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und gerinnt leicht zur Ideologie, weil schnell die Schuld auf
einige wenige abgeschoben werden kann, die den Propaganda
apparat lenkten, während man sich selbst als unschuldiges
Opfer einer perfekten Propagandamaschinerie fühlte. Dieses
Rechtfertigungsstreben ignoriert aber das doch sehr komplexe
Gebiet von Propaganda und Wirkung und übersieht, "in welchem
Ausmaß sämtliche Faktoren und Momente des Kommunikationsfel-
des integrativ miteinander verbunden sind". Denn "die psy
chischen Prozesse, die wir als Wirkungen der Massenkommuni
kation bezeichnen, vollziehen sich nicht isoliert und unab
hängig voneinander; vielmehr bringen Veränderungen in einem
Bereich oft auch Veränderungen im anderen Bereich mit sich.
[...] Die verschiedenen Arten von Wirkungen hängen also funk
tional voneinander ab. Bei dieser Sachlage bedeutet es häufig
eine grobe Vereinfachung und damit oft eine Verfälschung des
Tatbestandes, wenn man die einzelnen Wirkungen isoliert be
trachtet und die Zusammenhänge vernachlässigt, in denen sich
p
die Wirkungen vollziehen". Der Wirkungsprozeß darf aber kei
neswegs naiv "als ein einseitig linearer Vorgang, bei dem der
eine Faktor - die Aussage - auf einen anderen Faktor - den
Rezipienten, - einwirkt und bei diesem bestimmte Veränderun-
gen hervorruft", angesehen werden.
Die Hilflosigkeit seines Antifaschismus zeigt sich bei
Leiser, wenn er zu den in den damaligen Filmen reichlich prä
sentierten "menschlichen Werten" Stellung nehmen soll. Auch
sein Kommentar zum "schönsten Heldentod in treuer Pflichter
füllung, den es im Film des Dritten Reiches gibt" (29),greift
zu kurz: in dem Film "Wunschkonzert" (194-0) von Eduard von
Borsody, dem erfolgreichsten Film der Nazizeit, "führt ein
Musiker während des Feldzugs im Westen 1940 seine verspreng
ten Kameraden durch sein Orgelspiel zu ihrem Ausgangspunkt,
einer Kirche, zurück und bezahlt dafür mit seinem Leben. [Er
sinkt, an der Orgel in der zerstörten Kirche spielend, ge-
1 G. Maletzke, Die Psychologie der Massenkommunikation,S.187.
2 G. Maletzke, a.a.O., S. 191.
3 G. Maletzke, a.a.O., S. 214.

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