgl. bruken I, 538. he sliekt mit good G. 
as de Katt vun Dubenslag von einem, der 
mit schlechtem Gewissen umherschleicht
	        

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