Full text: F bis J (Zweiter Band)

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Fahn — Falk 
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Fahn (fgn) plur. Fahnen u. Fahns, f. 
„Fahne“, in Fleuer un F. alliterierende 
Formel „aufgeputzt“ Schlesw., s. Fleier 
„Wetterfahne“. Zsstzg. F a h n (e n), - d r <j - 
g e r m. „Fahnenträger“. — swenker m. 
„Fahnenschwenker“. Beim „Kremper Schie- 
benscheten“ zeigen auf dem Marktplatz 
noch Fahnenschwenker ihre Kunst; sie 
führen mit der Fahne allerlei Schwenkun 
gen aus, werfen sie hoch in die Luft und 
fangen sie wieder auf; während sie in der 
Luft ist, vollführen sie allerlei Bewegun 
gen, ziehen den Säbel aus der Scheide, 
werfen eine Zitrone in die Höhe und zer 
schlagen sie in 2 Hälften usw. Auch in 
Borby bei Eckf. wird der Gebrauch nach 
Beendigung des Schießens vor dem Gilde 
hause noch geübt. — s t p k e r m. Bezeich 
nung aus der Namenreihe beim Stahball; 
vgl. Aba S. 11. — t r e c k e r m. im Ab 
zählreim: et er, meter, Orapengeter, Stu 
tenbäcker, Fahnentrecker, piff paff pu, af 
büst du Holm (Fbg.); nach F. auch: 
scharp Schgr, stuuf Snuut, gah du man 
to de Di)r herut Lbg. 
Fahreltied (fö-raltid) f. „Umfahrzeit“, 
„Umzugszeit“ Holst. 1800; nach Sch. 1, 
306 „in Hamburg und Altona Himmelfahrt 
und Martini, 8 Tage nach dem Fest auf 
den Sonntag; im übrigen Holstein Michae 
lis und Ostern“. 
fahren s. fahren. 
Fahrensmann (fg-ansman) m. „Seefah 
rer“; plur. —lüd. Seemannsspr. 
Fahrspool s. Fghr — 
Fahrt (fgad), plur. Fahrten (fgadn) f. 
„Fahrt“. 1. „Fahrweg“, die Auffahrt von 
der Landstraße nach den Bauernhäusern. 
Wm. Vgl. Drift 4 S. 863. 2. „Handlung des 
Fahrens“, „Beise“. de ni spart bi voller 
F., bi lerrig F. is’t to laat Oh. Oft in über 
tragenem Sinne: den heff ik ornlich in F. 
brächt „in Erregung versetzt“, he is ban 
nig in’e F. „hat es eilig“, „ist sehr auf 
geregt“, „ist wütend“, aber auch „in sehr 
heiterer Stimmung“, dor keem he awers 
in e F. „wurde wütend“, dat hett he man 
in de erste F. seggt „in der ersten Auf 
regung“. dat kann ik so in’e F. ggrni seg- 
Qcn „in der Eile“, ,,im Augenblick“. Vgl. 
8tonn Ges. W. 4, 302: der Junge kam in 
einer Fahrt hereinstürzt, he maakt dor 
b. achter „betreibt die Sache eifrig“, he 
schüft düchtig F. von schnellem Laufen 
oder schneller Fahrt eines Schiffes (Wm.). 
sien Lopen dat schütt je keen F. Pellw. 
schall mi verlangen, wat dat för’n F. 
scheten ward „wie das abläuft“ Hus. he 
hett wat up de F. „hat etwas auf der Spur“ 
Holst. 1797 (vgl. Sch. 1, 306). — 3. bes. von 
fröhlichen Erlebnissen auf einer Fahrt, 
Abenteuern, lustigen Streichen, Spaß. 
Junge, wat hebbt wi’n F. hatt! Namentl. 
im Plural: dor hebbt wi düchtige F-en 
maakt. he maakt Ummer so vgl F-en 
„Witze“, „Unsinn“.. Dazu Fahrten 
maker m. „Spaßmacher“, „lustiger Bru 
der“ (Sch. 1, 306). 
Fahr-to (fgatö■) m. imperativische Wort 
bildung: „Fahr zu“, ein rasch und unbe 
sonnen, rücksichtslos handelnder Mensch. 
Dtm. Eid. 
fai „sehr“ s. fei. 
faken (fögn) adv. „oft“; alter Dat. Plur. 
zu Fack ('s. d.) „Fach“, ags. faecum „in 
Zeitabschnitten“, „von Zeit zu Zeit“, 
„ wieder holentlich“; mnd. vaken, vakene; 
ndl. vaken; altfries. faken. he besöcht mi 
f. Komparativ: fakener bei Klaus Harms 
(Dtm. 1820); Superlativ: am fakensten 
kiimmt vun de Süken dat kole Fewer vor 
Ndtm. 1850. faken ist in mnd. Zeit das ein 
zige Wort für den Begriff „oft“ (oft 
dringt erst gegen Ende des 16. Jhdts. aus 
dem Hochd. ein, zuerst in der Vbdg. oft 
un vaken und in der Zsstzg. oftermal) es 
ist auch im 17ten und 18ten Jhdt. das üb 
liche Wort, z. B. oft bei Rist (vgl. Nd. Jb. 
7, 147. 160. 161) und in Hochzeitsgedichten: 
’t is unmöglich all to nömen, wat de Min- 
schen vaken drömen Glückst. 1740. Auch 
Sch. 1, 307 verzeichnet es. Das Wort bleibt 
bis in die Mitte des 19ten Jhdts. in Holst, 
noch ziemlich gebräuchlich, bes. in Dtm. 
(oft bei Groth) und Prb., seitdem stirbt es 
ab; heute lebt es nur noch im Munde sehr 
alter Leute und wird von den Jüngeren 
kaum verstanden; ersetzt ist es durch vel, 
mghr, mennimal, ggrn u. ähnl.; oft wird 
von echten Plattdeutschen noch immer als 
Fremdkörper empfunden. Etwas häufiger 
hat sich das Wort in der Vbdg. mit —ins 
(auch —eens) gehalten: dat heff ik all fa- 
kenins sehn Dtm. (oft bei Joh. Meyer) 
Üters. Kh. FL. Prb. Oh. ik bün all faken- 
ins in Hamborg west Wm. (abst.). Mehr 
fach begegnet auch eine Form mit Genetiv 
— s (nach Analogie von Dags, Nachts): he 
geit f a k e n s to Kroog Dtm. Elbm. Auch 
diese kann durch —ins (zuweilen auch 
—mal) verdeutlicht werden: dat kiimmt 
fakensins (fakensmal) vgr Dtm. Itz. 
Falg (falz) „flach gepflügtes Land“, 
falgen „flach umpflügen“ s. Fällig, fälli 
gen. 
Falk (falg) m. „Falke“. Meistens bezeich 
net man alle Raubvögel mit dem Sammel 
namen F., bes. den Hühnerhabicht (s. Höh- 
nerfalk), den Bussard und den Turmfalken. 
Flurnamen: Falkcn-barg Sipsdorf (Oldbg.), 
—flucht Oldbg., —hagen Lbg., —hörn Klet 
kamp (Plön), —steen Blankenese.
	        
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