Full text: F bis J (Zweiter Band)

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galstern — Gang 
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smeckt so g. Prb. Itz. Vgl. drang S. 836, 
gammelig, rietig. Auch „schleimig“, „gal 
lertartig“, „gelblich-zäh“ (vom Auswurf 
oder von Erbrochenem). Daher wohl auch von 
Menschen: he säht so g. ut as Kees un 
Bottermelk „krankhaft“, „elend“ Kh. 
Nordfr. g. Beer „bitter schmeckendes 
Bier“ Sh. (Gg. v. Hamburg). Als g. be 
zeichnet man auch Menschen und Tiere, 
denen vor Eßbegierde der Speichel aus dem 
Mund läuft (Schlesw.). 
galstern 1 (galsdan) sw. v. „spucken“, 
„speien“ = qualstern Schw. (s. o. Oalster); 
bes. von übelriechendem, eitrigem Aus 
wurf: he geit to g., dat dat ni uttoholen is 
Schw. 
galstern 2 (galsdan) sw. v. „laut spre 
chen“ FL., „laut lachen“ Ltjbg., wohl zu 
alts. galan, ahd. gellan „einen lauten Ton 
von sich geben“, „gellen“, mnd. galspern 
„heulen“. Heute besonders von lautem, 
lange anhaltendem Bitten he höllt grirni 
op to g. „bittet und bettelt beständig“ 
Eut. Wm. (seit.), se galstert Ummer achter 
mi ran Tritt. Vgl. afgalstern S. 66. In 
der Gg. v. Lübeck sagt man von einem 
Menschen, der sich lange beim Beden auf 
hält: he is galsteri. 
galstrisch (ga-lsdrii) adj. in der Vbdg. 
g. Fewer „gastrisches Fieber“ Kk. FL. 
Dtm. (Groth 1, 67). 
Garnen „Gaumen“ s. Gaam. 
Gammel (gaml) m. „ein Alter“ in her 
absetzendem Sinne: dat is’n richtigen G. 
Kk. Der Teufel nennt seine Großmutter 
du scheine G. Fehm. (Heim. 25, 181). „Altes 
mageres Pferd“ Fehm. Altes nd. Wort, vgl. 
alts. gigamalöd „bejahrt“, mnd. gamalen 
„alt werden“, aber hier wohl aus dän. gam- 
„alt“ übernommen. In Schlesw. oft in 
Ortsnamen, z. B. Gammel-by Dorf in Ang. 
u. Schw., —dämm Stelle in Ang., —gaard 
Out auf Alsen, —lund Dorf bei Schlwg. 
Gammel-land n. „altes angebautes 
Land“, —toft „alte Hofstätte“ Ostenfeld 
(Hus.). — gammelig (garmall) adj. „alt“, 
»abgestanden“, „verdorben“, „faulig“, dat 
Fleesch, de Schinken is (smeckt) all g. Fehm. 
Neust. FL. Neum. Wm.; vgl. galsterig. 
Auch von Menschen mit gelber, schlechter 
Gesichtsfarbe, namentl. von schwangeren 
Frauen: se säht so g. ut Hörnerkirchen 
(Mh.). Vgl. vergammelt. 
gammeln (gamln) sw. v. „offen wegneh- 
men *. (von Spielsachen und anderen Klei 
nigkeiten). g. is ghrlich, stghlen is gefähr 
lich Bdsbg. Vgl. gamsen. 
Gammendörp (ga-mdaah) Dorf auf Feh 
marn. Im Fehmarnliede (s. II, S. 45): 
“cA G., ach G., du liggst wol achter ’n 
Barge. Weil G. „hinter’m Berge“ liegt, 
soll es nur selten Regen bekommen, daher 
die Ra. he hollt still as Gott vor G. Doch 
liegt hier wohl Vermengung mit der Ra. 
he wendt um as Gott vor Grammdörp (s. 
d.) vor; vgl. Mhff. 2 Nr. 384; ebenso in der 
Wendung: he kehrt um as Gott vor Gamm- 
dörp „wenn man vor etwas zurückschreckt“ 
Oh. Fehm. 
gamsen (gamzn) sw. v. „stehlen“, doch 
meist in milderem Sinne von unbedeuten 
den Sachen, „stibitzen“. Vgl. gammeln. 
Gang (gang) m. „Gang“; ursprünglich 
flektierte Formen im Dat. Sing. u. im 
Plural: to (in) Gang’ (gaiö), de Gang’ 
(gen), 1. „das Gehen“, he hett mal’n 
snaakschen G. de Minschen kennt man 
an ’n G., de Vag eis an ’n Gesang FL. gah 
dien ,G. „geh weg!“ een Minsch geit 
(hett) man een G. „man kann nur für einen 
arbeiten“, „einer kann nicht alles be 
schicken“. Recht geit sien G., Unrecht 
geit sien Fgrtgang (s. d.). Recht mutt 
sien G. gähn, sä de Jung, as sien Vader 
uphangt wgr Oh. he hett dor G. in „kommt 
vorwärts“, „versteht seine Sache“ Wm. Be 
sonders häufig sind adverbiale Verbindun 
gen mit den Präpositionen an, in, to, ut 
und dem Dat. Sing. (s. o.). de Hexen sünd 
an G. „die Wassermühlen gehen“ Wm. he 
kann den Rietsticken ni in (an Wm.) G. 
kriegen „nicht zum Brennen bringen“, he 
hett sien Kraam good in G. „in Ordnung“, 
„im Schwung“, is he all in G.f „ist er 
schon aufgestanden?“ he is all weller in 
G. „schon wieder auf den Beinen“, „auf 
gestanden nach einer Krankheit“, dat (sien 
Geschäft) kämmt nu bannig in G. „kommt 
in Aufnahme“, „wird Mode“, „blüht auf“. 
se arbeit jümmers in G. to „unablässig“, 
„immerfort“ Wm. sachmödig in G. weg, 
dat de Haar op'n Kopp suust, sä de Buur 
to sien Volk Lbg. Beim Einfahren der 
Ernte unterscheidet man zwischen in G. 
und reiswies fahren; bei jenem wird jedes 
beladene Fuder gleich nach Hause gefahren 
(es ist ein „unablässiges“ Fahren), bei die 
sem werden alle Wagen auf einmal beladen 
und zusammen heimgefahren (Eid. Ndtm.). 
Bei to Gang tritt zuweilen noch die ur 
sprüngliche sinnliche Bedeutung hervor: 
he kämmt in ’n groot Holt to G. „hinein, 
so daß er dort geht“; dor kämmt ’n ool Fru 
to G. „kommt gegangen“ Oh. (oft in Wis- 
Sers Märchen), se sünd froh to G. „früh 
bei der Arbeit“, se sünd bi ’t Inf (ihm to 
G. „damit beschäftigt“. Petrus is mank de 
Holtschoh (s. d.) to G. „es donnert“; auch 
se sünd dor haben all wedder to G. dor 
bün ik dumm to G. kamen „schön hinein 
gefallen“. dor kann ik ni mit to G. ka 
men „damit werde ich nicht fertig“, du
	        
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