Full text: F bis J (Zweiter Band)

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Garf — gasseln 
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1850. Im Fehmarnlied (s. II, S. 45): to Va- 
dersdorp, to Vadersdorp, da binden se 
grote Garve. Arten des Garbenbindens: Bei 
langhalmigen Feldfrüehten nimmt man 
eine Handvoll Halme, legt sie um die Mitte 
der Garbe, zieht an, dreht die Enden einmal 
um sich selbst und drückt sie mit dem lin 
ken Daumen unter das Band, dat Garfseel 
(gwern Dumen binnen s. I, S. 353, ünner- 
jucksen Dtm.) oder wo dazu Kraft und Ge 
schicklichkeit fehlen, dreht man die beiden 
Enden mehrmals um und macht dann einen 
Knoten (Knüttensetten Dtm.). Bei kurzhal- 
migen Früchten nimmt man die Halme so 
in die linke Hand, daß alle Ähren oben 
hervorragen, faßt mit der rechten Hand die 
Hälfte der Halme und schwingt sie einmal 
von hinten, dann nach vorn um die übrigen 
nach links herum (schrenkeln, Schrenkel- 
seel, -band s. d.). Buchweizen wird nicht in 
Garben gebunden, sondern in kegelförmige 
Häufchen gesetzt (stuken s. d.). Bräuche: 
Die letzte Garbe wird vor dem Aufsetzen 
in die Luft geworfen (Fehm.); wer sie bin 
det, bekommt einen alten Mann (mutt mit 
’n Oien weg Dw.), vgl. Am I, 175, Fock, 
Fghr. Einige Garben werden (als Opfer) 
auf dem Felde zurückgelassen; vgl. Aft I, 
90. Lied beim Garben binden s. Mhff. 2 Nr. 
641. — Zssetzungen: Garf-fork, auch 
G a f f o r k Oh. (Wisser, Volksmärchen 1, 
310) f. „Garbenforke“; vgl. Fork. —hann- 
schen m. „Lederhandschuhe, die beim 
Garbenbinden zum Schutz gegen Diesteln 
angezogen werden“ Schw. — j a c k f. „weiß 
leinene Jacke, wie sie die Binderinnen tra 
gen“ Schw. — s e e 1 n. „Garbenband“ (s. o.). 
Garfkamer (g&'fkgma) f. der alte Aus 
druck für „Sakristei“, der Ort, wo die prie- 
sterliche Ausrüstung auf bewahrt wird; zu 
alts. garewan „ausrüsten“, „bereiten“, 
„fertig machen“, mnd. garwete, gerwete 
„priesterliches Gewand"* gerekamer „Sa 
kristei“; in älteren hochd. Quellen auch 
„Garbekammer“, „Gerbekammer“ genannt 
(Schumann, Wortsch. v. Lübeck 21: Garbel- 
kamer). Das Wort war um die Mitte des 
vorigen Jhdts. noch vereinz. in Gebrauch, 
namentl. in Oh. (bezeugt für Neust., Olden 
burg, Heiligenh.), auch in Dtm., wurde aber 
nicht mehr verstanden; darum ist es im 
Volksmund zu Warkkamer umgebildet (vgl. 
Wisser, Heim. 13, 138). Die Leute, die zum 
heiligen Abendmahl gehen wollten, sagten: 
wi mijt grst na de Garfkamer, weil in der 
Sakristei die Beichte vor der Abendmahls 
feier stattfand (Neust. 1850). 
gärig „passend“, „bequem“ s. gaadlich. 
Garn „Garten“ s. Gaarn *; Garn „Garn“ 
s. Gaarn 2 . 
Garnitur (garnitü-a) f. wie im Hochd. he 
driggt de sgmde G. „schlechtes Zeug“, he 
is in sien best G. 
Garr (gä) f. „Garde“, wahr di, Buur, de 
G. de kümmt war das Feldgeschrei, mit dem 
die Garde unter Junker Slenz vor der 
Schlacht bei Hemmingstedt (1500) in die 
Marsch zog; die Dithmarscher antworteten 
darauf: wahr di, Garr, de Buur de kümrrit. 
Sprichwörtl. geworden. Vgl. Groth 1, 130 ff. 
garren (gän) sw. v. „weinen“, „schreien“. 
dat Kind garrt FL.; vgl. mnd. garren 
„gurren“, „röcheln“. 
Garsten „Gerste“ s. Gassen. 
Garv „Garbe“ s. Garf. 
Garve (gävd): up de G. herum gähn „sich 
allenthalben selbst zu Gaste bitten“, 
„schmarotzen“ bei Sch. 2, 11 ist mißver 
standen aus Garde; mnd. gar de f. „das bet 
telhafte Herumgehen herrenloser Kriegs 
knechte von Haus zu Haus“, garden „bet 
telnd herumstreifen“; vgl. z. B. Petreus 194 
(1500): den landslcnechten und prachers 
wart im lande to garden und bedelen nicht 
er gönnen. Das Wort ist nicht mehr bekannt. 
garwen (gävn u. gäm), garben sw. v. 
„gerben“, wat för’n Fell ward ni gar ft? 
(das Trommelfell im Ohr) Pellw. he kreeg 
sien Fell (Ledder) ari garft „bekam tüch 
tige Prügel“. Dazu: Gar wer (gäva) m. 
„Gerber“. Tanzlied: Hans, dans man to! 
Bespaar di keen Scholl! De G. maakt Led 
der, de Schooster maakt Schoh'Kk. Zsstzgen: 
Garwer-hund m. so gierig as ’n G. 
Holst. 1840. — k r u u t n. seherzh. Bezeichn, 
für „Tee“ Dtm. (vereinz.). 
Gas (gas) f. „Gas“, auch „Gasanstalt“, 
„Gaswerk“, mien Vadder arbeit up de G. 
Auch im Umgangshochd. „die Gas“. 
Gass „Gerste“ s. Gassen. 
Gassei (gasl), Gessel (gesl), G i s s e 1 
(gisl), Gössel (gesl), Gister (Dw.), plur, 
G—s f. u. (seltener) m. „Brett aus Eichen 
holz (auch G—brett genannt), 2—3 m lang, 
30—40 cm breit, vorn abgerundet, am an 
dern Ende mit Griff versehen, mit glatter 
Oberseite, auf dem das Brot beim Gasseln 
(s. u.) in den Ofen geschoben wird“. Statt 
des Brettes benutzt man auch ein langes, 
schmales, mit Griff versehenes Stück Eisen, 
das auf 2 Rollen fortbewegt wird. Aber 
glaube: Die G. darf während der Zwölften 
nicht im Freien bleiben. Dicke, fette Pferde 
bekommt man, wenn man dem Nachbarn 
nach dem Backen die G. stiehlt und sie 
unter der Raufe vergräbt oder wenn man 
von der G. des Nachbarn 3 Splitter ab 
schneidet und sie hinter die Raufe der eige 
nen Pferde steckt (FL.). — gasseln (gasln), 
oft auch gess ein (gesln) u. gissein 
(gisln), zuweilen gösseln (gesln) Kremp.
	        
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