Theodor Kuhlgatz, Untersuchungen über die Fauna der Schwentinemündung.
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Ganz anderer Ansicht ist H. v. Heimburg ■), der das Vorkommen der Hydrobia baltica (Nilss.) im
Schlamm eines brackischen Grabens an dem Aussendeich des Jadebusens konstatirt. Am Strande selbst fand
er die Hydrobia stagnalis Baster, also unsere H. tdvae (Penn.) Indem er nun die Unterscheidungsmerkmale ihrer
Gehäuse, auf denen nach seiner Ansicht ihre Artberechtigung hauptsächlich beruht, lediglich auf den verschiedenen
Salzgehalt ihres Fundortes zurückführt, kommt er zu dem Schlüsse, dass die Trennung dieser beiden Schnecken
in zwei Arten nicht aufrecht erhalten werden könne. Er fährt dann fort: „Die eine Hydrobia scheint vielmehr
nur die Varietät der anderen zu sein, und wenn man dieselbe als Brackwasserschnecke ansieht, so müsste H. baltica
die Art bezeichnen müssen.“ Es ist dies eine sehr werthvolle Mittheilung, insofern sie den Einfluss beweist,
den ein grösserer oder geringerer Salzgehalt auf die Schalenbildung der Hydrobien ausiibt. Auf die von
H. v. Heim bürg geäusserte Ansicht werden wir später noch zurückkommen. Fr. Borcherding * 2 * ) berichtet
über eine durch E. v. Martens als H. stagnalis var. ulvae Penn, bestimmte Schnecke aus den vom Fluthwasser
der Elbe bewässerten Tümpeln bei Cuxhafen.
Dieselbe Schnecke erwähnt Fr. Dahl s ) in seinen Untersuchungen über die Thierwelt der Unterelbe.
Er fand sie ebenfalls in Tümpeln; ferner auch am Ufer, wo sie ausserordentlich zahlreich ist. Die Schnecke
wird von ihm unter dem Namen H. tdvae (Penn.) aufgeführt. Ichh atte Gelegenheit, sie mit meinen Exemplaren
zu vergleichen und finde sie ihnen in den wichtigsten Punkten gleich, laf. I, hig. 2.
Nach Abschluss dieser Untersuchungen ist im Jahre 1897 noch eine Arbeit von Teilmann-Fries 4 )
erschienen, in der drei Hydrobia-Arten in Bezug auf Gehäuse und Mittelplatte der Radula kurz beschrieben
werden: H. minuta Totten, H. ulvae (Penn.) und H. ventrosa (Mont.)
H. minuta unterscheidet sich nach Teilmann-Fries von H. tdvae und H. ventrosa schon durch die
Mittelplatte der Radula, die über den basalen Bogenausschnitten anstatt je eines Zahnes deren zwei trägt.
Das über H. ulvae Gesagte stimmt im wesentlichen mit meiner Beschreibung dieser Art überein: Flache
oder leicht konvexe Windungen; Mittelplatte der Radula mit 2 3 Zähnen jederseits vom Mittelzahn; und
endlich die Angabe, dass H. tdvae mehr Salzgehalt verträgt als ventrosa.
H. ventrosa wird von Teilmann- Fries genau ebenso charakterisirt, wie von mir: An der Mittel
platte 4—5 seitliche Zähne und jederseits 1 Basalzahn; alle Zähne laut Abbildung relativ länger als bei den
anderen Arten; allmähliche gradweise Abnahme der Windungen mit scharfer Spitze, aber stark konvexe
Windungen und tiefe Nähte. H. ventrosa soll in Wasser Vorkommen können, das monatelang süss ist.
B. Ueber die Veränderlichkeit bestimmter Eigenschaften von Hydrobia, ulvae (Penn.),
H. baltica (Nilss.) und H. ventrosa (Mont.)
Es wurden in dem Vorhergehenden eine Reihe von Merkmalen als zu variabel, weil zu sehr örtlichen
Einflüssen unterworfen, anderen unveränderlichen gegenüber in zweite Linie gestellt. Die Richtigkeit dieses
Verfahrens soll im Folgenden gezeigt werden.
Betrachten wir von H. ulvae (Penn.) die ausgewachsenen Exemplare aus der Schwentine, dem Pötnitzer
Wyk, von der Herrenfähre, aus der Bornteicher Bucht — letztere drei Pundorte im Gebiete der Untertrave —
und aus dem Kieler Hafen, so finden wir bei denen aus der Schwentine einen Breitendurchmesser von 2 mm,
bei denen vom Pötnitzer Wyk theils denselben Durchmesser, theils einen solchen von 1,5 mm. Die von der
Herrenfähre messen 2 mm in der Breite und die aus der Bornteicher Bucht theils ebensoviel, theils nur 1,5 mm.
Die Schnecken des Kieler Hafens endlich zeigen stets einen Breitendurchmesser von 2 mm.
Man sollte nun denken, dass man bei gleichem Breitendurchmesser auch stets eine gleiche Länge der
Gehäuse voraussetzen könnte. Für Exemplare desselben Fundortes trifft das auch zu.
Die ausgewachsenen Gehäuse aus der Schwentine zeigen bei 2 mm Breite stets eine Länge von 5 mm,
die vom Pötnitzer Wyk messen in der Länge stets 5 mm, sobald sie 2 mm Breitendurchmesser haben. Bei der
Herrenfähre findet man 4 mm Länge bei 2 mm Breite; 4,5 nrm lang sind die Schnecken aus der Bornteicher
Bucht, sobald sie 2 mm Breite messen, und die des Kieler Hafens zeigen unter der gleichen Voraussetzung
stets eine Länge von 4 mm.
') H. v. Heimburg: Zur Molluscenfauna von Oldenburg. In: Nachrbl. deutsch, malak. Ges.; Jahrg- 10; 1878; p. 4 6.
2 ) Nachrbl. deutsch, malak. Ges.; Jahrg. 12; p. 1—25.
8 ) Fr. Dahl: Untersuchungen über die Thierwelt der Unterelbe. 6. Ber. Komm, deutsch. Meere für 1887—1891; p. 151 ff
4 ) Apotheker Teilmann-Fries: Smaa Bidrag til Artbestemmelseme indenfor Slaegteme Littorina og Hydrobia. Srertryk
af Vidensk. Meddel. fra den naturh. Foren i Kbhvn. 1897. p. 211—215.

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