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maligen Kinobesuchs. Zwar sieht auch Leiser den Film nur als
eines der Beeinflussungsmittel an, aber er vergißt zu beto
nen, daß Goebbels zunächst mit festen Grunddispositionen hat
te rechnen müssen, die ihm überhaupt erst die Wirkung seiner
Propaganda garantierten. Ton solchen Bedingungen ist bei Lei
ser leider keine Hede. Der Hinweis, viele Autoren und Regis
seure hätten "bereits vor dem Zusammenbruch des Hitler-Reiches
ihre Rechtfertigung" (8) vorbereitet, unterschlägt, daß es
eine grundsätzlich andere Einstellung bei den ausübenden
Künstlern kaum mehr gegeben hat, sondern höchstens Modifika-
tionen der herrschenden. Hier berührt Leiser - wie auch Riess,
Wulf und Rabenalt - ein ebenso zentrales wie delikates Pro
blem: die moralische Rechtfertigung der damaligen Haltung und
die nachträgliche Aufwertung eines seinerzeit kaum bemerkten
inneren Widerstands. Diese Haltung soll hier in keiner Weise
geschmälert werden. Es gibt genügend Beispiele für mutigen
persönlichen Einsatz. Aber diese Blickweise relativiert zu
eilfertig, wenn man, wie bei Riess, liest, daß auch ein Mann
wie der Reichsfilmintendant Hippier nicht das volle Vertrauen
von Goebbels besessen habe, weil er es gelegentlich gewagt
habe, "eine eigene Meinung zu äußern, das heißt eine Art
Nationalsozialismus zu vertreten, die Goebbels nicht gerade
paßte" (546). Dadurch verdeckt man den Blick für das Problem,
das doch nicht mit einerseits unbeabsichtigter, andererseits
mangelnder Zivilcourage allein zu erklären ist. Derartige
Rechtfertigungen scheinen mir nur zu bestätigen, daß eine
grundsätzliche Alternative zu diesem vorgestellten Bild des
deutschen Faschismus nicht akzeptiert und sein eigentliches
Übel nur in moralischen Ausschreitungen gesehen wird.
Die Auffassung von einer direkten Abhängigkeit Propaganda -
Bürger ist nicht nur Leiser eigen. Sie ist sehr verbreitet
1 Daß etliche Autoren zwar zu Zugeständnissen aktueller poli
tischer Art gezwungen wurden, vor denen sie sich gerne abge
sichert hätten, braucht nicht bestritten zu werden, daß sie
im Prinzip aber die hier vertretenen Ansichten nicht zu re
vidieren imstande waren, sondern nur die "Auswüchse" mildern
wollten, zeigt die Produktion nach 1945, die sich bis auf be
stimmte Äußerlichkeiten im Grundsätzlichen nicht von denen
vor 1945 unterschied. Vgl. dazu S. 30 f.

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