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Tatsache, daß dem Publikum Unterhaltungsfilme besser gefie
len als verfilmte Weltanschauung" (96). Diese richtige Erkennt
nis führt ihn aber nicht zu der Einsicht, daß diese apoliti
sche Haltung des Publilfums die Basis der von Goebbels betrie
benen Filmpolitik wurde. Ein Symptom seines hilflosen Antifa
schismus ist seine Ratlosigkeit gegenüber der von Goebbels ge
äußerten Ansicht, als vorbildliche Filme habe man sich "Pan
zerkreuzer Potemkin", "Anna Karenina" und "Die Nibelungen" zum
künstlerischen Vorbild zu nehmen. Das sieht er als einen "nie-
A
mals geklärten Widerspruch" an (97). Ein Beweis seiner Hilf
losigkeit ist die angesichts des Films "Morgenrot" geäußerte
Meinung, der Vorwurf, dieser Film sei "besonders bezeichnend
für die neue 'nationalistische' Richtung" könne "schon des
halb nicht ganz richtig sein, weil dieser im Februar 1933 ur-
aufgeführte Film natürlich schon im Jahre vor der Machtergrei
fung begonnen und fertiggestellt wurde" (94).
e) Rabenalt
Einen ähnlichen Vorwurf mangelnder Ideologiekritik muß man
?
A. M. Rabenalt und seinem Buch "Film im Zwielicht" machen,
obwohl er als einer, "der dabei war, ohne dazuzugehören" (7)
mit weit höherem Anspruch dieses Thema angeht. Er vertritt
die These, daß es den unpolitischen Film gegeben habe, und
sieht ihn in den Genres der Unterhaltungsfilme realisiert.
Politisch relevant ist ihm ein Film nur in seiner sichtbaren
Wirkung - die affirmative entgeht ihm. Es ist ein recht äußer
licher Begriff von 'politisch*, den er gebraucht, wenn er
sich auch bemüht, ihn deutlich abzugrenzen. Bezeichnend dafür
ist seine Stellungnahme zu seinem eigenen Film "... reitet für
Deutschland", der "ohne politische Absicht hergestellt war"
(20) und seiner Meinung nach "erst durch seinen Erfolg sowohl
im neutralen und besetzten Ausland wie im Inland zu einem Poli
tikum" (20) geworden sei. Von der Herrenmoral,die diesen Film
1 Diesen "Widerspruch" löse ich im Kap. E. III. c.
2 A. M. Rabenalt, Film im Zwielicht, über den unpolitischen
Film des Dritten Reiches und die Begrenzung des totalitären
Anspruches, München 1958.

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