299 
Gang — gans 
300 
kümmst to G. as de Sijg in’t Judentums 
„du kommst ungelegen“, „es mißlingt dir“. 
en Stück to G. bringen „lügen“ Ang. se hett 
dat in G. brächt „hat das Gerücht aufge 
bracht“. ut ’n G. kamen „aus dem Schwung, 
aus der Gewohnheit kommen“. — 2. „der 
Gang,, als Ortsbezeichnung; bes. für enge 
Straßen, z. B. in Kiel: Sprütten-, Bäcker-, 
Beerdrgger-, Boden-gang u. a. „Korridor“: 
dat Schapp steit op ’n G. Auch der „Gang“ 
in der Kirche: de Kinner sünd in G. „sind 
in der Kirche zur Prüfung durch den Pre 
diger“ Wm. — Zsstzgen.: Achter- (S. 31), 
Blangdgrs- (S. 370), Fodergang. — 3. techn. 
in der Weberei: eine bestimmte Zahl von 
Fäden der Kette; en vullen G. hat 40 Fä 
den. In der Mühle: das gesamte zu einem 
Bade gehörige Getriebe (s. Myhl); man 
unterscheidet Bildet-, Schroot-, Spitzgang. 
gangbar (ga-ragbpn) adj. aus dem Hochd., 
aber mit veränderter Bedeutung (s. anzüg 
lich S. 149). in de ünnerst Swentin sünd 
arig Alanners (s. d. S. 99) gangbar „finden 
sich viele“, de Inspekter wgr hier g. „ging 
durch das Dorf“ Flemhude (seit.). 
Gangel-waag (ga-ralvgx) m. „kleiner 
Wagen, an dem Kinder das Gehen lernen“ 
Wm. Fehm. 
Gang-loot (ga-raglöd) n. „Gewicht in der 
Wanduhr, das das Gangwerk treibt“; Ggs. 
Slagloot, das das Schlagwerk treibt. 
Gangspill (ga-ragsbil) n. „große Winde 
zum Lichten der Anker oder zum Aufzie 
hen des Boots“. Seemannsspr. Vgl. Kluge 
S. 299. 
Ganjer „Gänserich“ s. Ganner. 
Ganner (gana), Ganjer Glückst. 1750 
(Nds. 21, 300), Gannert Itz. (Moderspr. 
1921, 91), Gant FL. Lbg. Storm. (vereinz.), 
Ganter Oh. Sgbg. Banz. u. vereinz. Dw. 
Ang., G a n d e r Bdsbg. 1700 (Bauernbrief 
aus Langwedel: „ein jeder Hübener soll 
nicht mehr denn 6 alte Gänse mit dem 
Gander halten“), Schönkirchen 1709 (Erd 
buch) m. „Gänserich“; mnd. gante, ndl. 
gent, engl, gannet; die durch Assimilation 
entstandene Form Ganner ist heute die üb 
liche. he is so butsch as ’n G. oder so bös 
as Hans Witt sien G. (Ascheberg), de grote 
G. bitt di Storm. Schreckgespenst für Kin 
der (vgl. Mhff. 2 S. 545 f.). Verwünschung: 
dat di de G. bitt! Schelte: du ole grannige 
G.! bes. von bissigen Menschen, markst 
wat? sä Kord, do beet em de G. Hus. 1840. 
Eid. Schwabst. he is so egen as Mißfeld 
sien G., de swümm dree Daag op ’n Diek 
un verdösst vgl. egen S. 1010. he steit un 
luurt as de G. na de Blitz Hus. he maakt 
sik as ’n uptömten G. Sgbg. he is so ma 
ger as ’n ullen kranken G. Dw. — een na 
de anner, erst de Goos un denn de G. „im 
mer der Keihe nach!“ Ang., auch „Damen 
haben den Vortritt“ Nort. büst mi bös, gah 
mank de Gös, pedd’n G. op’n Foot, warrst 
mi weiter good Kinder unter sich. Tanz 
lied: Goos op’e Dgl, G. dgrbi s. bei Goos, 
hupsa op dat ene Been, hupsa op dat an 
ner, hesst du mi nich rieden sehn op den 
groten Ganner? Wm. Nachahmung des 
Gänsegeschnatters im Tiergespräch (z. T. 
mit dem Entengeschnatter übereinstim 
mend, s. Aant I, 7): Gänse: nimm du düt, 
ik nghm dat! Ganner: schall all op, schall 
all op Schw. Kk. — Gössel: dit will ik un 
dat schasst du! Gans: man sarch, man 
sarch. Ganner: schall all up, schall all up 
Kk. — Gans: Marten! Ganner: wat is da? 
Gans: is bald Martini! Ganner: ach Gott, 
ach Gott! Diermissen, Muskist. S. 32. — 
Bauernregel: Lichtmeß kriggt de G. ’n Fru 
oder söcht de G. sik ’n Bruut. — Scherz 
frage: wat för’n Vagei liekt de Goos am 
meisten? De Ganner. — Aus „der Mutter 
Hausbestand“: Langhaus heet mien G.; 
mien G. „Taratt“ (Jb. f. Ldk. 6, 394). An 
deres s. Abel S. 12, Afkaat S. 71 u. Goos. 
— Zsstzgen.: Ganner-hals m. he hett 
’n G. „einen sehr langen Hals“. Eine 
namentlich bei Bohnen, aber auch sonst an 
gewandte Art des Garbenbindens heißt: 
mit ’n G. binden (s. I, S. 353) Dtm. Fehm. 
FL. Bdsbg.; dabei wird das freie Band 
ende zu einem krallen Strick gedreht und 
erhält dann einen scharfen Knick seit 
wärts; vgl. Garf, Goosschrgl. Flurname 
Gannerhals Dtsch. Nienhof, Peißen (Ho- 
henw.). — k o p p m. he hett ’n Gesicht 
as ’n utpuulten G. Hus. 1840. — k q t e 1 m. 
Von sehr niedrigem Lohn heißt es: he 
kriggt de G—n för’t Gooshöden Eckf. 
gans (gans), ganz (gands) adj. u. adv. 
„ganz“. 1. Adj. de g—e Back „alles was 
auf einmal gebacken wird“, vgl. Back 5 
S. 198. ik mag em den g—en Dag ni He 
den „durchaus nicht“. Verstärkend nach 
all: vun all sien g. Geld hett he nix mghr, 
vun all den g—en Kraam is nix to bruken. 
Im Plur. auch „alle“, „sämtliche“: de gan- 
sen Kantüffeln sünd rott; he hett de g—en 
Pannkoken upfrgten; so schon oft mnd., z. 
B. Hrk. von 1561: wy gantzen inwonere des 
landes Dytmerschen. Seltener „heil“, „ge 
sund“: he is weiter g. FL. — 2. Adv. ik bün 
g. alleen g. bet to Huus gähn. Häufig wird 
es durch Angleichung wie das folgende 
Adj. flektiert: ’n gansen groten Kerl, ’n 
ganse lüttje Dgrn; ebenso vor substanti 
visch gebrauchtem Adj.: he is’n gansen 
Verdwgrn „ein großer Querkopf“, ’n gan 
sen Spaßigen „großer Spaßvogel“, he is 
’n gansen Dullen na de Fruunslüd „Schür 
zenjäger“. Häufig dient es zrtr Verstär
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.