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Wulf kommentierend eingehen sollen, da er ein Bild vom Selbst
verständnis nationalsozialistischer Wissenschaft geben will und
zeigt, wie der Abstieg auch auf anderen Gebieten mit gleicher
Methode möglich war. Dies zu bemerken, erschiene mir wesent
licher als der Abdruck der Namen von Lehrbeauftragten auf der
selben Seite, deren Unterricht in einem derartigen Plan ohne
hin jeder individuellen Funktion entkleidet ist - allenfalls
durch die persönliche Autorität bessernden Einfluß haben kann.
Gerade diese Absicht bezweckt Wulf aber nicht mit ihrer Erwäh
nung.
So hat dies Buch die Nachteile silier reinen Dokumenten
sammlungen, die die Beispiele nur nach Sachgebieten gegliedert
recht unvermittelt abdrucken und das hier zwangsläufig zu dem
wird, was der Klappentext schreibt: "eine Sammlung authenti
scher Zeugnisse fataler Glorifizierung des nationalsozialisti
schen Staates durch deutsche Schauspieler, Regisseure, Kriti
ker und Drehbuchautoren. Beschämende Dokumente einer organi
sierten intellektuellen und moralischen Korruption."
Es bleibt vielfach im Bereich persönlicher Diffamierung und
evoziert ein Bild genereller Entsittlichung, ohne darauf einzu
gehen, daß die angeprangerte Amtswillkür durch das allgemein
akzeptierte System des "Führerprinzips" begünstigt wurde, die
demokratische Ordnung als Alternative aber diskriminiert war
und ihre Vertreter bereits aus allen Ämtern entfernt worden
waren. Wie gefährlich eine solche unkommentierte Dokumentation
für Nichtinformierte sein kann, mag ein Beispiel zeigen. Auf
S. 385 bringt Wulf ohne jeden Zusatz:
"Hitlerfahnen wehen über Deutschland am 1. Mai 19331
Der Weltfeiertag der Internationale von einst ist mitten
im gewaltigen Aufbruch der deutschen Nation zum deutschen
Nationalfeiertag geworden, zum höchsten Feiertag, den das
deutsche schaffende Volk sein eigen nennt: zum Feiertag
der nationalen Arbeit!
Es wird in Zukunft keine Film-'Branche' mehr geben in
Deutschland, in der man ein Kulturgut meterweise wie
billigen Stoff verramscht. Wer das nicht erkennen will,
der soll sich nach einer anderen Erwerbsmöglichkeit Um
sehen, für den ist im neuen Film-Deutschland kein Platz."
1 Arnold Raether, Film unterm Hakenkreuz, in:Film-Kurier vom
29. 4. 1933-
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