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Publikationen anspricht. - "Eine ausführliche Gegendarstel
lung hätte nur eine Art von Emotionen durch andere ersetzt."
Sollte diese ungerechtfertigte und von ihm auch nicht begrün
dete Meinung die Entschuldigung sein für sein fehlendes theo
retisches Konzept? Oder traut er tatsächlich einer möglichen
rationalen Argumentation so wenig zu, daß er ihr keinen Über
zeugungscharakter abgewinnen kann? Wie sieht er dann jemals
den Weg zu einer besseren Möglichkeit? - "Durch die Ausspa
rung wird der Zuschauer in ein gefühlsmäßiges Vakuum versetzt
und zu einer persönlichen kritischen Auseinandersetzung mit
dem Stoff gezwungen." Auseinandersetzung kann immer nur
stattfinden aufgrund einer bestimmtem Menge an Information.
Da aber das bisherige Bewußtsein vieler Leser und Zuschauer
als falsch erwiesen wird, bleibt tatsächlich ein Vakuum, das
nun mit neuen Erkenntnissen aufgefüllt werden müßte.Diese
bleibt Leiser uns leider schuldig.
Wie Leisere Methode zu Mißverständnissen bei der Aufnahme
gerade seines Film führen kann, mag an einem Beispiel deutlich
werden. - Wenn man nicht das verschiedene Vorverständnis mit-
einkalkuliert, mit dem heutige Zuschauer seinen Montagefilm,
und das heißt hier die Filme des Dritten Reichs, betrachten
(und Leiser glaubt, davon absehen zu können), dann ergibt sich
bei einigen Szenen völlige Ratlosigkeit und Verständnisschwie
rigkeit. So etwa bei dem Ausschnitt aus "Jud Süß", den Leiser
als einen der schlimmsten präsentierte. Gezeigt wird die Szene,
in der zum ersten Mal der Jude Süß Oppenheimer auftaucht. Ein
Gesandter des Herzogs von Württemberg möchte ihm im Auftrag
seines Herrschers Schmuck für des Herzogs Geliebte abkaufen.
Oppenheimer öffnet seinen Tresor und zeigt seine Schätze. Der
angebotene Preis ist ihm jedoch zu gering. Er macht den Vor-
1 Das sollte Leiser berücksichtigen, zumal er wissen muß, daß
er der populärste derjenigen ist, die sich mit diesem Thema
beschäftigt haben. Er hatte durch seinen in über hundert Län
dern verbreiteten Montage-Film "Mein Kampf" (I960) und seine
dreimal ausgestrahlte Fernsehsendung "Deutschland, erwache!"
ein zahlenmäßig großes Publikum angesprochen, das er mit
diesem rororo-Taschenbuch ebenfalls zu erreichen rechnen
mußte.

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