Full text: F bis J (Zweiter Band)

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fallen — fälligen 
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höchster Schlechtigkeit, se sünd vun de 
Kanzel füllen „aufgeboten worden“; aber 
auch „die Verlobung ist nach dem Aufge 
bot aufgelöst worden“ Hü., s. Kanzel, he 
fallt vun een up’n annern „weiß nicht, was 
er will“ Oh. du büst woll hüt morgen ut’t 
Bett füllen? „zu früh aufgestanden?“ dor 
full een ut de Luuk beim Kartensp., wenn 
eine kleine Karte einen großen Trumpf 
herausholt; vgl. Appel S. 154 u. Bök S. 
480. he fallt ut de Kleder (ut’t Tüch) 
„wird mager“, wenn du em up’n Kopp 
stellst, fallt ut Hasen un Büxen wat „er 
ist sehr reich“ Storm. — et fallt bi, de 
Taft fallt bi „faltet sich leicht“,, „wirft 
sich gut“ Holst. 1800 (Sch. 1, 308). dat fallt 
guod „geht gut“, „die Karten gehen nach 
Wunsch“ (Sch. 1, 308). dat fallt för em 
„seine Kräfte nehmen ab" Ang. dat fallt 
Qwereens ut „kommt auf dasselbe hinaus“ 
Oh. wenn de Putt leddig is, fallt dor nix 
to schrapen Holst. 1840. so as dat fallt, so 
bullert’t (s. S. 572). dat is all as dat fallt 
„je nachdem“, oft mit dem Zusatz: sä 
Ulenspegel (de Jung), as de ole Fru mit’n 
N$sdrüppel frög, ob he’n Pannkoken hemm 
wull (ob he Grütt mit $ten wull). — Döntje: 
A. Mien Barometer is st$gen. B. Mien is 
füllen. A. Wo kann dat angahn? B. Je, as 
ik ut’n Bett keem, leeg he an’e Eer. Oh. — 
Part. Praes. fallen Sük s. Fallsük. up fal 
len Föten gähn „der Niederkunft nahe 
sein“. Dtm. 18. Jhdt. (Brem. Wbch. 6, 58). 
— Komposita: af-, an-, be-, bi-, dal-, dgr-, 
ge-, hin-, op-, to-, ut-, üm-fallen s. d. einz. 
Wörter. — Zssetzungen: Fall-hoot m. „eine 
mit Watte gepolsterte Kopfbedeckung, eine 
Mütze ohne Boden (Kingpolster) für ganz 
kleine Kinder, um einen Fall oder Stoß 
zu mildern“ Dtm. Eid. Kh. he gifft silc af 
ahne F. „er wagt etwas unvorsichtig“ 
Holst. 1800 (Sch. 2, 160). he gifft sik ni 
ünner de F. ut „gibt sich keine Blöße“, 
„läßt sich nicht beikommen“ Eid. uns 
Herrgott sorgt noch jürnmer för’n weken 
P-, wenn man mal snübbelt (stolpert) 
Oroth 3, 102. Sache und Wort sterben ab. 
Fallinbrie (fa-linbri), auch Fall in de 
Brie (vgl. S. 419) m., imperativische Wort- 
hildg., „tölpelhafter, unbeholfener Mensch“, 
au °h „grob“, „unhöflich, „klotzig“, 
„einer, der immer mit der Tür ins Haus 
fällt“ (vgl. Sch. 1, 148). he is rech so’n F., 
he geit dor op dal as de Haaf (Habicht) op 
de Duuf. Sehr verbreitet. Seltener: Fall 
in de Breed „unbeholfener Mensch“ Kh. 
wörtlich: „Fall in die Spreite“; das selbst 
gemachte Linnen wurde Stück bei Stück 
ausgebreitet und begossen; man durfte 
nicht darauf treten; wer es tut, ist ein F. 
Auch: Fall in de Grütt, Fall in‘t 
Huus, Fall in Dreck, Fall um (Eid. 
Schwabst.) sind Bezeichnungen für unbe 
holfene Menschen. Aehnlich: Fahrinbrie, 
Fleeginbrie, Grapsinbrie, Kloppinbrie, 
Störtinbrie u. a. — Fall-sük f. „Fallsucht", 
„Epilepsie“ (auch fallen Sük). Mittel da 
gegen: Kuchen aus Mehl und Tau, der in 
der Johannisnacht gefallen ist (Heim. 19, 
208); Urin eines Fallsüchtigen in einem 
Medizinglas einer Leiche mitgegeben 
(Dtm., vgl. Urqu. 1, 11); Donnerkeil (Stel- 
lau b. Wrist 18. Jhdt.). Aus einem Zau 
berbuch von 1773: „laß dir eine Jungfrau 
den ersten Donnerstag nach dem Neu 
mond vor Sonnenaufgang Garn von Flachs 
spinnen; darnach miß genau die Länge 
des Menschen, der die fallende Krankheit 
hat; mache von dem Garn einen Docht und 
mache von Wachs eine Kerze in der Länge 
des Menschen. Sobald nun der Mensch die 
Länge der Kerze verwächst, vergeht die 
Krankheit. Die Kerze muß aber unter 
eine Leiche im Sarg gelegt werden; ist es 
eine Frau unter eine weibliche, ist es ein 
Mann unter eine männliche Leiche; die 
Kerze muß mit begraben werden“ (Nds. 
13, 343). 
fallen 2 (faln) sw. v. „fehlen“, zuweilen 
für fehlen (s. d.), aber wohl nur in Bezie 
hung auf körperliches oder seelisches Be 
finden. wat fallt di? Neum. Vgl. auch 
schaden. 
Fallermuus „Fledermaus“ Dw., s. Flad- 
dermuus. 
Fällig (fa-lix), F a 11 i Dtm. Eid., F a 1 j e 
(falzo) Sdtm. 1810 u. noch, Falsch 
(falS) Sh. Falg (falx) Oh. Mh. f., Fall- 
land Wm. n. „flach umgepflügtes Weide 
land oder Stoppelfeld“, „Brache“, auch 
„Ackerfurche“; mnd. valge, zu ahd. felga 
„Egge“, ags. fealh „Egge“, falging 
„Brache“, engl, fallow „Brachfeld“. Falg 
ist die ältere dem mnd. valge entspre 
chende Form; Fällig ist ursprünglich das 
Adjektiv dazu; vgl. „wenn er fällig pflü 
get“ 1740 (Zs. 31, 45), fällig Land (Holst. 
1800, Sch. 3, 88); es wird aber jetzt allg. 
als Substantiv gebraucht und hat das Ver 
bum fälligen (s. u.) entwickelt, das älteres 
folgen zurückdrängt, de Buur is bi’t Falg- 
plögen. dat Land liggt in de F. in de F. 
schall to’n Hars Weten seit warm. Auf 
der F. hält sich der Hase tagsüber gern 
auf: de Haas sitt (liggt) up de F. — Zsstzg. 
Fallig-hawer, Fallhawer (Wm.) 
m. „der Hafer, der auf dem erst einmal 
umgepflügten Acker wächst“, im Ggs. zum 
Hartlandshawer (s. d.), Vgl. Nd. Kbl. 10, 
90. Sch. 2, 88. Fallig-weten Oldbg. 
1790. — fälligen (fa-lita), fallien (fa-lin), 
fallen (faln) Wm., falgen (fadgsn),
	        
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