Full text: Untersuchungen zur Filmdramaturgie des Dritten Reiches

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Deutschland "sozialistischen, revolutionären Ideen zwar nicht 
ganz ablehnend gegenüber [standen] aber es fehlte ihnen 
an der inneren Kraft, an Mut zum Schritt von der platoni 
schen Liebe zur Entscheidung, zur Tat" (17^)• Gerade die 
frühen Filme Pabsts hätten zwar die bourgeoise Heldenpropa 
ganda entlarvt und den Krieg in seiner Grausamkeit und Häß 
lichkeit gezeigt, aber die "Wurzeln, die Ursachen des Welt 
krieges von 1914 - 1918 wurden nicht sichtbar" (171). Man 
konnte "damit die Menschen nicht gegen den Krieg aktivieren. 
Sie, die von der Weltwirtschaftskrise schwer betroffen wor 
den waren, fordern nicht nur die bloße Darstellung geschicht 
licher Ereignisse, sie wollten - nicht zuletzt auch im 
Film - Antwort haben auf die bohrende Frage nach dem 'Warum'!" 
(171) Damit trifft Knietzsch das Zentralproblem jener Zeit: 
die mangelnde Analyse der eigenen Lage. "Der Tonfilm kam zu 
einer Zeit, in der in Deutschland hart und unerbittlich Klas 
senkämpfe ausgefochten wurden. Schon ein Jahrzehnt vorher be 
ginnend, hatte sich der Film als ein wichtiges Propagandain 
strument in den Händen der deutschen Bourgeoisie zu einer 
Macht entwickelt. Der Tonfilm spornte die Drahtzieher der 
Filmindustrie zu noch größeren Anstrengungen an. Eine natio 
nalistische, faschistisch-militaristische Welle kam aus den 
Ateliers, unbehelligt von jeder Zensur, und stürzte sich tö 
nend auf ein Millionenpublikum. Während die Parteien und Or 
ganisationen der Arbeiterklasse jeden Groschen für Filmarbei 
ten zweimal umdrehten, ehe sie ihn ausgäben, standen den ka 
pitalistischen Filmproduzenten selbst in den ärgsten wirt 
schaftlichen Krisenzeiten Millionenbeträge zur Verfügung. Es 
ist leicht zu erkennen, daß der deutsche Faschismus, beson 
ders seit der Zeit des Tonfilms, manche Schlacht um das Be 
wußtsein von Millionen Menschen mit Hilfe des Films gewannen 
hat. 
In der ersten Tonfilmperiode triumphierte in Deutschland 
der vaterländische Filmkitsch. Durch eine Flut von Historien 
filmen wurde mit Erfolg chauvinistischer und militanter Geist 
geweckt. Mit Lobgesängen auf die gute alte Zeit wurde ver 
sucht, einem hungernden Volke die Mägen zu verkleistern."CVSL)
	        

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