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"Erkenntnisquellen für die filmischen Gesetze." (III) Koch
sieht "die abstrakte Behandlung von filmkünsterlischen Fra
gen" als wichtig sowohl für das Filmschaffen an als auch für
den Genuß eines Filmkunstwerks:
"Ein wenig theoretische Überlegung und die Erkenntnis,
daß eine dramatische Handlung eben etwas anderes ist als
eine epische oder als eine Filmhandlung, können die Pro
duktion vor Zeit- und GeldVergeudung und das Publikum
vor schlechten Filmen bewahren. Neben der Dramaturgie,
deren Forschungsergebnisse mit Vorsicht für die Ent
wicklung filmischer Gesetze angewandt werden dürfen,
wäre die wichtigste Erkenntnisquelle allerdings eine
Filmpoetik. Doch leider gibt es diese Disziplin noch
nicht. Dem Film fehlt eben in Werk und Lehre die Tradi
tion. Wie es ihm an der Überlieferung großer Werke ge
bricht, so mangeln ihm auch die theoretische Bewährung
des Geleisteten und die theoretische Benennung des zu
Leistenden. Es gibt eben, kurz gesagt, keine systema
tische Film-Literaturwissenschaft oder Filmwissenschaft
im Sinne einer Literaturwissenschaft. Es gibt weder eine
Film-Literaturgeschichte, die vor allem eine Geschichte
des Filmbuchs (des Filmdrehbuchs) zu sein hätte, noch
eine Filmpoetik. Was wir an Filmdramaturgien und sin
Einzeluntersuchungen besitzen, fußt, wie der Name schon
sagt, auf der Bühnendramaturgie und ist daher weder
methodisch noch kritisch unabhängig. Wird es erst einmal
eine exakte Filmwissenschaft geben, so wird niemand mehr
verstehen können, daß man einmal ohne die theoretische
Vorarbeit dieser Disziplin gearbeitet hat. Es hat sich
noch immer gelohnt, nach einem Plan zu wirken. Der
Architekt baut ja sein Haus auch nicht nach Augenmaß.
Niemals ist wahres künstlerisches Schöpfertum durch
Planen und Bedenken gehemmt worden."'!
1 Koch/Braune, Von deutscher Filmkunst, o. S. (III)

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