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"Eine Dramaturgie des Films zu schreiben - wenn man
das Wort Dramaturgie als allgemeinverständlich aus
einem anderen Kunstbereich entlehnen darf - ist
noch nicht möglich zu einer Zeit, die dem FiJ^m jeden
Tag neue ungeahnte Gebiete erschließen kann.'
Abgesehen von der schon des öfteren den NS-Filmtheoreti-
kern zugesprochenen Eigenschaft, von einem gegenwärtigen
Stand der Filmentwicklung auf eine höher entwickelte spätere
Stufe zu schließen, wird von Fischer hier die Wortzusammen
setzung "Film-Dramaturgie" in Frage gestellt. Der Vorbehalt,
einem traditionsgeladenen Begriff aus der Theater- und Lite
raturwissenschaft einer anderen Kunstart zuzuordnen, die
zwar vieles mit dem Theater gemein hat und sich anfangs auch
sehr von ihm hat beeinflussen lassen, die sich aber bereits
vor der Epoche, die hier behandelt wird, weitgehend von die
sem Einfluß gelöst und zu eigener Form gefunden hat, ist
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auch bei anderen Autoren zu finden und weist immerhin auf
ein Problembewußtsein hin, das es dem historischen Betrachter
nicht so leicht macht, all die bisher von konservativer Seite
dem Nationalsozialismus gegenüber erhobenen Vorwürfe (wie Be
griff sunschärfe, Methodenfeindlichkeit und wissenschaftlicher
Regreß) eilfertig zu wiederholen und Ideologieverdacht anzu-
melden.
1 N. Fischer, Betrachtung zum Filmschaffen, S. 406; Nat.soz.
Monatshefte, 13- Jg. 1945, S. 406.
2 Dieser Hinweis findet sich auch bei F. Hippier, Betrachtun
gen zum Filmschaffen, S. 144; Koch/Braune, Von deutscher
Filmkunst, (o. S.).
3 Daß nach der sogenannten Tonfilmwende ein oft bemerkter
künstlerischer Rückschritt stattgefunden hat, weil man sich
nicht mehr auf die Ausdrucksmöglichkeiten der Stummfilmära
verließ, sondern wieder, wie schon in den ersten Jahren der
Filmkunst, verfilmtes Theater brachte, kann nicht als "denk
geschichtlicher Regreß" im Sinne des von mir verwandten
Ideologiebegriffs bewertet werden, weil der Film mit dem
Ton eine neue Ausdrucksqualität hinzugewonnen hatte, die
ihn nun doch dem Theater und der dramatischen Literatur in
seinen Möglichkeiten näherrückte. Es konnte im Gegenteil
eher das von den Stummfilm-Puristen vertretene Beharren am
Ausdrucksvermögen des Stummfilms zur Ideologie führen.

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