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Am 4. März 1938 propagierte Goebbels in seiner Ansprache zur
Grundsteinlegung der Filmakademie in Babelsberg als neue
Lern- und Lehrmethode:
"Einen breiten Raum im Studium hat die weltanschauliche
Ausbildung. Nur der kann künstlerisch fruchtbar wirken,
dem Überlieferung, Geschichte und Entwicklung seines
Volkes stets gegenwärtig sind. Hierbei ist die Entwick
lung der nationalsozialistischen Bewegung, ihr Wesen
und Wollen von entscheidender Bedeutung. [...] Denn im
Dritten Reich kann kein Künstler, gleich auf welchem
Gebiet er wirkt, allgemein Gültiges und allgemein Wert
volles schaffen, wenn er nicht aus dem Kraftzentrum der
Bewegung Adolf Hitlers seine Anregungen empfängt. Das
Filmschaffen braucht gesunde, sportgewandte und dem Le
benskampf gewachsene Menschen.""
Ohne eine Anmerkung, daß "Weltanschauung" nur ein Pflichtfach
wie Filmvorführung, - theaterkunde, -Wirtschaft, bildende
Kunst, Literatur, Sport, Grundfragen der Dramaturgie war, er
hält man einen völlig falschen Eindruck von der Lehrmethode.
Man kann einem diktatorischen Regime nicht übel nehmen, daß
sein propagiertes Geschichtsbild in einer staatlichen Akade
mie vermittelt wird; wie es aber geschieht, kennzeichnet das
Selbstverständnis von Lehre und Wissenschaft in einem solchen
Staat: nicht Auseinandersetzung, sondern Indoktrination des
auf Chrestomatien zusammengeschrumpften Stoffs ist das Ziel.
Das zeigt sich etwa an der Zeit, die für jedes Thema zur Ver
fügung stand. Bei täglichem Unterricht verblieb z. B. höch
stens eine Doppelstunde im Semester, um den im Lehrplan ange
zeigten "Marxismus" durchzunehmen. Ähnlich ist es in der deut
schen Literatur. Dort stand von der älteren Literatur der
"Heliand" auf dem Programm, aus dem "Sturm und Drang" Lenz,
aus dem Bereich der Romantik Novalis, Eichendorff, dann die
frühe deutsche Shakespeare-Rezeption durch Chr. Weisse,
Eschenburg, Wieland und Fr. L. Schröder. Die Gegenwart wurde
zwar besonders betont, man beschäftigte sich aber im 1. Seme
ster nur mit D. Eckart und H. Johst, während im 2. Semester
F. Bethge, E. W. Möller, W. Müller-Scheld (der Akademiedirek-
1 J. Goebbels, in: Deutsche Filmakademie, S. 14,

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