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Die meisten Bücher, die das Wort "Dramaturgie" im Titel tra
gen, sind in diesem Sinne praktische Anleitungen, um wir
kungsvolle Stücke zu schreiben. Derartige Arbeiten, die die
dramaturgischen Regeln für den Film bereitstellen und sie
von der Theater-Dramaturgie übernehmen (z. B. das Buch von
Abel), und die mit dem Ziel geschrieben sind, einen Dilettan
ten zum Drehbuchschreiber heranzubilden, hat es in großer
Zahl - vor allem für Amateurfilmer - gegeben. Mit der still
schweigenden Voraussetzung, daß der Film eine dramatische
Kunst sei, übertragen sie die gleichen Regeln der Theater-
Dramaturgie für den Film.Sie bezweifeln weder die Notwendig
keit einer Dramaturgie für den Film noch die einer Dramatur
gie überhaupt. Gegen sie wäre etwa das gleiche vorzubringen,
was eine Untersuchung zur Theater-Dramaturgie des Dritten
Reichs leisten müßte. Sie können daher im folgenden für die
Untersuchung unberücksichtigt bleiben.
Das zuerst genannte Verständnis von Filmdramaturgie haben
vor allem Hippier und Liebeneiner vertreten. Liebeneiner, der
Regisseur und Leiter der filmkünstlerischen Fakultät der da
maligen Deutschen Filmakademie schreibt: "Dramaturgie heißt
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nichts anderes als die Kunst des Handlungsaufbaues." Für ihn
sollen die dramaturgischen Gesetze "die selbstverständliche
?
Basis jedes dramatischen Werkes sein." Sie gelten ihm als
unabänderlich. Wie er sich die Gesetze entstanden denkt,
bleibt unklar. Einmal schreibt er, die gegenwärtigen drama
turgischen Regeln seien "empirisch aus der praktischen Erfah
rung" abgeleitet, d. h. gestützt "auf die Theorien und Re
zepte erfolgreicher Theaterdichter, wie Lessing,Gustav Frey-
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tag, Diderot und Dumas", also einem relativ spaten Stadium
in der Geschichte der dramatischen Literatur; dann sieht er
in ihnen alle Grundsätze, die bloß "noch niemals so ausgespro
chen wurden, obwohl sie seit Tausenden von Jahren die Vor-
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aussetzung jeder Bühnenwirksamkeit sind." - Er fragt nicht
1 W. Liebeneiner, Spielleiter und Dichter, in: G. Müller,
Dramaturgie, S. 19*
2 Ders., ebd., S. 3«
3 Ders., ebd., S. 7«
4 Ders., ebd.

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