Full text: Ein Beitrag zur Lehre von der hypertrofischen Leberkirrhose

Im Jahre 1857 trat Todd gegen Laennec, der zuerst die 
Leberkirrhose als ein besonderes Krankheitsbild gegen andere 
Lebererkrankungen abgrenzte und das Hauptcharakteristikum dieser 
Affection in einer Volumsabnahme des Organs erblickte, mit der 
Ansicht hervor, dass nicht alle hierher gehörigen Krankheitsbilder 
in ein einheitliches Schema zu bringen wären. Man müsste nach 
seiner Ansicht streng zwischen einer atrofischen und hypertrofischen 
Kirrhose der Leber unterscheiden. Als die hervorstechendsten 
Züge im Symptomenbild der hypertrofischen Kirrhose schilderte 
er neben der mächtigen Lebervergrösserung einen fast stets sich 
entwickelnden, intensiven Ikterus und das Fehlen oder geringe 
Vorhandensein von Stauungen im Gebiete der Pfortader. Diese 
Hauptcharakteristica der Erkrankung sind von fast allen Autoren 
bis auf den heutigen Tag anerkannt geblieben. 
Während Todd auf Grund klinischer Beobachtungen zu 
diesem Resultat kam, versuchten einige Jahre später Charcot 
und Luys auch auf pathologisch-anatomischem Wege eine Diffe- 
renzirung der hypertrofischen von der gewöhnlichen Kirrhose 
anzubahnen, ohne indess die Frage erheblich zu fördern. Eine 
längere Zeit hindurch ruhten dann die Untersuchungen, bis um 
die Mitte der siebenziger Jahre in Frankreich die noch offene 
Frage wieder in den Vordergrund der medicinischen Diskussion 
trat. Hier fand dieselbe durch die Arbeiten von Charcot, Gom- 
bault, Hayem, Cornil und besonders Hanot einen erheblichen 
Fortschritt. Diese Forscher verlegten den Schwerpunkt bei der 
Unterscheidung dieser beiden Krankheitsformen auf die Patho 
genese: Der Umstand, dass sie bei der hypertrofischen Kirrhose 
namentlich eine besonders grosse Menge neugebildeter Gallen 
kanälchen zu sehen glaubten, führte sie zu der Annahme, dass
	        

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