III. Der Gebrauch dea Begriffs
Der Begriff "Dramaturgie" wird in der Literaturwissen
schaft - und von dort aus übertragen auf die Filmtheorie -in
grundsätzlich zweifachem Verständnis gebraucht. Die meisten
Autoren begreifen sie als ein Systen von Segeln, das eine
praktische Anleitung für Autoren und Regisseure gibt, um
ihren Stücken zu optimaler Wirkung zu verhelfen. In diesem
Sinn wird sie von Goebbels, Hippler, Liebeneiner, Müller u.a.
verwendet. Die Segeln werden dabei als allgemein gültig und
ewig dauernd angesehen. Woher die Wirkung resultiert und von
welchen Faktoren die Konstanz dieser Wirkung abhängt, wird
nicht analysiert. Im Verständnis Lessings als Wissenschaft
von der Kunst des Dramas, die aus der Erkenntnis der dem Drama
eigenen Struktur die Gestaltungsmittel im Hinblick auf prak
tische Wirksamkeit ableitet, wird Dramaturgie - unausgespro
chen - von denen verwendet, die das "Wesen" des Film zu er
gründen suchen. In die Darstellung von diesem Verständnis
von Filmdramaturgie verarbeite ich daher auch alle Äußerungen,
die der Frage nach den Bedingungen der Entstehung des Films
nachgehen, seine Stellung im gegenwärtigen Kulturleben unter
suchen, sich um die Erklärung seiner Wirkung bemühen, das Pro
blem seiner Kunstfähigkeit erörtern, den Film zu anderen Kunst
arten abgrenzen, seine Eigengesetzlichkeit und ihn konstitu
ierenden Gestaltungsmittel herausarbeiten sowie das Filmische
zu bestimmen versuchen. Diese Auslegung von "Dramaturgie"
gilt den erstgenannten Autoren wenig, da der von Lessing in
diesem Verständnis in die Literaturwissenschaft eingeführte
Begriff elementar mit einer kritischen, und aus der Perspektive
der NS-Ideologie zunächst einmal praxisfeindlichen, ja "zer
setzenden", nämlich analytischen Tätigkeit verbunden war:
"Lessing und Goethe verstanden unter einem Dramaturgen
nur einen Theaterkritiker, und alle Bücher, die den
hochtrabenden Titel 'Dramaturgie' tragen, bestehen mei
stens nur aus Kritiken und Essays. Erst Schiller [mit
seinem 'Entwurf einer Mannheimer Dramaturgie'] wies den
Dramaturgen auch eine praktische und schöpferische Tä- ..
tigkeit zu, nämlich Stücke für die Bühne einzurichten."
1 G. Müller, Dramaturgie, S. 131.

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