Full text: Untersuchungen zur Filmdramaturgie des Dritten Reiches

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C. DAS SELBSTVERSTÄNDNIS VON FILMDRAMATURGIE IM DRITTEN REICH 
I. Filmdramaturgie im Rahmen des Theorie-Praxls-Verhältnissea 
der NS-Ideologie 
Die Überlegungen zur Filmdramaturgie sind in dem größeren 
Rahmen des der NS-Ideologie eigenen Theorie-Praxis-Verhält- 
nisses zu sehen, in dem alle Bereiche sozialer Interaktion 
auf ihre Möglichkeit hin untersucht wurden, inwieweit sie zur 
Verwirklichung des politischen Programms der NSDAP, in Ge 
brauch genommen werden konnten. Diese von Goebbels mit der Be 
zeichnung "politisch" getarnte Ausrichtung auf die Ziele der 
Partei meint weder eine gegenseitige Wechselwirkung gesell 
schaftlich-politischer und kultureller Bereiche, noch die 
Möglichkeit zur eigenen politischen Willensbildung und Ent 
scheidungsfreiheit, was ja verschiedene Informationsangebote 
als Bedingung für die Möglichkeit von alternativer Meinungs 
bildung voraussetzen müßte, sondern bedeutet lediglich, daß 
"die Politik vor allen anderen Funktionen unseres Volkslebens 
2 
den Primat für sich beanspruchen mußte." Das heißt aber, daß 
den von ihr abhängigen Gebieten keine Autonomie zugestanden 
wurde und es keine Möglichkeiten gab, in Teilbereichen der 
Forschung über den immer schon von der NS-Zielvorstellung de 
terminierten Rahmen hinaus zu gelangen. 
Es ist nun - wie es auch Goebbels selbst sagte - ein im 
ganzen gesehen neuer Vorgang nicht nur in der deutschen Poli- 
3 
tik und Gesellschaft, sondern in der Geschichte moderner 
Staatswesen überhaupt, alle Bereiche des menschlichen Lebens 
zur herrschenden Politik offiziell in Beziehung zu setzen und 
1 J. Goebbels, Jugend und Film, Rede, in: ders. , Die Zeit 
ohne Beispiel, S. 213-217. - Vgl. auch Kap. 
2 Ders., Plädoyer für die deutsche Kulturpolitik, Rede, in: 
Die Zeit ohne Beispiel, S. 119. 
3 H. Brenner, Kunstpolitik, S. 273.
	        

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