Full text: F bis J (Zweiter Band)

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Gassen — Gatsch 
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Wasser (mit der linken Hand, wenn das G. 
auf dem rechten Auge ist, und umgekehrt) 
Schw. Oh. Oder: Der Leidende muß drei 
mal stillschweigend durch ’s Schlüsselloch 
sehen (Hohenw.), von einem leeren Zimmer 
in ein anderes (Gg. v. Lüb.). Oder: man 
muß dreimal schweigend in eine Teertonne 
spuken (Lbg.). Gerstenkörner verschwin 
den, wenn man dem davon Befallenen uner 
wartet ins Auge spukt; bei einem Mädchen 
muß es ein Junge tun, und umgekehrt. Be 
schwörung: dor güngen dree Jumfern in’t 
Grün, de een puust Gras, de anner puust 
Loof, de driidde puust di dat Maal vun ’t 
Oog; vgl. Heim. 19, 192. — In der Weberei 
ist G. eine Art grobes Leinen, bes. zu 
Handtüchern; vgl. Heim. 25, 39 u. Goosoog. 
— water n. G., mit’n Hoppenstang um- 
r'ghrt scherzhafte Bezeichn, für „Dünnbier“ 
Kiel (seit.). — zucker m. „Gersten 
zucker“ eine Art Brustbonbon von ge 
branntem Zucker in Form von Stangen und 
Plättchen. Wm. 1860; vgl. Sch. 2, 11. 
Gast (gas), plur. Gäst (ges) m. „Gast“. 
1. als Besuch im Hause, darna de Gäst 
sünd, braad (rökert) man de Bückling 
Holst. 1800 (Sch. 1, 179). so de Gast so de 
Quast Holst. 1800 (Sch. 2, 12). en däglike 
G. is en grote Last, de Gast is as ’n Fisch, 
he blifft nich lang frisch FL. den ersten 
Dag ’n Gast, den tweeten all ’n Last, den 
drüdden stinkt he fast FL. Prb. en Gast 
hett twee Gottloff, een wenn he kummt un 
een wenn he geit Eid. unbgden Gäst mgt 
achter de groot Dgr stahn Holst. 1840; vgl. 
Dgr I, 791. ik bün to G. bgden „einge 
laden“. se sünd dor grgsig to G. gähn 
„haben da (eigentl. als Gäste) toll gewirt- 
schaftet, sich bös aufgeführt, einen Hei 
denlärm gemacht“ u. ähnl.; vgl. Knast, he 
hett em düchtig to G. hatt „ihn tüchtig 
vorgenommen, übel behandelt“ Dtm. — Aber 
glaube: Kommt Montags ein Gast, hat man 
die ganze Woche Gäste zu erwarten, dor 
swümmt noch ’n G. up’n Tee wenn ein 
Teestengel obenauf schwimmt. Gäste kom 
men, wenn man sich bei Tisch aufs Neue 
auffüllt oder auffüllen läßt, ehe man sei 
nen Teller leer gegessen hat (Jb. f. Ldk. 
7, 383). Hat das Brot einen „Mund“, so 
werden Gäste davon mitessen s. Brood I, 
528. Wenn die Blasen auf dem Kaffee in 
der Mitte kreisen, wird der Gast nicht ver 
weilen; wenn sie an den Rand ziehen und 
stehen bleiben, wird er länger bleiben (Kk. 
Has.). — 2. im Wirtshaus. Sitten Gäst sind 
„seßhafte Gäste“ im Ggs. zu Passanten 
(Wm.). Auf dem Schild des Gasthofs „Oie 
Liese“ in Panker (Ltjbg.) steht die In 
schrift: In de ole Liese geit na de ole Wiese, 
de Wirt de süppt dat Beste, seggt: Prost, 
mien lewen Gäste! sehr bekannt, schon 1857 
von Augustiny, Achtern Aben S. 113 ver 
zeichnet. In einem handschriftl. Zauber 
buch von 1773 wird den Wirten, die gern 
viele Gäste haben wollen, empfohlen, von 
dem Holz eines Baumes, auf dem sich ein 
Bienenschwarm niedergelassen hat, einen 
Zapfen zu machen und ins Bierfaß zu 
stecken, „und du wirst Wunder sehen“ 
(Nds. 13, 343). — 3. in abgeblaßter Bdtg. 
„Gesell“, „Mensch“, t> Bursche“. du büst mi 
’n schönen Gast! eigentl. wirklich „Gast" 
(s. 1.), dann verallgemeinert, he is ’n rügen 
G. „Wüstling“ Holst. 1800 (Sch. 2, 12). ’n 
dreebeenigen G. „eigensinniger Patron“. 
Namentl. von jungen Burschen: ’n G. vun’n 
Jahrer twölf; nach Sch. 2, 11: „netter hüb 
scher Bursche, der dem Mädchen gefällt“. 
Auch von kleinen Kindern, und dann zu 
weilen Neutrum: dat ol lütt G. Hü. Schw. 
Auch von jungen Tieren zärtlich: de lütten 
Gäst. wat sünd ji Gäst, sä de Düwel, do 
harr he ’n Fghr Poggen up’e Kaar; wenn 
he een rop hair, sprüng de anner wedder 
af. — Zsstzg. Gast-bott (ga-sbod), Gass- 
bott, Gastebott (Ang.), Gaster- 
b o 11 (Ang. Hü.) n. „Gastgebot“, mnd. 
gastebot; eigentl. „Einladung (Entbieten) 
zu einer größeren Festlichkeit“, meist aber 
diese Festlichkeit selbst, „Gastmahl“, 
„Schmaus“, „große Gesellschaft“, wi schien 
hüt to grote G. Flensb. to G. laden Elbm. 
Dtm. Eid. Pellw. Oh. he stift ’n groot G. 
an Oh. Da der 2te Teil der Zsstzg. („bie 
ten“, „Gebot“) verdunkelt ist und nicht 
mehr verstanden wird, bringt man ihn mit 
Pott „Topf“ zusammen: dor is’n groot 
Gastpott wgn „eine Gesellschaft“ Ndtm. 
Vgl. Wisser, Volksm. 1, 310: Gastputt. 
— huus n. „Wirtshaus“, wenn’t G. brennt, 
so kennt man de Kranken Holst. 1840. 
— p u 11 s. —bott. — w u r t f. Straße in 
Heide; s. Groth 2, 112. 3, 305. 320. — Wei 
terbildung zu Gast: Gasterie (gasdarv) 
„Gasterei“. Sch. 2, 12: „Freßfest“, ^Mahl 
zeit“; wenig gebräuchlich; dazu: gaste- 
r?rn (gasdare-an) sw. v. „gern und häufig 
Gesellschaft geben oder in Gesellschaft 
gehen“ Ang. bi den ward ümmer gaste- 
rqrt Schw. he kann good g. „versteht zu 
essen“, „hat einen gesunden Appetit“ Wm. 
gastrig (ga-sdri), gastig (ga-sdi) adj. 
Entstellungen aus hd. „garstig“; vereinz. 
gebräuchlich, ’n gansen ölen gastrigen Hin 
sehen Dtm., vgl. Sch. 2, 235. 
gatern (gg-dan) sw. v. „viel reden“, bes. 
von kleinen Kindern gesagt. Eid. 
Gatsch (gads), Gatz (gads) m. „Riß“. 
ritsch, ratsch wgr in ’t Kleed en grote 
Gatsch Schw. Auch von den durch Frost 
verursachten Rissen auf der Hand, von auf
	        
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