Full text: (Erster Band)

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Bruus — Bruut 
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auch Bruusch (brü§) u. Bruschen 
(brühn) Fehm. 3. altmodische Haube mit 
hoch aufgarniertem Tüllrand (der auch für 
sich allein Ti. heißt), Festtagskappe der 
Frauen, namentl. beim Kirchgang getragen. 
Storm. FL. Lbg. Wm. (abst.); in einigen 
Gegenden (Wm. FL.) auch Tom'ös (tomös) 
genannt. 4. ein früher in ganz Schlesw. 
(namentl. in Ang.) sehr beliebtes Karten 
spiel, das in Holst, nur in Dtm. Has. und 
vereinzelt in Mh. (Hadem. Hohen w.) ge 
spielt wurde. Von den 4 Spielern spielen die 
Gegenübersitzenden zusammen (Mackers); 
von den 36 (32) Karten bekommt zunächst 
jeder 3, die andern bilden den Barg und 
werden im Lauf des Spiels nach jedem Stich 
abgenommen. Höchste Karte ist der Kreuz 
bube (Klewerbuur), er heißt Spitz; es folgt 
Herzkönig (Hartenkönig), der Bruus oder 
Bruusbart genannt wird, und Pikacht, die 
„doll Hund“ heißt; dann folgen Neun, Aß 
usw. bis zur 6; die Reihenfolge der Farben 
ist (wie beim Skat): Klewer, Piek, Harten, 
Ruten. Die Sieben sind Freikarten; sie 
können nur von einer 7 höherer Farbe ge 
stochen werden, aber andere Karten nicht 
stechen; mit dem Ende des Barg hört die 
Freiheit der 7 auf. Gespielt wurde meist 
nur zur Unterhaltung, nicht um Geld; auf 
den Tisch wurde eine Leiter mit 8 Spros 
sen oder ein Kamm mit 8 Zinken gezeichnet, 
von denen die Gewinner eine nach der an 
dern wegwischen, oder den Verlierenden 
wurde mit Strichen nach und nach ein 
Katzenkopf auf den Tisch gezeichnet (Eid.). 
Wer, solange ein Barg da ist, den Bruus 
in der Hand hat, kann ihn ausspielen mit 
den Worten: Bruus waag! oder ik waag em; 
hat der Gegner den Spitz, so sticht er mit 
den Worten: Spitz slaag! oder ik slaag em; 
dann hat der Wagende de Brill bekommen, 
der Stechende darf 2 Striche löschen; ge 
lingt das Wagen, so wird 1 Strich gelöscht. 
In einigen Gegenden konnte auch mit Dull- 
hund gewagt werden. Die Partner, die 5 
Stiche haben, haben das Spiel gewonnen 
und löschen einen Strich; erreichen sie die 
5 Stiche, ehe die Gegner einen bekommen, 
so haben sie gejannt und dürfen 3 Striche 
löschen. Bei gleicher Stichzahl (4) ent 
steht ein Bock, der im nächsten Spiel mit 
zum Austrag gebracht wird. Das Spiel war 
namentl. auch bei Frauen beliebt; heute ist 
es ganz in Vergessenheit geraten; nur die 
Redensart: Bruus gewagt! wenn einer viel 
wagt, alles auf eine Karte setzt, erinnert 
noch an das Spiel, ist aber auch im Aus- 
sterben. Zsstzg. Bruus-bart m. ,,Brause 
oder Rauschebart“, der Herzkönig im Spiel 
Bruus (s. o.) von dem wallenden Bart auf 
der Karte. Auch „aufbrausender Mensch“ 
Dtm. FL. —• h a h n m. „Kampfhahn“, 
Paroncella pugnax. Hus. Dtm. Fehm. Auf 
Fehm. heißt eine im nördlichen Binnen 
gewässer belegene Insel Bruushahnöwer. 
„aufbrausender Mensch“ Kremp. Auch 
—hohn Dtm. (Groth 3, 346). — k o p p m. 
„aufbrausender Mensch“, „Dickkopf“. Auch 
für Lychnis vespertina. Dtm., vgl. Büxen 
bloom. 
bruuschen (brüsn) sw. v. Nebenform zu 
brusen (s. d.); daher de Sgg bruuseht „ist 
brünstig“ Dtm. Stroh bruuseht mghr as Heu 
„nimmt mehr Platz ein“, „dehnt sieh mehr 
aus“ Neum.; vgl. de Erdbern bruust bei 
brusen. 
Bruut (brüd) f. „Braut“; plur. Bruten, 
Brütens, seltener Brüd (bryy), Brüde (Sch. 
4, 388). se sünd Frier un B. stehende Be 
zeichn. für Brautleute. Wm. to B. sien 
„feierlich um ein Mädchen anhalten“ Eid. 
Dtm. 1800 (ausgest.). he hett sik’n B. 
updaan „sich verlobt“, de'n gode Fru hemm 
will, mutt sik vörmiddags in't Huus de 
B. utsöken. sök dien B. in Stall un nich 
op’n Ball Eut. de frien will, mutt de B. 
gr Schosteen roken sehn kgnen Pellw. se 
is so smuck as'n B. „hat sich sehr geputzt“. 
se sitt dor as'n B., de nüms halen will 
vom „Mauerblümchen“ Holst. 1800 (Sch. 1, 
166; vgl. Stillsitlersch, Hunnmamsell), jetzt 
meist von einem untätig, teilnahmlos da- 
sitzenden geputzten Mädchen, das sich in Ge 
sellschaft nicht zu bewegen weiß; auch wohl 
„launisch“ (Sdtm.), „traurig“ (Dtm.). as 
B. harr se nix as Spitzen un Litzen, as Fru 
hett se man Slitzen un Ritzen Eid. dat 
schient as B. bi Licht un Brögam bi Maan- 
schien (bi de Traanlamp) Ranz, he is so 
smuck, as wenn he na de B. will. Bruut- 
gahn und Vadderstahn is’n Ehr vor de Lüd 
un'n Schann för den Büdel Holst. 1840. 
he hett sik sülm to'n B. von Selbstlob (Koll 
mar). de B. seggt: raad mi good, awerst 
raad mi nich af. ik will di ins weller hel- 
pen, wenn du B. büst sagen Frauen nach 
geleistetem Freundschaftsdienst (weil Freun 
dinnen der Braut beim Anziehen des Hoch 
zeitskleides zu helfen pflegen). Martens B- 
kiekt in August to'n Finster rut Warnung 
im November (Martini) zu heiraten, weil 
dann die Frau in der hildesten Zeit (Ernte 
zeit) in anderen Umständen ist und untätig 
Zusehen muß. Bornhöv. de dat Glück hett, 
geil mit de B. to Belt Holst. 1840. langsam 
mit de B. to Bett! Mahnung bei jeder Arbeit, 
die bedächtig ausgeführt werden soll. Wenn 
es am Hochzeitstag regnet, sagt man scher 
zend: de B. lielt de Katt ni good fodert Kk. 
he liett'n B. in de Sivgp vom Bauernburschen,
	        
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