Full text: Untersuchungen zur Filmdramaturgie des Dritten Reiches

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Buch "Von deutscher Filmkunst" erklärt, es sei ein "Versuch, 
die ästhetischen Grundbegriffe deutscher (!) Filmkunst dafc- 
zustellen", so hat man dies nicht eilfertig als eine durch 
Chauvinismus verengte Perspektive abzutun, sondern zunächst 
erst einmal - gemäß der erklärten Standortgebundenheit der 
NS-Ideologie - methodisch als Ausweis der eigenen Position 
aufzufassen, unter deren Vorbehalt dann eine Wertung erst 
einsetzen kann. Oer mögliche Anspruch, allgemein die Gesetze 
der Filmkunst aufstellen zu wollen, wäre unter seinen Bedin- 
2 
gungen sogar Anmaßung gewesen; Ideologie ist es insofern, als 
"deutsch" hier synonym steht für "nationalsozialistisch" und 
inhaltlich von der rassistisch-imperialistischen KS-Ideolo- 
gie bestimmt ist. 
1 Inwieweit nun der Begriff "deutsch" in der Beziehung mit 
"Kunst" eine von der NS-Ideologie her determinierte inhalt 
liche Umdeutung erfuhr und damit zugleich auch die Auffas 
sung von Kunst spezifiziert wurde, ist eine Frage, die im 
Kap. E.II und III. behandelt wird. 
2 Das stereotype Aussehen der deutschen Filme aus jener Zeit 
mag wohl auch mit dieser Isolation Zusammenhängen und kann 
nicht allein auf die Einflußnahme durch das RMVAP auf die 
Filmgestaltung zurückgeführt werden. Die Freiheit der Pro 
duktion nach 194-5 war ja nicht die einzige Bedingung für 
die Herstellung qualitativ besserer Filme. Heben anderen 
Voraussetzungen (.vgl. Kap. B. I. a) mußte auch erst ein 
mal der Nachholbedarf an Filmen, die in der Zwischenzeit 
im Ausland produziert waren, bewältigt werden. Dazu gehörte 
u. a. auch, daß man sich der verschiedenen Filmgenres be 
wußt wurde und sie als künstlerische Form emstnahm. Die 
in Deutschland, vor allem auch in den 50er Jahren, herr 
schende Vorliebe für sog. Problemfilme ließ allerdings auf die 
Anerkennung der künstlerischen Eigenständigkeit anderer 
Genres, wie Western, Horror-, Seience-fiction T , Gangster-, 
Musicalfilme u. a. bis in den Anfang der 60er Jahre war-«, 
ten. Während die deutschen Filme z. Zt. des Dritten Reichs 
trotz ihrer verschiedenen thematischen Zugehörigkeit ein 
einheitliches Bild zeigen, findet man im gleichzeitigen 
amerikanischen Film zwar eine zum Verwechseln ähnliche To- 
pik bei Werken innerhalb einer Gattung, die Genres unter 
einander allerdings sind so unterschiedlich, daß sich im 
ganzen ein vielfältiges Bild bietet. - Die Entwicklung des 
deutschen Films unter der HS—Herrschaft kann also mit ge 
wissen Einschränkungen - Restriktionen durch die Zensur etc.- 
als These dagegen gelten,eine Kunst entwickle sich aus 
ihrer eigenen inneren Struktur heraus, ohne in Wechsel 
beziehung mit "äußeren" Faktoren zu stehen, von denen sie 
mehr oder minder bestimmt wird.
	        

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