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habe, wäre m. E. hier die Rückführung auf derartige Konstan
ten einsichtiger gewesen al6 die Behauptung, das dramatur
gische Regelsystem sei ein mathematisches, das keinen Bezug
zum Leben habe. Die durchaus wichtige Erkenntnis, hier eine
eigene Struktur vor sich zu haben, wird leider nicht weiter
begründet. Ebenfalls fehlt der Hinweis, inwiefern diese ab
strakte "mathematische" Form auf menschliches Leben wirken
könne, wenn es nicht bestimmte Vorverbundenheiten gibt, die
eine Resonanz im Publikum überhaupt erst ermöglicht.
Genauso vage bleibt Liebeneiners Ausführung über das Ver
hältnis von Wirklichkeit und Dramaturgie.
"Wer nicht die dramaturgischen Gesetze beherrscht,kann
kein Theaterstück schreiben, selbst wenn er ein gebore
ner Dichter ist. Es gibt kein Theaterstück ohne drama
turgischen Aufbau. Zumindestens keines von bleibendem
Wert. Wenn auch viele den Wunsch empfinden, weg von
der künstlichen Konstruktion zum Abbild der Wirklich
keit zu gelangen, so sei ihnen gesagt, daß sie damit
ebenso wie die Wirklichkeit nur Vergängliches schaffen
werden. Es hat zwar nur wenige Generationen gegeben,
die nach dramaturgischen Regeln Theaterstücke geschrie
ben haben, aber ihre Werke haben alle Jahrhunderte
überdauert. In der Zwischenzeit, wie im Mittelalter,
gab es nur epische Spiele, die ohne bleibenden Wert wa
ren. Zuletzt hat der Expressionismus versucht, die Re
geln einzureißen und die dramatische Form aufzulösen.
Unsere neue Kunst aber wendet sich jetzt wieder auf
allen Gebieten den ewig gültigen Regeln zu^und damit
dem Interesse des ganzen Volkes."
Dramaturgische "Faustregeln" sollten als "Gesetzmäßigkei
ten" (7) erkannt und es sollte endlich begriffen werden,
"daß die Dramaturgie das Rückgrat des Theater ist." (8) Dieses
Postulat gilt nach Liebeneiner auch für den Film:
"Denn die dramaturgischen Grundgesetze sind für alle
zeitlich, verlaufenden Kunstwerke die gleichen. 11 (14)
Den bleibenden Wert des Buchs von Müller, zu dem Lieben
einer das erste Kapitel schrieb, sieht er für die Entwicklung
des Films vor allem darin,
1 Bereits Lessing, auf den man sich sonst so gern beruft,ist
in seiner "Hamburgischen Dramaturgie" dieses Problem im 70.
Stück angegangen.
2 Kennzeichnend ist hier der vorherrschende Gedanke von der*
Kunst,worauf auch Goebbels stets hinweist.*Ewigkeit der

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