Full text: (Erster Band)

546 
Bruut 
546 
der mit der Peitsche zu knallen pflegt, wenn 
er am Hause seiner Liebsten vorbeifährt 
(®obg.). adiis, B., de Frie is ut bei spöt 
tischem Abschied, s. adiis S. 55. Als Braut 
wird auch die Haupttänzerin des Abends be 
zeichnet: wat hesst vun B. liatt (oder wovgl 
Brü hesst denn hatt) op'n Fasslaamball? — 
B- un Brüdigam slaat sik mit de Füertang 
rufen die Jungen neckend hinter einem 
Liebespaar her. wat kiekst mi an, wat 
lachst mi to, meenst da, ik bün dien B. ? 
0°h ng, mien Jung, dat glöv man nich, 
du hesst so’n schewe Snuut scherzhafte Ab 
weisung. Priamel: söben Jghr up de See, 
sgben Jghr keen Veh, sgben Jghr keen B., 
dal geit nich gut Ellerb. Tanzlied (Hoch 
zeitskehraus): seit de B. de Iiroon op, nimm 
? T n wedder af, en vergnügte Abend, so 
mennig bedrövte Dag Schlesw. 1850; nach 
den beiden ersten Zeilen auch: seit de 
schwarte Mütz op, dat is de beste Dracht 
Ang. (abst.). ut Finner ward Lüd, ut Lud 
ward Brüd, ut Brüd ward Froen un in 
Bandümdreihn mutt de Taster troen Eut. 
» ^°P en dörp, to K., dor sünd de jungen 
rüde Pehmarnsches Lied 18. Jh. (Sch. 4, 
'88). Petersill un SuppenTcruut wusst in 
unsen Garen, N. N. is de junge B., ward 
lang mehr wahren Holst. 1800 Wm. 
r L. (abst.). büst dull, gah na de Bull, 
oüst — • 
gut, gah na de B. Hohn, de Liek un 
d® B. mgt ut't Huus herut Eut. Andere 
Lieder und Reimsprüche s. bei Brill, Grütt- 
makerjung, Katt, anspannen, Snappsnuut. 
Lber die Bräuche bei der Verlobung s. Ver- 
Üfnis. de Bruut kümmt: es war früher Sitte, 
c aß arme (zuweilen aber auch wohlhabende 
?■ Heim. 34, 286) Bräute vor der Hochzeit 
m Begleitung einer älteren Frau (Bruutfru) 
mit einem Stock in der Hand und einem 
Reißen „Küssenbür“ unter dem Arm von 
aus zu Haus zogen, um Gaben für die 
Aussteuer, besonders Wolle, Flachs, Federn, 
innen einzusammeln (vgl. Bruutkist, bfden 2 
■ 254); eine Sitte, die schon 1828 als 
»schändliche Bettelei“ bezeichnet wird, mehr- 
von den Behörden verboten wurde und 
die Mitte des Jhdts. ganz abgekommen 
aV Schlesw., Amt Kronshagen). 
Aberglaube: Ein Mädchen wird im sel- 
)en Jahr (oder in 7 Jahren) nicht Braut, 
Wenn sie ein volles Pfund Butter oder einen 
uchen an schneidet oder wenn sie das 
Schüsselwasser bis zum Kochen auf dem 
erd läßt (Warnung vor unnötigem Ver- 
rauch von Feuerung) Ang. Baldige Ver- 
0 ung steht bevor, wenn in einem Hause 
zuerst eine Schwalbe nistet, wenn 3 Rosen 
® Garten gleichzeitig an einem Stiel blü- 
eu (Ob.), wenn die Hausgrille zirpt (Sch. 
Schleswig-Holsteinisches Wörterbuch. 
1, 167. 225; das kann aber auch einen 
Todesfall bedeuten), wenn beim Ausblasen 
der Sarglichter der Rauch in eine Ecke zieht 
(Dtm.), wenn ein Mädchen unterm Spiegel 
sitzt, wenn die Pfannkuchen Blasen werfen 
(Dtm. Elbm. Kk.), wenn ein Mädchen das 
Stück einer Grützwurst zu essen bekommt, 
in das eine Pflaume gestopft ist (vgl. Bruut- 
wust). Bricht einem Mädchen beim Nähen 
eines Kleides die Nadel ab, so wird sie in 
diesem Kleide Braut. Eine heimliche Braut 
ist im Hause, wenn 2 Lampen in der Stube 
brennen oder unversehens 3 Lichter auf dem 
Tisch stehen. Die Köchin ist Braut, wenn 
sie das Essen anbrennen läßt. Die Braut 
wird Herr im Hause, wenn sie bei der 
Trauung ihren Fuß auf den des Bräutigams 
setzt oder den Daumen oben hält (Lbg.). 
Untreue des Bräutigams hat sie zu erwarten, 
wenn sie ihm Schuhe schenkt (dann läuft er 
ihr davon) oder wenn sie ihr Strumpfband, 
ihre Schürze, eine Haarnadel, den Ver 
lobungsring verliert. Glück für die Ehe be 
deutet es, wenn die Schneiderin beim Nähen 
des Brautkleides sich mit der Nadel sticht 
oder wenn es auf dem Wege in die Kirche 
der Braut in die Krone (s. Bruutkroon) 
regnet (schneit); Unglück dagegen, wenn die 
Braut selbst an ihrem Brautkleid näht, wenn 
der Wagen auf dem Weg zur Kirche still- 
halten muß, wenn eine der Brautjungfern 
verlobt ist. Wenn der Bräutigam seine Braut 
aus ihrem Dorf zum ersten Mal in seine 
Heimat führt, muß er auf den Wind achten; 
Mitwind bedeutet Glück, Gegenwind Un 
glück, da dann die Braut wiederkommen 
wird (Nordfr.). Durch mancherlei Orakel 
sucht das Mädchen über die Person, den Na 
men, den Stand, die Herkunft ihres Zu 
künftigen und über die Zeit ihrer Verlobung 
Aufschluß zu erhalten. Die Gestalt des 
Bräutigams sieht sie, wenn sie sich in der 
Neujahrsnacht auf den Herd setzt, aus der 
Offenbarung St. Johannis liest und dann 
in den Schornstein guckt (Stap.) oder wenn 
sie zur selben Zeit sich rückwärts in die 
Küchentür stellt und einen Liebessegen (s. 
Mhff. 2 652, 37) spricht (Hus.). Auch wenn 
man das am Weihnachts- oder Neujahrs 
abend gebrauchte Geschirr (Teller, Messer, 
Gabeln) um Mitternacht in einer Wasser 
kuhle rein spült, erscheint das Gesicht des 
Zukünftigen (Tondern); vgl. Urqu. 3, 141. 
Den Namen nach seinen Anfangsbuchstaben 
stellt sie durch Appelsmieten (s. S. 155) 
fest; den Stand durch Bleigießen in der 
Neujahrsnacht (s. Blie S. 385), durch Karten 
legen unter Aufzählung verschiedener Berufe 
(s. Eddelmann), durch Abzählen an den 
Knöpfen der Kleidung oder Abpflücken von 
18
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.