Full text: Untersuchungen zur Filmdramaturgie des Dritten Reiches

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"Uns ist in Lessing einmal das große Theatergenie ge 
schenkt worden, das die deutsche Theaterkunst zum Vor 
bild für die ganze Welt erhob. Ich habe die felsenfeste 
Überzeugung, daß irgendwo und irgendwann in Deutsch 
land einmal der Mann aufstehen wird, der nun auch dem 
Film sein ehernes und unabänderliches Gesetz verleihen 
wird und daß diese Gesetze auch wieder das Vorbild für 
eine Jahrhundertelange Entwicklung in der ganzen Welt 
bedeuten werden. 1 " 
Begrenzt wird diese vom Liberalismus ausgeformte Ideolo 
gie der eigenständigen Persönlichkeit aber durch den Abso 
lutheitsanspruch, den die NS-Ideologie auf sie geltend macht. - 
Der des öfteren bei den Autoren zu findende Hinweis, sich 
anfänglich ein Begriffsvokabular aus der Literaturwissen 
schaft auszuborgen, um der neuen Kunstart eine ers^te Orien 
tierung zu geben und ihr künstlerisch aufzuhelfen, setzt den 
Glauben an eine Entwicklung dieser Kunstart voraus, ist aber 
nicht in der vor allem seit Herder verbreiteten organischen 
Analogievorstellung begründet, sondern kann ebenso aus der 
Einsicht in den Fortschritt der Technik begründet sein. Das 
zeigt sich auch in der Meinung, die Übernahme einer bereits 
klassischen Ästhetik sei nur förderlich und verkürze die 
Reifezeit. - Die Rezeption der Ästhetik eines anderen Mediums 
unter diesem Vorbehalt wäre Absicherung gegen Dogmatik genug.- 
Wenn die Texte an den ihnen möglichen Einsichten in den ak 
tuellen Stand der Filmentwicklung zu messen sind, dann muß 
man auch die Schwierigkeiten berücksichtigen, die den damali 
gen deutschen Autoren bei der Erarbeitung einer Filmdramatur 
gie dadurch entstanden, daß sie nur beschränkten Einblick in 
die Entwicklung dieses Mediums hatten, weil ihnen der Ein 
blick in die zeitgenössischen Produktionen des Auslands weit 
gehend verwehrt war.^ Insofern darf der (aus der Perspektive 
der NS-Ideologie durchaus verständliche) Hinweis auf bewußt 
"deutsche Filmkunst" nicht primär affektiv wertend als Zei 
chen eines übertriebenen Nationalismus übergangen werden, 
sondern muß zunächst erst einmal als Ausweis der eigenen Po 
sition betrachtet werden. Wenn Koch also im Vorwort zu seinem 1 2 3 
1 J. Goebbels, Rede, in: JbRFK 37, S. 84, 
2 Vgl. S. 
3 Vgl. Anm. 2, S. 68.
	        

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