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Praktiken der Reichsfilmkammer hingewiesen und auf Themen
kreise aufmerksam gemacht, die sich in stereotyper Weise in
den Filmen des Dritten Reichs wiederholen, leiser beschränkt
sich dabei auf die Formen der Propaganda, die sich inhaltlich
verifizieren lassen. Daß sie aber erst durch die geschickte
formale Realisation wirken konnte, die ihr den scheinbar le
gitimen Anspruch der Kunst gab, ist ein wesentlicher Aspekt,
der nicht übersehen werden sollte. Br würde als eigene Ab
handlung über den Rahmen dieses Bandes hinausgehen, sollte
aber erwähnt werden.^
Zu begrüßen ist die wiederholte ausführliche Wiedergabe
?
von Filmdialogen und ein Anhang mit weiteren Dokumenten zu
1 Diese Seite aufzuzeigen ist eine Aufgabe, die zu lösen
sich die Sendereihe von G. Schoenberner in den Dritten Pro
grammen des WDR und NDR im Fernsehen vorgenommen hatte und
dabei zu einsichtigen Ergebnissen gekommen ist. Aber auch
hier sollte die Frage nicht unterschlagen werden, wie es
zu einer derart reibungslosen Verarbeitung überhaupt kom
men konnte.
2 Zum Beispiel bringt Leiser auf S. 32 einen Dialog aus dem
Film über den "NS-Märtyrer" Horst Wessel, "Hans Westmar,
einer von vielen", in dem gezeigt wird, wie "der Kampf um
die Seele des Deutschen durch Nationalsozialismus und Kom
munismus nach Ansicht der NS-Filmpropaganda geführt wird.
"Hans Westmar erklärt angesichts einer kommunistischen Stra
ßendemonstration: 'Ich sage dir, da geht es um ganz Deutsch
land, da unten. Auf der Straße. Und darum müssen wir hinein
ins Volk. Wir dürfen jetzt nicht abseits stehen. Es geht
ums Ganze. Wir müssen kämpfen, Hemd in Hand mit dem Arbei
ter. ' Auf den Einwand, der Arbeiter wolle nichts von na
tionalsozialistischen Studenten wissen, sie seien für ihn
eine ganz andere Klasse, antwortet Westmar: r Es darf eben
jetzt keine Klassen mehr geben. Auch wir sind Arbeiter, Ar
beiter der Stirn, und unser Platz ist neben dem Bruder,dem
Arbeiter der Faust.'"
(Die folgende Szene hat eine literarische Tradition, die
durch die Vorliebe für die nationalen Passagen in Heinrich
v. Kleists Werk im Dritten Reich im Bewußtsein erhalten ge
blieben ist (vgl. dazu am Ende dieser Anmerkung). J. Wulf,
Theater und Film, S. 103, zitiert: Hans Jenkner, Märkische
Kulturwoche - Auftakt in Potsdam und in Frankfurt a.O.,
Völkischer Beobachter vom 10. 2. 1944: "Im Stadttheater
[.,.] erleben wir eine Morgenfeier der NSDAP., die dem Ge
nius des Heinrich von Kleist gehört. [...] Paul Hartmann,
der Präsident der Reichstheaterkammer, sprach [...] das
zweite Kapitel aus dem Katechismus der Deutschen.";- Nach
dem ersten Kapitel des "Katechismus der Deutschen"könnte der
folgende Dialog sein, den Leiser auf S. 32 ff. zitiert:

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