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Am differenziertesten gehen Koch/Braune das Problem an.
Sie bezweifeln zwar das Recht einer Filmdramaturgie, stellen
aber nicht die überkommene Ästhetik überhaupt in Frage.
"Zur Erschließung der Gesetze des Films besitzen wir
noch die allgemeine Ästhetik und die Poetik. Vor allem
das innerhalb der Poetik am besten durchdachte System der
Dramaturgie wird immer wieder gern - und nicht zuletzt
von den Filmgestaltern selbst - zur Begründung vorge
faßter Meinungen oder zur Behauptung eigener Arbeiten
herangezogen.
Problematisch wird es Koch erst beim Begriff "Dramaturgie",
weil er den Film für eine epische Kunstform hält, die daher
nicht mehr den Gesetzen der Theaterdramaturgie gehorche.
"Dabei hält man sich leider nicht vor Augen, daß die
Dramaturgie wohl für das Drama, nicht aber für das
Epos und somit auch nicht für die Filmkunst Gültigkeit
haben kann. Gewiß kann die Dramaturgie, solange es an
brauchbaren filmpoetischen Begriffen fehlt, einstweilen
die Vokabeln liefern, mit denen man sich theoretisch
über den Film verständigt. Das ist aber nur statthaft,
wenn man beachtet, daß dramaturgische Begriffe, wie etwa
Exposition, Konflikt, erregendes und retardierendes
Moment, bei ihrer Verwendung in der Filmästhetik einen
anderen Inhalt haben, der sich einmal ausnahmsweise mit
dem dramaturgischen decken kann, 2 der aber nicht notwen
dig mit ihm kongruent sein muß."
Aus dem gleichen Grund lehnt Koch die Frage nach den
"dramaturgischen Gesetzen“ für eine nichtdramatische Kunst ab.
Das impliziert aber nicht die Ablehnung einer Filmdramaturgie
überhaupt. Er gesteht ihr im Gegenteil sogar produktive Ein
wirkung auf die Kunst zu:
"Die Geschichte der deutschen Poetik hat jedoch bewiesen,
daß auch die ästhetische Forschung die Schritte der Dich
tung zu beflügeln vermag." (III)
Neben der Erfahrung, die er gerade "bei einer so jungen
und traditionslosen Kunst wie es die Filmkunst ist" (III),
nicht unterschätzen möchte, ist sie für ihn eine unter anderen
1 Koch/Braune, Von deutscher Filmkunst, o.S. (Kap. III)
2 Ders., ebd.
3 Heinrich Koch, Die Kogge, 19^.

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