- 45 -
schlag, selbst nach Stuttgart zu kommen, um mit dem Herzog zu
verhandeln. Auf den Einspruch des Gesandten, dies sei ihm als
Juden verboten, erwidert er, wenn der Herzog den Schmuck ha
ben wolle, dann werde er schon Mittel und Wege finden, um mit
ihm ins Gespräch zu kommen, notfalls werde er sogar auf Bart
und Kaftan verzichten. - Bei mehreren Vorführungen mit an
schließender Diskussion ergaben sich folgende gegensätzliche
Meinungen zwischen Vertretern der älteren Generation und der
jüngeren, wobei die letztere stellvertretend stehen mag für
diejenigen, die nicht im rassistischen Ungeist des "Dritten
Reichs" aufgewachs8n sind. Ein auf diese Weise Unvoreingenom
mener verteilt hier eindeutig das Pro und Kontra seiner Sym
pathie auf Oppenheimer und den Herzog: dieser befindet sich
in einer Machtposition, die er zum verbilligten Ankauf der
Schmuckstücke ausspielen will, um den Juden die Abhängigkeit
spüren zu lassen, jener sieht sich gezwungen, durch Verleug
nung seiner Attribute eine eventuelle kleine soziale Aufbes
serung seiner Glaubensbrüder herauszuschlagen. Befragt man
Jugendliche nach der propagandistischen Wirkung dieser Szene,
dann verstehen sie gar nicht, was an diesem Streifen eigent
lich so antijüdisch sein soll. Aus sich selbst heraus wirkt
diese Szene, die Leiser als die typischste angesehen hat, ge
nau umgekehrt, als sie beabsichtigt war: die Sympathie ist mit
dem Ausgestoßenen. Dies mag symptomatisch sein für die Wirkun
gen, die eine geglaubte "wertfreie" Betrachtung, zumal solcher
Ausschnitte, auslösen kann, ohne daß das Vorverständnis der
Zuschauer berücksichtigt wurde. Die Reaktion der Erwachsenen,
die mit einem anderen Vorverständnis an diesen Pilrn herangehen,
verläuft wie erwartet: bei ihnen sitzt der Antisemitismus der
art tief, daß sie auf anderer Ebene, zwar im ganzen heute miß-
1 Es haben nach Aussage von Leiser zahlreiche Diskussionen
stattgefunden, deren Ergebnisse sich momentan noch in der
Auswertung befinden. Die im Text wiedergegebene Ansicht habe
ich auf einer Arbeitstagung über die "Neuesten Tendenzen im
Pilrn" in Wolfsburg im November 1968 vorgebracht. Sie ent
sprachen der Erfahrung der dortigen Diskussion.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.