Full text: F bis J (Zweiter Band)

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Galgen — galsterig 
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Schatz gehabt (Hus.); vgl. Mliff.Nr. 134. 
322 (mit Anm. S. 536). —diek „Galgen 
teich“, jetzt verschwundener Teich in Kiel. 
—kamp Flurname Breitenburg (Itz.). 
—koppel Neum. —kroog Wirtshaus Batzbg. 
—wisch Ahrensburg (Storm.). — Zsstzgen: 
Galgen-posamentier m. „Seiler“ 
in der Kundensprache. — preester m. 
nach Sch. 2, 8 „schlechter oder malitiöser 
Advokat“ Holst. 1800. Galli-jpk n. 
„Joch, das unruhigen Kühen über den Hals 
gelegt wird“ Schwabst. — knecht m. 
Ang., s. o. 
Galgenmai (ga-lwmai), auch Gorge- 
mai, Gakelmai (Wm.) m. „Gelbwurz“, 
Curcuma (wohl daraus entstellt); der Saft 
dient zum Gelbfärben (z. B. der Butter, 
der Zwecken unter den Schuhen). Dtm. 
Stap. 
galich s. gaadlich. 
Gail 1 (gal) f. „Galle“, de G. stiggt em 
op oder läppt em gwer „er wird zornig“. 
he speet gröne G. oder Gift un G. „er ist 
wütend“, he hett de G. to dicht bi ’n Ach. 
tersten Sitten „braust leicht auf“ FL. he 
hett ’n G. op em „ist zornig auf ihn“, „sucht 
Händel mit ihm“ Holst. 1800 (Sch. 2, 8). 
dat is so bitter (s. d.) as Gift un G. Eätsel: 
so hoch as ’n Huus, lütter as ’n Muus, bit 
ter as ’n Gail, mijgt de Herrns all (Wal 
nuß). Von Bienen sagt man: Honni in 
Mund, Gail in Schlund Schw. dor steit’n 
G. an de Sünn „Sturm steht bevor“ Ellerb. 
— Wenn man sich häufiger mit der Galle 
des Rebhuhns die Schläfen einreibt, soll 
man ein gutes Gedächtnis bekommen; s. 
Heim. 6, XXXIX u. 19, 228. — Ableitun 
gen: g allen (galn) sw. v. „bitter ma 
chen“, nur in d ?r Redensart: nu is de Bütt 
gallt „nun ist er gekränkt“, s. Bütt 1 S. 632. 
— gallig (ga-li) adj. „zornig“, „leicht zu 
reizen“, „verdrießlich“, ik bün em g. to 
„bin böse auf ihn“ Holst. 1800. Auch „bit 
ter“; Zweispänner: gifti un galli. he Jceem 
man g. weg „kam schlecht weg“ Wm. 1800 
(Sch. 2, 8). — Zsstzg. Gall-appel m. 
„Gallapfel“. Um die Brustwarzen junger 
Wöchnerinnen herauszuziehen, bindet man 
einen ausgehöhlten Gallapfel darauf 
(Fehm.). 
Gail 1 * (gal) f. „Geschwulst an den Bei 
nen des Pferdes“. G. un Spatt (s. d.) mgt 
grst warm warm (dann legt sich die Lahm 
heit des Pferdes). Auch übertragen auf un 
fruchtbare Stellen auf Äckern und Wiesen; 
Flurname: de Gallen Wolken wehe (Storm.). 
Gail 3 (gal) m. der Tag des heiligen 
Gallus (16. Okt.). Bauernregeln: St. Gail 
mutt (blifft) de Koh in Stall FL. Dw. St. 
Gallen lött den Snee fallen Schw. op St. 
Gallendag mutt jeder Appel in sien Fack 
FL. In der Galluswoche darf man keinen 
Roggen säen (Dtm.). Der Gallustag gilt 
als „glücklicher Tag zum Schlachtfest“ 
Sch. 2, 9; vgl. Heim. 2, 266. Als Gallen 
sommer m. bezeichnete man im 18. Jhdt. 
die zur Herbstzeit im Freien fliegenden 
Spinnfäden, „Altweibersommer“ (Schlesw.- 
Holst. Anz. 1765. Sch. 3, 87). 
Gail-Anna (gala-na) „Gauchheil“, Ver 
drehung von Anagallis (arvensis) Insei 
Alsen (Heim. 1, 14). 
gallant (gala-nd) adj. nur bei Groth 
3, 359 von einem Fahrzeug, wat so g. harr 
See holen in Storm un Wedder menni Dag. 
Wohl „fein“, „geschickt“, „tüchtig“ zu 
franz. galant. Vgl. glant. 
Gallensommer „Altweibersommer“ s. 
Gail \ 
Gallerie (galarv) f. „oberster Zuschauer 
raum im Theater“, scherzh. übertragen auf 
die Zuschauer beim Kartenspiel (Wm.). 
Gallerut (ga-lsrüd) „Gertrud“ s. Gar- 
derut. 
Galli „Galgen“ s. Galgen. 
Gallus 1 s. Gail 3 . 
Gallus 2 Verdrehung für „Gala“, morn 
is dar ’n groten G. op ’n Sloß Oh. (Wisser, 
Volksmärchen 1, 154). 
Galopp (galo-b) m. „Galopp“, dat schall 
ümmer gähn vijr in Sprung un achter in 
G. Schw. Ang. di hett de Esel woll in 
G. verlgrn? Tritt. Neckreim: Johann, 
spann an, dree Ratten achteran, dree Müs 
vörop, denn geit dat in G. na ’n Blocksbarg 
herop; vgl. I, S. 395. Knieschaukellied: 
alleben, alleben (s. d. S. 104), in Draff, in 
Draff, in G., in G., in Sprung, in Sprung! 
Vgl. I, S. 382. G. schieten „Durchfall ha 
ben“ Prb. Zsstzg. Galopp-schooster 
m. „flüchtiger Arbeiter“ Ang.; auch „Ar 
beiter in Schustereien mit Maschinen 
betrieb“ Neum. 
Galster (galsda) m. „Schleim“, „Auswurf“. 
dat Pgrd läppt de G. ut de N$s Dtm. de 
is so ggl as ’n G. Holst. 1840. Das Wort 
ist selten und wohl erst unter Anlehnung 
an Qualster (s. d.) aus dem folgenden Adj. 
gebildet. — galsterig (ga-lsdari), vereinz. 
g a 1 s t i g Sgbg. FL. adj., zu mnd. garst, 
garstich, garsterich „ranzig“, „verdorben 
schmeckend oder riechend“, „widerlich“, 
„ekelerregend“; überall bekannt und häufig 
gebraucht, bes. von überjährigem geräucher 
ten Speck, der eine gelbliche Farbe ange 
nommen hat oder durch schlechte Aufbe 
wahrung unschmackhaft geworden ist; 
auch von streng und bitter schmeckendem 
(zu alt gewordenem) Fett, Schmalz, Talg. 
dat ward di noch upgallen (s. d.) as g. Speck 
Schw. Auch von allzu fetten Speisen, die 
beim Essen Widerwillen erregen: dat
	        
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