Full text: (Erster Band)

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Bruut — Bruutdener 
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Blumenblättern (s. Brüdigamsbloom). Die 
Richtung, aus der der Bräutigam kommt, 
sucht man durch Portknipsen von Kirsch 
steinen (Ang.) zu erfahren oder dadurch, daß 
man aus einem grünen Mettelhalm den Saft 
nach oben schiebt, bis ein Tropfen heraus - 
kommt (Trittau), oder indem man in der 
Neujahrsnacht beobachtet, nach welcher Rich 
tung hin zuerst ein Hund bellt (Holst. 1840). 
Die Zeit der Verlobung erfährt man, wenn 
man einen goldenen Ring an einem Frauen 
haar über einem Glas Wasser schweben 
läßt: so oft der Ring an den Rand des 
Glases klingt, so viele Jahre muß man noch 
warten (Schw.). Ob sie im neuen Jahre 
Braut wird, sucht das Mädchen dadurch fest 
zustellen, daß sie in der Neujahrsnacht zwi 
schen 12 und 1 Uhr, auf dem Bauch liegend, 
die Pantoffeln über den Kopf wirft; zeigen 
diese dann mit der Spitze nach der Tür, so 
bleibt sie im Hause; liegen sie nach der an 
deren Richtung, kommt sie als Braut heraus 
(Holst. 1800 Sch. 1, 11); vgl. Tüffelsmieten. 
Verbreitet ist noch das Bruut- un Brögam- 
upstgken: man steckt 2 Stengel des Jolian- 
niskruut (s. d.) unter die Bodendecke und 
denkt sich dabei ein Mädchen und einen 
Mann; nähern sich die Stengel beim Weiter 
wachsen, so wird aus den beiden ein Paar; 
entfernen sie sich, so wird nichts draus (Oh. 
FL. Ranz. Schw. Mschl.). Als Zeichen, daß 
ein junger Mann eine Braut hat, gilt es, 
wenn beim Ziehen die Finger in den Ge 
lenken knacken (Rdsbg.). — Pflanzenname: 
Bruut in Haaren „Blutströpflein“ Adonis 
autumnalis L. Storm.; auch „türkischer 
Schwarzkümmel“ Nigella damascena L.; vgl. 
Greten in't Grön, Jungfer in't Gräne, Mü 
schen in de Heed. — Orts- u. Flurnamen: 
Bruut-barg Bordesh., Hanerau, —dans Kop 
pel b. Schwabe (Kchsp. Jevenstedt), s. unten 
b. Bruutdans, —hörn Erfde* —kamp Albers 
dorf, Acker mit Hügel und Steinhöhle, in 
der die Unterirdischen hausten (vgl. Mhff. 2 
Nr. 147 u. Anm. S. 527; Nr. 423, 2. Nr. 447), 
Seekamp (Oldbg.), —lcoppel Seekamp 
weil auf dem dort liegenden Stein die Braut 
leute getraut sein sollen, als es noch keine 
Kirche gab (Mhff. 2 Nr. 147), —lock un 
ergründlicher See bei Husum (vgl. Mhff. 2 
Nr. 149; Storm Ges. Werke 7, 49 f.), —see 
bei Schleswig (Sagen b. Mhff. 2 Nr. 149). 
— Zusammensetzungen: 
Bruut-beer n. „Verlobungsfeier“, s. Ver- 
Igfnis. — b e 11 n. „Brautbett“, ’n beten 
int B. bgden s. —kist. Um Unglück zu 
verhüten, muß man es mit Federn von le 
benden Gänsen stopfen (Schw.). Aus 
Schabernack wird es zugenäht (Pbg.). Eine 
Vertiefung an der Stelle eines verschwun 
denen Hünengrabes bei Hanerau (Rdsbg.) 
heißt B. — bettabend m. der Tag vor 
der Hochzeit (in Ang. immer ein Donners 
tag), an dem die Aussteuer der Braut (s. 
Bruut-geschirr, —good, —tüg) in das Haus 
des Bräutigams gebracht und das Brautbett 
aufgemacht wurde. Schlesw. — boom m. 
„Brautbaum“. Im 18. Jh. mußten „Manns 
personen aus den Holzgegenden“, die sich 
verheiraten wollten,’ einen obrigkeitlichen 
Schein einliefern, daß sie eine gewisse An 
zahl Bäume gepflanzt hätten; vgl. Heim. 7, 
165. 16, 28 (Alsen). Eine alte Eiche am 
Wege von Husby nach Schleswig, bei der 
der Hochzeitszug zu einer kleinen Stärkung 
anhielt, hieß B. (Heim. 6, XV). In den 
wendischen Dörfern bei Ratzeburg war es 
Sitte, einen grünen Baum auf dem Braut 
wagen mitzuführen. — botter f. die But 
ter, die am Abend vor der Hochzeit von den 
Nachbarinnen gemacht und, mit Blumen ge 
schmückt, beim Hochzeitsschmaus vor die 
Braut hingestellt wurde. Holst. 1800 (Sch. 
1, 165). Vgl. Botter S. 460. —breef m- 
„Verschreibung über die Mitgift der Braut" 
Wm. (ausgest.); vgl. Breef. —brood n. 
ein Brot von sehr großen Ausmaßen, das als 
Mitgift der Braut auf dem Brautwagen mit 
geführt wurde. Holst. 1800 (Sch. 1, 162); 
vgl. —kees, —Stuten. — dans m. 1. der 
erste Tanz beim Hochzeitsfest, von den Neu 
vermählten allein getanzt. Auch der Tanz, 
der am Hochzeitstage nachts um 12 Uhr 
stattfindet, bei dem die unverheirateten Hoch 
zeitsgäste dem Brautpaar mit Lärmwerk- 
zeugen folgen (Pbg.); dabei wird das Tanz 
lied gesungen: un sett de B. de Kroon up 
usw., s. o. bei Bruut (Barmst.). In Nordfr. 
fand der B. nachmittags nach dem Kaffee 
und nachts um 12 Uhr statt und zwar buten 
op de Warf; dabei laufen die Paare, das 
Brautpaar voran, in bestimmter Reihenfolge 
mehrere Male im Kreise herum; von Zeit 
zu Zeit gibt es einen Schnaps. — 2. die 
Nachfeier am Sonntag nach der Hochzeit 
ohne Musik und Tanz; die Neuvermählten 
mußten bei der Mahlzeit, an der nur die 
Sysselleute (s. Syssel) und die nächsten Ver 
wandten teilnahmen, ihre Gäste selbst be 
dienen. Ang. 1840. — 3. Name einer Koppel 
bei Schwabe (Kchsp. Jevenstedt), auf der 
2 größere und im Kreise herum 12 kleinere 
Steine stehen; die Steine sollen verwandelte 
Brautleute mit ihren Gästen sein, die am 
Sonntag während des Gottesdienstes hier 
tanzten. — dener m. Leute, die sich bei 
Hochzeiten als Diener vermieten, den Wagen 
schlag öffnen, beim Aussteigen behülflich 
sind, bei Regenwetter einen Schirm über 
Kranz und Schleier der Braut halten usw.
	        
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