49
troffen zusammen. Sein Kopf fällt auf die Tasten, die einen
1anganhaltenden, wohlklingenden Akkord ausströmen.] Mit der
KröntWirklichkeit hatte dieser Tod in Schönheit, mit Musik
ohne jeden falschen Akkord, nichts zu tun." (29) Eine wahr
haft hilflose Aburteilung dieser Szene. Aus lauter Angst, wo
möglich nazistischer Sympathien geziehen zu werden, weicht er
hier auf einen "Realismus" aus und propagiert ethischen Anar
chismus. Dabei sind Stilisierung, ja Idealisierung durchaus
legitime künstlerische Ausdrucksformen; bewertet werden müs
sen sie nach der Intention, dem Wirkungszusammenhang. Eine
nicht absolut verwerfliche ethische Haltung wie Opferbereit
schaft, die sich erst durch ihre Bindung an eine verabsolu
tierte inhumane Zielvorstellung in ihr Gegenteil verkehrt,
wird hier vollends denunziert und läßt den Leser in Ratlosig
keit zurück. Die "heutige Sicht", von der Leiser bei seiner
Beurteilung ausgeht, soll wohl die eines bewußten Demokraten
sein - allein Demokratie ist auch ohne ein an sie geknüpftes
und an ihr ständig neu zu orientierendem Wertsystem nicht
aufrechtzuerhalten. Ohne Opferbereitschaft um einer besseren
Lösung willen könnte auch ein zur Diktatur neigender Staat
nicht auf den Weg zur Demokratie, die Leiser fordert, zurück
geführt werden. Die Perversion eines überkommenen Wertsystems
sollte den Autor nicht - wie auch an anderen Stellen - vor
schnell zu ethischem Nihilismus treiben, sondern die Überle
gung abnötigen, ob es ein von dem jeweiligen Zustand der Ge
sellschaft unabhängiges Wertsystem überhaupt geben kann und
unter welchen Bedingungen es pervertierbar wird. - Sicherlich
mögen solche Überlegungen den Rahmen dieses Taschenbuchs
sprengen. Sie zeigen aber, daß eine Bearbeitung dieses Themas
nicht ohne genügende theoretische Absicherung befriedigend
durchgeführt werden kann, daß eine vorgeblich wertfreie, rein
positivistische Aufzeigung von Dokumenten gerade nicht zu
ihrer Selbstentlarvung führt. Trotzdem bringt Leiser entschei
dende Züge des NS-Films und die meisten Aspekte, die man in
diesem Gebiet bisher erarbeitet hat. Sein Buch ist mit reich
lichen und informativen Zitaten versehen, die aber leider
nicht ausgewiesen werden, so daß man sie nicht verifizieren
und auch nicht mit ihnen arbeiten kann. Man wird auf die

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.