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talisiert ■werden kann, da ihm als einzige Probleme die Be
achtung der klassisch gewordenen ßegelpoetik als Bedingung
für die Möglichkeit von Wirkung aufgegeben sind. Ein ur
sprünglich lebensnah und theoriefeindlich intendierter Pragma
tismus gerät hier in die Innerlichkeit. Die Kräfte, die den
Film vorantreiben könnten, sieht er nicht in theoretischer
Analyse und Diskussion. Die auf Lebensnahe intendierte Theo
riefeindlichkeit erweist sich als Bumerangeffekt: Der Rück
zug in die Innerlichkeit in Formfragen war die Folge dieser
Eins chränkung.
Für Goebbels stellt sich die Frage, ob die Wortzusammen-
stellung *'Film-Dramaturgie" problematisch ist, anscheinend
nicht, da er glaubt, "daß die seit jeher gültigen Gesetze
für die Kunst im allgemeinen" "auch auf die Gesetzte der
Filmkunst" angewendet werden müßten. D ie Forderung nach
einer Theorie erweist sich bei ihm gemäß des im Eingang die
ses Kapitels dargestellten Theorie-Praxis-Verhältnisses als
Funktion der praktischen politischen Wirksamkeit. Er sagt,
"daß in bestimmten Entwicklungsphasen eines geschicht
lichen oder eines geistigen oder eines seelischen Pro
zesses eine gute Theorie manchmal die praktischste
Sache von der Welt ist, indem man von der aufgestell
ten Theorie dann die Gesetze ablesen kann, nach denen
sich die Kunst zu vollziehen hat und gegen die die Kunst
sich versündigte. Es kann beispielsweise von einem Li
teraturkenner nicht bezweifelt werden, daß Leasings
’Hamburgische Dramaturgie', die ja eine reine Theorie
des Theaters aufstellte, trotzdem von einem fundamen
talen und gar nicht auszudenkenden Einfluß auf die
weitere Entwicklung nicht nur des deutschen, sondern
des allgemeinen Welt-Theaters geworden ist. Die Vor
machtstellung unseres deutschen Theaters auf dem Gebiet
der Theaterkunst in der ganzen Welt ist eigentlich nur
auf diese kritischen Gedankengänge des großen Hamburger
Denkers zurückzuführen, der in einer gewissen Schwä
cheperiode der theaterpolitischen Entwicklung in Deutsch
land den Mut aufbrachte, an dem damaligen Spielplan im
einzelnen die Gesetze abzulesen, die einerseits die
Grundlage des künftigen Theaterschaffens abgeben mußten,
und die andererseits die Sünden der gegenwärtigen
1 J. Goebbels, Rede, in: JbRFK 57, S. 61

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