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Knietzsch beschreibt dann die erfolglosen "Bemühungen der
Nazis um künstlerisch wertvolle Filme" und vermerkt, daß die
“wenigen realistischen Tendenzen, die sich schüchtern in der
ersten Tonfilmperiode gezeigt hatten, [..-] mit einem Schla
ge zunichte gemacht" worden seien. Als wenige Ausnahmen,
"die sich durch eine saubere, wenn auch bürgerliche Gesin
nung auszeichnen", nennt er den satirischen "Maulkorb" und
einige "recht gelungene Literaturverfilmungen" wie "Der zer-
brochene Krug" und "Der Postmeister".
1 Von nicht deutschsprachigen Quellen aus den Ländern des
Warschauer Pakts habe ich die in Ungarn befindliche Lite
ratur über den deutschen Film z. Zt. des Dritten Eeichs
eingesehen. Es handelt sich im wesentlichen um die Arbei
ten von B. Egey Kl&ra. A Nfemet film tört&nete und Thurzb
G&bor, A klasszikus Nemet film. - Der Aspekt der Darstel
lung gleicht dem von Knietzsch. Man vermißt den Grad dar
Differenzierung im Urteil über NS- und latent faschisti
sche Filme, wie ihn Kracauer vorbildhaft erarbeitet hat.
Das zeigt 3ich z. B., wenn der Meinung, "Metropolis" sei
ein "präfaschistischer Film", mit dem Argument entgegen
getreten wird, hier hätten sich doch am Ende "Herz und
Hand" gefunden. Lediglich Th. v. Harbou habe als spätere
Nationalsozialistin von Anfang an schlechten Einfluß auf
F. Lang gehabt. -
Neben den bekannten Fakten über die Bedeutung des deutschen
Stumm- und frühen Tonfilms wird betont, daß die Ufa in
ihren Produktionen schon seit 19^9 durch den engen Zusam
menschluß von Staat, Banken und Schwerindustrie beeinflußt
worden sei. Das Genre der historischen Stummfilme und die
Art, wie sich in ihnen Geschichte zeigt, wird als Kompen
sation für die Niederlage im I. Weltkrieg angesehen. Be
reits in den Stummfilmen jener Zeit, in denen häufig anti-
britische und -französische Tendenzen bemerkt werden, habe
sich ein "AntiHumanismus und Irrationalismus der Intellek
tuellen" gezeigt. - Kl&ra weist darauf hin, daß Hitler
ebenso wie Lenin den Film für die wichtigste Kirnst gehal
ten habe. - In "Morgenrot" sieht man zum ersten Mal im Film
eine Auffassung gestaltet, die jener der NS-Zeit entspricht. J |
Erwähnt werden ferner "Der Schimmelreiter", in dem schon
die Figur des Führers erscheine, Hiefenstahls "Olympia-
Filme" und "Triumph des Willens", "Ohm Krüger" und "Jud N
Süß", sowie Liebeneiner Euthanasie-Hechtfertigung "Ich
klage an". Als der beste NS-Regisseur gilt Carl Ritter.
Von den Propagandafilmen nennt Egey "Feuertaufe", "U-Boote
westwärts" und Hippiers Montagefilm "Der ewige Jude". Am
Ende habe eine leichte "Frühlingsperiode" eingesetzt, in
welcher mit dem "Münchhausen"-Film (19^» Drehbuch E,Käst
ner) die Parole "nichts ist unmöglich" persifliert worden
sei.

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