43 -
durch andere ersetzt, dadurch bei vielen Zuschauern Abwehrme
chanismen erzeugt und eine Verdrängung ermöglicht. Durch die
Aussparungen wird der Zuschauer in ein gefühlsmäßiges Vakuum
versetzt und zu einer persönlichen, kritischen Auseinander
setzung mit dem Stoff gezwungen. Eine unreflektierte Identi
fikation des Publikums ist weder mit der Propaganda der Spiel-
filmszenen noch mit meiner Aussage möglich. Werturteile wer
den nicht ausgesprochen, sondern dem Zuschauer überlassen.
[...] Das Material wird aus der heutigen Sicht beurteilt."(7)
Doch welche Sicht meint er? Die der bürgerlich-konservativen
Kreise, die zahlenmäßig repräsentativ wäre, oder die der
Neuen Linken, um nur zwei Möglichkeiten zu nennen? Die "heu
tige Sicht" hätte geklärt werden müssen. Denn wenn man Leiser
auch die Qualität des Demokraten in keiner Weise absprechen
möchte - er selbst sagt, der "Mißbrauch der Massenmedien
durch ein totalitäres System beweist die Notwendigkeit der von
ihm bekämpften demokratischen Gesellschaftsordnung und des
Hechtes auf freie Information" (7) - so müßte er doch selbst
gewarnt sein, allzu optimistisch eine generell demokratische
Haltung in der BRD anzunehmen, die allein die Bedingung für
die Möglichkeit des richtigen Verständnisses seines Films und
seines Buches bietet. Er selbst schreibt, um die Bedeutung
seiner Untersuchung zu unterstreichen, in der es gilt "die
Ausnutzung des Spielfilms in der direkten politischen Propa
ganda des Dritten Reiches dazustellen" (7): "Gewisse Argumen
te der NS-Propaganda gegen den Parlamentarismus werden noch
heute auf der politischen Bühne wiederholt." (8) Diese Erfah
rung hätte ihn gegenüber seinem Ansatz, der in der TV-Sendung
und in seinem Buch gleich ist, skeptisch machen müssen. Seine
Methode, die Dokumente möglichst wertfrei aus sich selbst her
aus sich entlarven zu lassen, könnte höchstens Unstimmigkeiten
innerhalb des dargestellten Systems selbst bloßlegen, es als
ganzes aber nur angreifen oder ernstlich in Frage stellen,
wenn es von einem Standort aus geschieht, der außerhalb des
Verstehenshorizontes des Kritisierten liegt. Einen derartigen
aufgeklärten Standpunkt über die Verhältnisse in jener Zeit
haben aber die wenigsten derjenigen, die Leiser mit seinen

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.